Zum Tag des Ehrenamts: Gemeinsam die Hürden meistern

Region  Heute, am Tag des Ehrenamts, hätten sie eigentlich stattgefunden, die Feierlichkeiten für Menschen, die in ihrer Freizeit in sämtlichen Bereichen des Lebens für andere da sind. Coronabedingt knallen keine Sektkorken. Hier stellen wir fünf Ehrenamtliche vor.

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Jara Ellinger, Top-Athletin der TSG Heilbronn, weiß, wie man Hindernisse überwindet. Ehrenamtliche Trainer haben zu ihrem Erfolg beigetragen.

Foto: AxelKohring/Imago Images

Das Forum Ehrenamt in Heilbronn, zu dem all die Organisationen der auf dieser Seite vorgestellten Menschen gehören, macht weiter. Warum? "Im Ehrenamt darfst du Gutes tun und verbesserst damit deine eigene Lebensqualität", sagt Richard Siemiatkowski-Werner, Vorsitzender des Forums. Trotz Corona gehe das Ehrenamt nicht unter. Gleichwohl sei es gefährdet, sagt Dekan Christoph Baisch und denkt dabei etwa an Chöre.

"Für eine ganze Reihe ist das existenzgefährdend." Auch im Sport seien die Vorschriften, die teils aus unterschiedlichen Ministerien kämen, irreführend, Haftungsfragen ungeklärt, Besuchsdienste in Altenheimen nicht möglich. "Die Frage ist doch, was wird aus diesen Menschen?" Die Stärke des Ehrenamts, den Menschen zugewandt zu sein, erweise sich derzeit als Schwäche.

Oberbürgermeister Harry Mergel stellt trotz schwerer Zeiten die Bedeutung heraus. "Neben meinem Elternhaus waren es Ehrenamtliche, die mich am meisten geprägt haben. Sie haben mich im Sport, in der Jugendarbeit, in der Kultur und auch in der Politik gefördert. Von ihnen habe ich außerordentlich profitiert", so der Heilbronner Rathauschef. "Der 5. Dezember ist für mich ein Tag des Dankes an alle ehrenamtlich tätigen Bürger. Eine besondere Rolle kommt dem Forum Ehrenamt zu. Dieser Zusammenschluss ist eine wichtige Schnittstelle zwischen Vereinen und interessierten Menschen."


Für andere etwas tun

Joachim Haag, Fahrtafel Diakonie: Für andere etwas tun

Donnerstags bin ich als Fahrer für die Fahrtafel der Diakonie Heilbronn unterwegs, ein Kollege ist auch dabei. Man kennt sich, es kommen gute Gespräche zustande. Die Leute ticken ähnlich wie ich. Wir verkaufen vom Auto aus Lebensmittel für Leute mit Berechtigungsschein. Für 15 Euro können sie ihren Korb wirklich vollmachen. Ich starte mit dem Fünfeinhalb-Tonner in Bad Friedrichshall, weiter geht es nach Oedheim und Möckmühl. Manche unserer Kunden haben Angst, dass wir wegen des Lockdowns nicht mehr kommen. Sie fragen jedes Mal, ob wir nächstes Mal auch bestimmt wieder da sind.

Wir Fahrer sind alle über 60, auch ich gehöre mit 67 nach einer Herz-OP zur Risikogruppe. Aber die Arbeit ist im Freien, wir halten Abstand, tragen Maske. Vor Ort wartet immer ein Helferteam, das sich um die Stromversorgung kümmert und die Kasse aufbaut. Früher war ich Hauptamtsleiter im Gundelsheimer Rathaus. Ich finde, wenn es einem selbst gut geht, muss man auch etwas für andere tun.


Freude am Sport

Rosemarie Just-Espert, TSG Heilbronn: Freude am Sport

Ich bin 61 Jahre alt und seit 22 Jahren Abteilungsleiterin Leichtathletik bei der TSG Heilbronn. Derzeit besteht meine Arbeit schwerpunktmäßig darin, ein Hygienekonzept nach dem anderen einzureichen.

Unsere Aktiven, über 16-Jährigen, kann man auch mal alleine oder zu zweit zum Warmlaufen schicken. Bis zum Teil-Lockdown konnten wir noch mit 20 Jugendlichen trainieren. Seit fünf Wochen sind nur zwei Personen erlaubt, das geht mit den Älteren, mit den Jüngeren nicht. Kurzfristig haben wir mit den Trainern einen Adventskalender auf unsere Homepage gestellt, bei dem sich hinter jedem Türchen eine Übung versteckt. Vielen Kindern fehlt die Möglichkeit, sich richtig auszupowern. Ich sehe, wie gern sie zu uns kommen.

Es ist schade, dass sie so ausgebremst werden. Ich mache das alles, weil ich Spaß am Umgang mit Menschen und Freude am Sport habe. Ich will die Leute voranbringen. Beruflich habe ich Industriekauffrau gelernt und bin Trainerin für Rehabilitation und Prävention.


Jubiläum ohne Fest

Uwe Mettendorf, Kulturschmiede: Jubiläum ohne Fest

Ich bin 63 Jahre, ehemaliger Polizeibeamter und Gründungsmitglied des Arbeitskreises Heimat und Kultur in Neckargartach. Wir machen heimatgeschichtliche Aufarbeitung, haben schon sieben Bücher herausgebracht, organisieren als Kulturschmiede Veranstaltungen mit Künstlern aus der Region.

Dieses Jahr haben wir 25-jähriges Bestehen, aber Ostermarkt, Ü-30-Party, der Auftritt des magischen Zirkels von Heilbronn, der märchenhafte Waldspaziergang: Unser ganzes Programm ist ausgefallen. Eine einzige Veranstaltung hat noch geklappt. Am Anfang ist es schon traurig, alles abzusagen. Aber man muss positiv denken. Ich halte Kontakt mit unseren Mitgliedern, durch Briefe und Anrufe. Manche fallen dann fast vom Sofa, weil sie so erstaunt sind.

Zu runden Geburtstagen bringe ich immer ein Geschenk vorbei. Früher haben wir dann im Wohnzimmer einen Sekt geköpft. Das war eine Sache! Jetzt überreiche ich alles am Gartentörchen, das ist so was von unpersönlich. Aber die Leute freuen sich trotzdem.


Schulerfolg für Kinder

Bettina Kümmerle, Meseno-Stiftung: Schulerfolg für Kinder

Ich bin 53 Jahre und ein Ehrenamts-Mensch, ich hatte da schon immer den Hut auf. Das liegt vielleicht auch daran, dass mein Mann Offizier war, da hat das Organisieren von Zusammenkünften irgendwie dazugehört. Mit Hans Hambücher, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse, und Landgerichtspräsident Wolfgang Görlich bin ich eins von drei Vorstandsmitgliedern der Meseno-Elsa-Sitter-Stiftung. Die Stiftung hat eine Krippe und einen Kindergarten sowie einen Sozialladen.

Im Treffpunkt kümmern wir uns zudem um Schüler der Wilhelm-Hauff-Schule. Weil vieles wegen Corona nicht möglich ist, haben wir den "Treffpunkt Plus" ins Leben gerufen. Die Schüler bekommen Nachhilfe im Einzelunterricht, denn viele müssen nach dem Lockdown im Frühjahr wieder Lernen lernen, tun sich schwer mit Konzentration und Struktur. Normalerweise kommen sie nach der Schule zum Mittagessen, wir legen Wert auf Tischmanieren, auf Vorlesen, und die Kinder bekommen auch eigene Bücher.


Verbindung schaffen

Ingrid Meier, Forum Ehrenamt: Verbindung schaffen

Unsere Hauptaufgabe: Wir vom Forum Ehrenamt vermitteln Leute, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Vor 15 Jahren war ich als Anlage- und Vermögensberaterin gerade in Altersteilzeit gegangen, jetzt bin ich 75 Jahre alt. Ich wollte mithelfen, etwas Neues aufzubauen. Inzwischen hat sich viel getan.

Sechs Kollegen betreuen unsere Geschäftssstelle. Sie ist derzeit geschlossen wegen Corona, das meiste läuft über E-Mail. An uns wenden sich Leute, die etwas machen möchten und gern einen Vorschlag hätten, wo sie helfen könnten. Auf unserer homepage "forum-ehrenamt.org" sind jede Menge Möglichkeiten eingestellt. In normalen Jahren organisieren wir viele Veranstaltungen, etwa Dankeschön-Abende: Diese Tradition hat sich jetzt auch in verschiedenen Landkreis-Gemeinden etabliert.

Wir vermitteln Lesepaten, Nachhilfe, Besuche in Altenheimen. Das geht momentan leider gar nicht. Was ich mir wünschen würde? Eine kommunale Stabsstelle für bürgerschaftliches Engagement.


Petra Müller-Kromer

Petra Müller-Kromer

Autorin

Petra Müller-Kromer ist seit 1999 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Im Stadtkreis-Ressort liegt ihr Schwerpunkt unter anderem auf sozialen Themen.

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