Zoll-Bilanz: Weniger Zigarettenschmuggel, mehr Energiesteuer

Heilbronn  Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Jahresbilanz des Heilbronner Hauptzollamts für 2020: Mehr Steuereinnahmen, weniger Betriebskontrollen und Schmuggel.

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Beim Hauptzollamt Heilbronn sind 514 Mitarbeiter beschäftigt. Sie kontrollieren unter anderem Warentransporte auf der A6 (Themenfoto).

Foto: privat

Corona hat die Arbeit des Zolls stark verändert. Zeitweise weniger Warenverkehr auf den Straßen, weniger Schmuggel, geschlossene Betriebe, wiederum andere Branchen, die stark wachsen - entsprechend uneinheitlich fallen die Zahlen des Hauptzollamts Heilbronn für das vergangene Jahr aus. Die Zolleinnahmen sind gesunken, die Einnahmen aus nationalen Steuern aber gestiegen.

Vor allem die Abgaben, die beim Verkauf von alkoholischen Getränken, Energie und Tabakwaren zu bezahlen sind, seien gestiegen, erläutert der Sprecher des Heilbronner Hauptzollamtes, Marcel Schröder. Diese sogenannten Verbrauchssteuern werden auf den Verbrauch einzelner Güter erhoben. 195,4 Millionen Euro flossen so durch die Arbeit des Heilbronner Zolls in den Bundeshaushalt, rund sechs Prozent mehr als 2019. Warum das so ist, darüber könne man nur spekulieren, meint Schröder. "Manches hängt möglicherweise damit zusammen, dass viele Menschen zu Hause arbeiten. Auch wurden manche Produkte in Pandemiezeiten womöglich stärker nachgefragt."

Weniger unversteuerte Zigaretten beschlagnahmt

Das Hauptzollamt Heilbronn hat 2020 insgesamt rund 716 Millionen Euro an Abgaben erhoben. Bereits von 2018 auf 2019 gingen diese Einnahmen zurück, auf 2020 sind sie erneut um 59 Millionen Euro zurückgegangen. Diese Abgaben umfassen Steuern, die bei der Einfuhr bestimmter Waren anfallen. Durch die zwischenzeitlich schwache wirtschaftliche Lage weltweit gingen auch die Zolleinnahmen zurück. Nach davor stetigem Anstieg brachen diese Einnahmen 2020 um rund 20 Prozent auf 38,8 Millionen Euro ein.

Wenn weniger Lkw auf den Straßen Waren transportierten, böten sich auch Schmugglern weniger Möglichkeiten, sagt Marcel Schröder. Doch hänge auch viel von einzelnen großen Funden ab. "Dass 2020 deutlich weniger hier unversteuerte Zigaretten beschlagnahmt wurden, liegt an wenigen umfangreichen Fällen im Jahr davor." Während im Jahr 2019 noch über 725.000 Zigaretten bei Kontrollen aufgefunden wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 300.000. Im Herbst 2019 wurden bei zwei einzelnen Kontrollen 600.000 Schmuggelzigaretten sichergestellt. Um dem Einfallsreichtum der Schmuggler zu begegnen, kommt seit vergangenen Jahr der frisch ausgebildete Zollhund Luc samt Hundeführerin als auch ein 2020 beim Hauptzollamt Heilbronn in Betrieb genommenes Spezialfahrzeug zum Einsatz - es kann per Röntgenbild fremde Fahrzeuge inspizieren. "Bei solchen Funden hängt viel vom Spürsinn der kontrollierenden Kollegen und manchmal auch schlicht von Glück ab", sagt Marcel Schröder.

Andere Branchen bei Kontrollen im Fokus

Die Kontrolle von Betrieben auf der Suche nach Schwarzarbeit hat sich in Pandemiezeiten verändert. "Manche vorher häufig geprüften Branchen wie Gastronomie oder Hotels spielen zurzeit keine Rolle", erläutert der Sprecher. Dafür rückten Paket-Zustellunternehmen, Fleisch-, Abfall- und Landwirtschaft in den Fokus der Zöllner.

 


Alexander Klug

Alexander Klug

Reporter

Alexander Klug ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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