Zahlreiche Kitas bleiben geschlossen

Region  In Bad Friedrichshall, Gundelsheim und Neckarsulm sind am Montag zahlreiche Betreuungseinrichtungen geschlossen gewesen. Auch die Klinik in Bad Friedrichshall-Plattenwald wurde bestreikt. Am Donnerstag geht es in Heilbronn und Weinsberg weiter.

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Zeigen in Gundelsheim Präsenz: Gut 200 Mitarbeiter des öffentlichen Diensts ziehen durch die Stadt zum Rathaus. Bürgermeisterin Heike Schokatz engagiert sich bei den kommunalen Arbeitgebern.

Foto: Ralf Seidel

"Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag": Das haben 200 Teilnehmer der Streik-Demonstration in Gundelsheim gerufen, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat.

Erzieherinnen kommunaler Kitas in Bad Friedrichshall, Gundelsheim und Neckarsulm waren unter anderem gekommen, Mitarbeiter des SLK-Klinikums in Bad Friedrichshall-Plattenwald ebenfalls. Dass die Gewerkschaft in die Stadt als Ziel aussuchte, hat mit dem Engagement von Bürgermeisterin Heike Schokatz zu tun: In einem Ausschuss der kommunalen Arbeitgeber vertritt sie die Kommunen bis zu 20.000 Einwohner, und im Gremium geht es auch um die Entlohnung.

Erzieherinnen denken an die Familien

Der Bauhof zeigt Präsenz. Zahlreiche Männer mit Gundelsheim-Logo auf der Jacke haben sich dem Streik angeschlossen und klatschen. Überrascht waren sie schon, sagt ein Mitarbeiter, der namentlich nicht in der Zeitung stehen will, dass Verdi zur Kundgebung in Gundelsheim aufgerufen hat.

In den Kitas fiel manchen Erzieherinnen die Entscheidung schwer: Streiken oder nicht? In der Kritik standen bei den Mitarbeitern aber nicht die Gehaltsforderungen - sondern die Mitarbeiter blickten auf die vielen Familien, die zuletzt während der wochenlangen Corona-Schließung die Betreuung ihrer Kinder selbst organisieren mussten.

In Gundelsheim blieben am Montag trotzdem alle Einrichtungen geschlossen, im Vorfeld haben die Einrichtungen nach eigenen Angaben mit den vielen gesprochen. Im Teilort Böttingen gab es Kritik, berichten Erzieherinnen, in der Kernstadt hingegen nicht. "Wir sind von Eltern unterstützt worden", sagt Maria Menstell-Göbel, die in einer Kita direkt in Gundelsheim arbeitet. 44 Kinder wurden bei ihr nicht betreut.

Sollte es aber auf einen weiteren Streiktag hinauslaufen, wollen sich die Erzieherinnen noch einmal überlegen, ob sie eine Notbetreuung organisieren. "Es ist ein sehr anstrengender Beruf", wirbt Maria Menstell-Göbel um Verständnis für das geforderte Gehaltsplus. Dem Streik schlossen sich auch Kolleginnen an, die nicht zur Gewerkschaft gehören. Eine davon ist Julia Hofmann, die als Erzieherin in Gundelsheim tätig ist. Ob sie Verdi beitritt, will sie nicht ausschließen.

 

 

Neckarsulmer Elternbeirat wundert sich über großer Streik-Versammlung

Der Streik wirkte sich auf die Stadt Neckarsulm aus, wo die meisten Kindergärten von der Stadt betrieben werden. Laut Rathaus waren von der Schließung insgesamt 23 Gruppen in sechs Kitas betroffen. Regulär geöffnet hatten 19 Gruppen in sechs Kitas. Zu blieb unter anderem die Einrichtung Danziger Straße. Die Gehaltsforderungen der Erzieherinnen kann Christian Harst, Mitglied des Elternbeirats, nachvollziehen. In diesem Beruf gebe es zurzeit überall einen hohen Bedarf, allerdings wollten ihn nur wenige ausüben, sagte er auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Schließung geht ihm dann aber doch zu weit. Außerdem bedauert er, dass es eine größere Streikversammlung in Gundelsheim gab - während in den Einrichtungen darauf geachtet wird, dass die Gruppen strikt getrennt und nicht durchmischt werden. Selbst Elternabende fänden zurzeit nicht statt.

 

 

So sieht die Stimmung in den SLK-Kliniken aus

Mit 50 Mitarbeitern sei die Klinik in Bad Friedrichshall-Plattenwald vertreten, schätzt Mitarbeiterin Helga Kopton. "Viel mehr wären gern dabei gewesen", weiß die SLK-Mitarbeiterin. Allerdings stelle man die Versorgung der Patienten sicher. "Wir sind sauer", berichtet sie von der Stimmung im Team. Wegen Corona habe man bis zu zwölf Stunden geschichtet und den Arbeitsplatz gewechselt. "Wir haben alles möglich gemacht." In der Krise habe es Applaus gegeben, es sei eine Corona-Prämie versprochen worden - doch die sei nur an jene Kollegen gegangen, die in Altenheimen arbeiten. Die Kundgebung in Gundelsheim fand vor dem Rathaus statt, dazu sagte Helga Kopton: "Ich hoffe, dass sich Bürgermeisterin Heike Schokatz von uns beeinflussen lässt."

Aus Sicht der Bürgermeisterin gibt es aber Grenzen des Machbaren. Zig Einnahmen seien den Städten und Gemeinden weggebrochen, sagt Heike Schokatz. "Wir müssen im Haushalt auf Sicht fahren." Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen eine Anhebung der Einkommen um 4,8 Prozent. Für Heike Schokatz ist ein Abschluss "in Richtung zwei Prozent" möglich.

Der Warnstreik geht am Donnerstag, 8. Oktober, in der Region weiter. Aufgerufen sind die Beschäftigten Stadt Weinsberg, des Landratsamts Heilbronn, der Stadt Heilbronn sowie der Stadtwerke Heilbronn. Dazu gehören auch die Kitas. Laut Stadtverwaltung bleiben zwei Einrichtungen geschlossen, zwölf weitere sind ebenfalls betroffen, in ihnen gebe es aber Notgruppen. Die Eltern würden informiert.

 

 


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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