Heilbronner Wollhaus-Passage ist zwangsversteigert

Heilbronn  Die Heilbronner Wollhaus-Passage hat einen neuen Besitzer. Im Rahmen einer Zwangsversteigerung hat ein Oedheimer Immobilienunternehmen gut drei Millionen Euro geboten. Die Gläubigerbank hat das Gebot akzeptiert. Das Unternehmen hat Pläne für eine Sanierung in der Schublade.

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Die Ladenpassage hat einen neuen Eigentümer. Die Neufeld Wohnbau, die auch Flächen im Turm besitzt, will das Wollhaus umfassend sanieren. Die Pläne dafür liegen in der Schublade.

Foto: Ralf Seidel

Die Ladenpassage im Heilbronner Wollhaus-Zentrum hat am Dienstag den Besitzer gewechselt. Im Rahmen der Zwangsversteigerung hat die Neufeld Wohnbau aus Oedheim für 3,025 Millionen Euro den Zuschlag erhalten.

Nach Angaben von Thomas Seeberger, Leiter der Neufeld-Planungsabteilung, gibt es fertige Pläne für eine umfassende Sanierung in der Schublade. "Wir sind so weit, dass wir der Stadt etwas präsentieren können."

Gutachter: 4,263 Millionen Euro

Ein Gutachter hatte den Wert der Teilfläche auf 4,263 Millionen Euro geschätzt. Die Commerzbank als Gläubigerbank akzeptierte das Gebot beim ersten Verfahren. Bereits seit 2017 stand die Ladenpassage, die der Frankfurter GbR Lisker, Lisker, Weiss gehörte, unter Zwangsverwaltung. Der Flächenanteil am gesamten Wollhaus beträgt knapp ein Viertel.

Die Zwangsversteigerung im Heilbronner Haus des Handwerks war mit Spannung erwartet worden. Hat die Immobilie weitere Interessenten nach Heilbronn gelockt? Die Bietezeit, in der Gebote abgegeben werden können, dauerte 30 Minuten. Im Zuschauerraum saßen etliche, teils auswärtige Bieter, die aber offenbar mit dem Gebot der Oedheimer Firma nicht mithalten wollten.

Die Summe von drei Millionen Euro entspricht sieben Zehntel des Verkehrswerts - ein in Zwangsversteigerungsverfahren häufig als Mindestgebot angesetzter Betrag. Üblich sind auch Absprachen im Vorfeld zwischen Bieter und Gläubiger, der Ausgang bleibt aber offen.

Neufeld Wohnbau hat sich erst in diesem Jahr als Akteur in die Wollhaus-Entwicklung eingebracht und mehrere Flächen im Turm erworben. Vermittler und Projektplaner Thomas Seeberger ist selbst einer der Eigentümer des Wollhausturms. "Die Ungeduld der Bank spielt uns in die Karten", kommentiert der Heilbronner Architekt den Eigentumserwerb über die Zwangsversteigerung. Um einer Lösung für den Gesamtkomplex näher zu kommen, zähle jeder Quadratmeter. Der überwiegende Teil, der ehemalige Kaufhof, ist nach wie vor im Besitz eines dänischen Fonds.

 

 

Nach den Plänen des neuen Eigentümers soll das Wollhaus als Ganzes bestehen bleiben - im Interesse der Nachhaltigkeit und des Ressourcenverbrauchs. "Die Konstruktion ist vom Kern her gut. Alles abzureißen ergibt keinen Sinn", betont Seeberger. Was funktioniert, solle beibehalten werden. Allerdings werde man das Wollhaus nicht wiedererkennen. "Wir müssen raus aus dem Charme der 80er Jahre." Dazu gehöre auch die Fassade.

Seeberger beteuert, dass man mit einem Mix aus Büro, Gewerbe und Wohnen den Vorstellungen der Stadtverwaltung "nicht entgegenlaufen" will. Der Planer rechnet mit sechs bis neun Millionen Sanierungskosten. "Wir wollen keine Pinselsanierung." Das Wollhaus sei für Heilbronn ein neuralgischer Punkt. Dort müsse man für eine hohe Verweildauer sorgen. "Wir wollen keine tote Ecke und auch kein zweites Sorgenkind wie das K 3 haben."

Kruck-Pläne für Neubau

Ebenfalls sehr konkret an Wollhaus-Plänen arbeitet der Heilbronner Immobilienentwickler Joachim Kruck, der sich klar für einen Abriss und Neubau ausgesprochen hat. Bei der Zwangsversteigerung war er nicht dabei. "Wir haben nicht mitgeboten, um den Preis nicht nach oben zu treiben", betont Kruck. Er wünscht sich, dass die neuen Eigentümer der Teilfläche am Ende doch nicht bei der Idee einer Sanierung bleiben. Der günstige Einstandspreis biete der Firma Neufeld "Spielraum für einen Neubau mit guter Architektur. Ich hoffe, dass diese Chance genutzt wird."

Zur Zwangversteigerung will sich die Verwaltung nicht äußern. "Die Stadt Heilbronn bewertet keine einzelnen Vorgänge im Wollhaus", sagt Oberbürgermeister Harry Mergel. Städtisches Ziel bleibe ein grundlegende Neugestaltung des Areals. "Wir werden uns weiterhin nicht in private Auseinandersetzungen einmischen und setzen auf Mechanismen des Marktes", so der OB.

Eigentümer ist ein dänischer Fonds 

Das Wollhaus ist eine Wohnungseigentümergemeinschaft. Die jetzt zwangsversteigerte Passage hat einen Anteil an der Gesamtfläche von 24 Prozent. Allen Turmeigentümern zusammen gehören 14 Prozent. Der größte Anteil von 62 Prozent umfasst die ehemalige Kaufhof-Fläche. Dieser Eigentumsanteil steht ebenfalls unter Zwangsverwaltung einer Immobilienbank, der DZ Hyp. Eigentümer ist ein dänischer Fonds mit Namen K/S Heilbronn Tyskland. Weil es bislang keinen Zustellungsbevollmächtigten in Deutschland gab, stockt das Ganze. Erst für 2021 rechnet die Rechtspflegerin Christine Volz-Weber damit, dass es zum Verfahren kommt.

 


Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel  

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