Neue Europa-Partei Volt ist jetzt auch in Heilbronn aktiv

Interview  Martin Schneider, Sprecher des City Teams Heilbronn der Europa-Partei Volt, spricht im Stimme-Interview über den Traum von einem vereinigten Europa, die Ziele der Partei und Probleme der EU.

Von Anna-Lena Sieber

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Seit der Europawahl engagiert sich Martin Schneider bei der Europa-Partei Volt. Ziel dieser neuen Partei ist es, Europa zu reformieren.

Foto: Mario Berger

Die baden-württembergische Parteienlandschaft ist seit gut einem Monat um eine Partei reicher. Ein Landesverband der europaweit in 29 Ländern verankerten Partei Volt hat sich unter dem Motto "Europa ins Ländle" in der Heilbronner Zigarre gegründet.

Im Interview spricht Martin Schneider, Sprecher des sogenannten City Teams Heilbronn, über die Ziele der Partei, die Probleme, die es in Europa gibt und über EU-Hipster.

 

Herr Schneider, Volt ist ja eine Europa-Partei. Was wollen Sie auf regionaler Ebene bewegen?

Martin Schneider: Wir wollen den europäischen Gedanken auf die regionale Ebene tragen. Um europaweit etwas bewegen zu können, müssen wir auch ins Regionale hinein. Wir müssen im Kleinen anfangen, um unsere Vision von Europa auch für ganz Europa zugänglich zu machen.

 

Was ist diese Vision von Europa?

Schneider: Wir wollen, dass Europa eine föderale Republik wird nach amerikanischem Vorbild. Die Vereinigten Staaten von Europa, wenn Sie so wollen. Damit wir im weltweiten politischen Geschehen handlungsfähiger sind. Momentan blockieren sich europäische Staaten immer wieder durch irgendein Veto-Recht. So ist man nicht schnell handlungsfähig. Bei manch einem Thema dauert es doch schon sehr lange. Beispielsweise bei den Themen Umwelt- und Klimaschutz. Da passiert einfach zu wenig.

 

Volt kennt man bisher nur als elektronische Maßeinheit. Wofür steht der Parteiname Volt?

Schneider: Volt, die elektronische Maßeinheit, wird überall in Europa verstanden und heißt auch überall gleich. Daher wurde dieser Name gewählt, weil er uns alle eint und jeder ihn versteht. Und natürlich hoffen wir auch, dass wir in Europa für Spannung sorgen können.

 

Im Wochenthema "Europa und die Region" haben wir ausführlich den Fokus auf die Frage gelegt, wie sich die Europapolitik auf Heilbronn, Hohenlohe und den Kraichgau auswirkt. 

Wofür ist das City Team in Heilbronn zuständig und wie viele Mitglieder hat es?

Schneider: Die City Teams sind Vorstufen zu Ortsverbänden. Alles Offizielle läuft noch über den Landesverband oder über Volt Deutschland. Wir im City Team sind dafür da, dass auch in Heilbronn Volt-Politik gemacht werden kann und jeder die Partei kennenlernt. Wir haben in unserem City Team im Moment zwölf Mitglieder. Es ist ziemlich bunt durchmischt. Da sind vom Studenten bis zum Rentner viele dabei. Das ist allerdings eher untypisch für Volt. Volt ist eine Partei mit einem relativ jungen Altersdurchschnitt. Der Großteil der Mitglieder ist unter 30.

 

Aufgrund des geringen Altersdurchschnitts haben einige Medien Ihre Partei als "EU-Hipster" bezeichnet. Was halten Sie von dieser Bezeichnung?

Schneider: Wenn man Hipster als etwas Neues probieren, einfach anders sein wollen definiert, dann könnte der Begriff durchaus zutreffen. Denn wir wollen letztendlich die EU komplett neu gestalten. Nach dieser Reform soll die EU geeint sein.

 

Welcher der traditionellen Parteien stehen Sie am nächsten?

Schneider: Ich denke, da sind die Grünen und die FDP gute Kandidaten. Denn wir sind wie die Grünen für Umwelt- und Klimaschutz, und es ist auch etwas von dem liberalen finanzpolitischen Gedanken der FDP mit drin. Von der Gesinnung her ist unsere Partei ein Mix aus diesen beiden.

 

Wie halten die verschiedenen Volt-Gruppierungen in Europa Kontakt?

Schneider: Wir haben ein Portal, das heißt Workplace, das wird von Facebook gestellt. Da gibt es verschiedene Informationsgruppen, in denen von Volt-Europa-Ebene etwas beispielsweise in die Volt-Deutschland-Ebene gegeben wird. Das kann dort jeder lesen, und jeder kann mitmachen und sich in den verschiedenen Gruppen engagieren. So vernetzt sich Volt.

 

Haben alle nationalen Gruppierungen von Volt ein gemeinsames, übergeordnetes und europaweites Parteiprogramm?

Schneider: Ja, wir haben die Amsterdam Deklaration. Die ist europaweit ausschlaggebend gewesen. Und die wurde dann in die einzelnen Wahlprogramme der Länder übersetzt, sodass wir uns immer an der europäischen Version orientieren und dann schauen, was davon wir in die nationalen Parteiprogramme übernehmen können. Der zentralste Punkt dieser Deklaration ist das vereinte Europa. Wir wollen Europa reformieren.

 

Was waren für Sie persönlich die ausschlaggebenden Gründe, in die Partei einzutreten?

Schneider: Durch mein Erasmus-Semester in Irland habe ich Europa auch erleben dürfen. Ich habe gemerkt, wie toll es ist und wie privilegiert wir sind, dass wir hier leben dürfen. Der Gedanke, dieses Europa noch näher zusammenzubringen und die europäische Idee weiterzuverfolgen, hat mich dazu gebracht, mich bei Volt zu engagieren. Außerdem sind wir noch sehr klein, sodass man sich schnell irgendwo einbringen kann, wenn man Themen hat, die einen besonders interessieren.

Zur Person

Martin Schneider ist am 1. Januar 1996 in Nürnberg geboren. Mit zwei Jahren ist er mit seinen Eltern nach Heilbronn gezogen. An der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau hat Schneider Energiemanagement studiert. Im nächsten Semester wird er dort mit dem Master Elektrotechnik beginnen. Bei Volt engagiert er sich seit der Europawahl im vergangenen Jahr. 


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