Wieder sieben schadhafte Rohre am GKN entdeckt

Neckarwestheim  Schon 2018 und 2019 wurden rissartige Schäden an Rohren im Atomkraftwerk GKN bei Neckarwestheim gefunden. Das Umweltministerium meldet diesmal aber deutlich weniger Befunde als in den Vorjahren. Eine Bewertung der Befunde läuft noch.

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Nur noch Block II des Atomkraftwerks GKN (Mitte) ist in Baden-Württemberg noch in Betrieb. Zurzeit läuft die jährliche Revision. Dabei wurden weitere sieben schadhafte Rohre im Dampferzeuger entdeckt.

Foto: Andreas Veigel

In zwei der vier Dampferzeuger im Atomkraftwerk GKN bei Neckarwestheim sind insgesamt sieben schadhafte Rohre entdeckt worden. Das teilte das Landes-Umweltministerium am Freitagnachmittag mit. Die Rohre seien daraufhin verschlossen und außer Betrieb genommen worden.

Im Vergleich zu den beiden Vorjahren wurden damit deutlich weniger neue Schäden festgestellt: 2018 wurden bei der Jahresrevision insgesamt 191 Rohre gefunden, die "rissartige Wanddickenschwächungen" aufwiesen. Vergangenes Jahr waren es weitere 101 Rohre.

EnBW: Die Gegenmaßnahmen greifen

Dass bei der momentan laufenden Revision diesmal nur sieben neue Schäden dieser Art entdeckt wurden, führt ein Sprecher des Betreibers EnBW auf die Gegenmaßnahmen zurück: Bereits 2018 seien salzartige Verunreinigungen beseitigt worden, außerdem gelangt nun weniger Eisenoxid in die Dampferzeuger. "Die verbessernde Wirkung dieser Maßnahmen hat sich bereits in der Revision 2019 gezeigt." Dies habe sich nun erneut bestätigt. Tiefe und Länge der Schäden seien im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geringer, berichtete das Ministerium.

Die Revision selbst ist noch nicht abgeschlossen

Insgesamt verlaufen durch die vier Dampferzeuger etwa 16.400 Rohre. An 19 von ihnen stellten die Prüfer bei der Revision außerdem kleine, nicht registrierpflichtige Fälle von Lochkorrosion fest. "Das ist ein bekanntes Phänomen bei Dampferzeugern weltweit", erläutert der EnBW-Sprecher. "Auch dagegen gibt es dann Maßnahmen."

Das Unternehmen betont, dass die Rohre trotz dieser beiden Schaden-Arten nie undicht gewesen sind. Das Umweltministerium teilte mit, dass die Detailauswertung durch Sachverständige noch läuft. Auch die Revision selbst ist noch nicht abgeschlossen.

Zweites Gutachten der Bügerinitiativen

Unterdessen haben Atomkraftgegner der Bündnisse Ausgestrahlt, BUND und Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) ihre Kritik erneuert und ein weiteres Gutachten an das Umweltministerium geschickt. Sie haben zusammen mit Privatpersonen beantragt, dem GKN die Betriebserlaubnis zu entziehen oder aber die defekten Dampferzeuger austauschen zu lassen.

Das neue Gutachten des ehemaligen Betriebsleiters des Atomkraftwerks Biblis belege, "dass der Betrieb mit den geschädigten Dampferzeugern unverantwortlich ist", heißt es in einer Mitteilung. Die neuen Befunde bestätigten die Befürchtung, "dass das AKW die vergangenen neun Monate erneut im Störungsmodus lief" und die EnBW das Kraftwerk nicht im Griff habe, hieß es.

Kritik an "Panikmache"

Die Aktionsgemeinschaft Energiesicherung und Kerntechnik (AEK) kritisiert hingegen "unsachliche Panikmache der Atomkraftgegner": Es gebe keine Risse, sondern nur Wanddickenschwächungen. "Ein Durchbruch wäre auch nicht schlagartig, sondern würde extrem langsam vor sich gehen und daher nicht unbemerkt bleiben."

Noch vor Ende der Revision würden den Antragstellern Gutachten übermittelt, die sich mit der Auffassung ihres Gutachters auseinandersetzten, kündigte das Ministerium an. Die Revision soll in der zweiten Julihälfte beendet sein.


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für die Redaktion Wirtschaft & Politik tätig.

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