Wie Eltern die Kinderbetreuung in Zeiten von Homeschooling organisieren

Region  Für die meisten Schüler hat am Montag der Unterricht mit Homeschooling begonnen. Was Eltern aus der Region berichten, klingt nicht nach einem reibungslosen Start. Hinzu kommt wieder die Herausforderung, die Kinderbetreuung zu regeln. Wir wollten von unseren Lesern wissen: Wie machen sie das?

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Kinderbetreuung und Arbeiten - das sollen Eltern in diesen Tagen irgendwie unter einen Hut bekommen. Für viele ist die Situation eine große Herausforderung. Foto: dpa

Am ersten Schultag nach den Winterferien in Baden-Württemberg bleiben die meisten Schüler zu Hause. Homeschooling steht auf dem Stundenplan. Dass das eine Herausforderung wird, haben Elternvertreter und Lehrer aus der Region bereits erwartet.

Mit Kommentaren auf der Stimme-Facebookseite melden sich am Montagmorgen Eltern mit ersten Erfahrungen von einem holprigen Start zu Wort. Manche berichten, wegen technischer Probleme nicht auf das Unterrichtsmaterial auf der Online-Plattform Moodle zugreifen oder an Videokonferenzen teilnehmen zu können, andere "drehen Däumchen", weil Eltern gefordert sind, die Lernpakete in der Schule abzuholen, und wieder andere schreiben, ihre Kinder seien einfach froh, nicht im Klassenzimmer frieren zu müssen.

Eine Mutter fasst die Situation so zusammen: "Ein Kind im Kinderzimmer, eins im Esszimmer Homeschooling und Mann im Wohnzimmer oder Schlafzimmer Homeoffice. Mama zwischendrin am Rumpendeln, wo gerade einer was will." Bis zum 18. Januar sollen die Schulen in Baden-Württemberg generell geschlossen bleiben, das sieht die neue Corona-Verordnung der Landesregierung vor. Abhängig vom Infektionsgeschehen hält Ministerpräsident Kretschmann die Öffnung von Grundschulen und Kitas für möglich.

Ohne Planungssicherheit sind Eltern weiterhin gefordert, die Kinderbetreuung selbst zu organisieren. Wie machen sie das? Das haben wir unsere Leser gefragt. Insgesamt 41 haben uns geantwortet.

Eine Mutter im Dauer-Einsatz

Eine Mutter, die uns ihre Situation geschildert hat, ist Lisa Eichner aus Brackenheim. Für sie hat der Montag um 4.30 Uhr begonnen. Als Selbstständige arbeitet Eichner morgens drei Stunden, bevor sie ihre Kinder betreut. Ihre Tochter geht in die erste Klasse, ihr Sohn in die Kita. Eichner sagt: "Mein Kleiner vermisst die Kita und ist erst zwei. Er setzt sich nicht hin, wenn ich das möchte. Er schaut auch nicht eine halbe Stunde lang Fernsehen, damit ich mich um die Schulaufgaben meiner Tochter kümmern kann." Die Erstklässlerin soll Geometrie-Formen ausschneiden und Kartoffelstempel herstellen - da muss Mama hier und da mithelfen.

Bis 16.30 Uhr kümmert sich Lisa Eichner um ihre Kinder. Dann übernimmt ihr Freund, damit Eichner bis 19.30 Uhr noch ein paar Stunden arbeiten kann. Mit diesem Tagesablauf hat die Brackenheimer Familie bereits die Ferienzeit geschafft. Wie lange sie das noch durchhalten, vermag Lisa Eichner am ersten Schultag noch nicht zu sagen. Sie sei aber positiv gestimmt. "Wir hoffen, dass es nächsten Montag zumindest in der Grundschule wieder losgeht." Bis dahin betreut sie an zwei Tagen die Schulfreundin ihrer Tochter gleich mit. Denn auch die Notbetreuung kann für manche Eltern nicht ausreichend Zeit abdecken.

Herausforderungen gibt es mit und ohne Notbetreuung

Für eine alleinerziehende Mutter wird zum Problem, dass die Notbetreuung nicht genehmigt wurde, die sie für ihren siebenjährigen Sohn beantragt hatte. Andere Leserzuschriften zeigen, dass die berufstätige Frau nicht die einzige ist, die ohne Notbetreuung zurechtkommen muss und nun improvisiert. Für einen Vater bedeutet dieses Problem vor allem Schlafmangel. Er schreibt: "Ich bin Nachtarbeiter und meine Frau im Homeoffice. Ich werde so lange wach bleiben müssen bis sie fertig ist." Zwischen 18 und 20.30 Uhr habe er Zeit zu schlafen, danach beginne die Nachtschicht.

Doch selbst in Familien, die die Notbetreuung in Anspruch nehmen können, sind längst nicht alle Probleme gelöst: Eine zweifache Mutter berichtet, für ihr Kindergartenkind ändere sich dadurch nicht viel - ihr Grundschulkind sei durch die ständig wechselnde Situation aber sehr unsicher. Immer wieder machen Eltern in ihren Zuschriften auf fehlende Aktivitäten für Kinder neben der Schule aufmerksam. Eine Mutter schreibt: "Was mich auf die Palme bringt, ist, dass das Sozialleben der Kinder auf Null heruntergefahren wird."

Großeltern springen ein

Bei der Kinderbetreuung werden viele Eltern von den Großeltern unterstützt. Veronika Arngold schreibt: "Ohne meine Eltern würden wir überhaupt nicht klar kommen." Ihre älteste Tochter müsse alleine zu Hause bleiben, weil sie Distanzunterricht hat. Der neunjährige Sohn werde von den Großeltern betreut und der kleinste bis 12 Uhr in der Kita. Dort werde er von den Großeltern abgeholt.

Als "Luxuskonstellation" bezeichnet eine Mutter ihren Drei-Generationen-Haushalt. Sie berichtet: "Unser Viertklässler macht unter Omas Anleitung seine Schulaufgaben, während ich das Kindergartenkind auf Abstand halte."

Eine andere Mutter muss die Kinderbetreuung der 70-jährigen Großmutter überlassen. Sie habe eine neue Arbeitsstelle im Gesundheitswesen und sei noch in der Probezeit. Homeoffice sei nicht möglich, auch eine Freistellung nicht. Die Frau schreibt: "Da zu 90 Prozent Frauen im Betrieb arbeiten, würde alles zusammenbrechen." Auf die Großeltern greift auch Sabrina Reichert zurück. Sie schreibt, sie sei erleichtert, dass ihre beiden Jungs "legal" von den Großeltern betreut werden dürfen. Kinder bis 14 Jahre sind nach der Corona-Verordnung in Baden-Württemberg von den verschärften Kontaktbeschränkungen ausgenommen.

Ob kommende Woche tatsächlich ein geregelterer Alltag möglich wird und Grundschulen und Kitas geöffnet werden, bleibt abzuwarten. Eine Entscheidung will die Landesregierung am Donnerstag treffen. Bis dahin können sich alle Betroffenen nur gegenseitig Mut zusprechen. Am Montagmorgen schrieb eine Nutzerin in auf Facebook in die Kommentare: "Ich wünsche allen Eltern gute Nerven. Auch das schaffen wir wieder."


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Lisa Reiff

Lisa Reiff

Onlineredakteurin

Als Onlineredakteurin kümmert sich Lisa Reiff seit 2018 darum, die Stimme-Leser auf allen digitalen Kanälen zu informieren. Am liebsten sammelt sie Leserfragen für die Serie "Noch Fragen?", weil daraus Geschichten entstehen, die die Menschen in der Region besonders interessieren.

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