Wie die Berufsberatung der Arbeitsagentur in Corona-Zeiten läuft

Heilbronn  Trotz deutlicher Einschränkungen versuchen die Experten der Arbeitsagentur Heilbronn, den Kontakt zu den Schülern zu halten. Digitale Formate helfen, wenn keine persönlichen Treffen möglich sind.

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Das Berufsinformationszentrum (BiZ) der Arbeitsagenturen steht den jungen Leuten auch in Corona-Zeiten zur Verfügung − wenn auch nur digital.

Foto: dpa

Über Monate hinweg leere Schulen, Schüler im Homeschooling, persönliche Beratungstermine in der Arbeitsagentur nur in Ausnahmefällen - Berufsberatung in Pandemie-Zeiten ist eine echte Herausforderung. Doch die 28 Berufsberater der Arbeitsagentur Heilbronn lassen sich vom Coronavirus nicht von ihrem Auftrag abhalten, der da heißt: Jeden Schüler erreichen, keiner soll verloren gehen.

Beraterinnen stellen sich auf besondere Situation ein

"Ich will wieder vor den Klassen stehen", sagt Nadja Hucke. Die erfahrene Berufsberaterin der Heilbronner Arbeitsagentur vermisst den direkten Kontakt zu den Schülern, denen sie bei der beruflichen Orientierung mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. Sie hat über Jahre ein gut funktionierendes Konzept entwickelt, den Mädchen und Jungs das vermeintlich trockene Thema unterhaltsam und informativ nahezubringen. In Corona-Zeiten müssen Nadja Hucke und ihre Kolleginnen flexibel sein und sich auf die besondere Situation einstellen. "Das ist jetzt eine Herausforderung", räumt sie ein.

Hotline ohne Warteschleife

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Wie in den meisten anderen Bereichen spielen digitale Formate auch bei der Berufsberatung nun eine deutlich wichtigere Rolle. "Über unsere Hotline kommen die Anrufer direkt in die Berufsberatung - und zwar ohne Warteschleife", sagt Kerstin Hochadel, Teamleiterin Berufsberatung bei der Arbeitsagentur Heilbronn.

Die Behörde versucht, die Hotline bekannter zu machen, etwa durch entsprechende Begleitschreiben, die in den Schulen mit den Zeugnissen ausgeteilt wurden. Auf diesem Weg könnten auch die Eltern erreicht werden, die eine ganz wichtige Rolle bei der Berufsorientierung ihrer Kinder spielten. "Wir erreichen viele Schüler über die Eltern", sagt Hucke.

Auch der enge Kontakt zu den Schulen ist ein entscheidender Faktor für eine gelingende Berufsberatung - auch in der Pandemie. "Unsere Priorität ist klar: Wir wollen alle Schüler der Abschlussklassen erreichen", sagt Nadja Hucke. An einigen Gemeinschafts- und Realschulen in der Region ist das mitunter noch möglich - durch virtuelle Klassenbesuche sowie virtuelle Einzelgespräche.

Vertrauensverhältnis hilft in der Pandemie

Doch auch wenn wie zuletzt die Mehrheit der Schüler zu Hause sitzt, lassen die Berufsberaterinnen nicht locker. "Wir halten Kontakt zu den Schülern, viele suchen auch den direkten Kontakt mit uns", berichtet Hucke. Dadurch, dass jede Beraterin ihre jeweiligen Schulen möglichst lange betreut, kennt man sich - und baut im Idealfall ein Vertrauensverhältnis zueinander auf, das sogar über die Schulzeit hinaus besteht. Das macht sich jetzt bezahlt, wenn man sich nur telefonisch oder per Videoschalte austauschen kann. Der Bedarf bei den Schülern sei nach wie vor da. "Wir können stolz sagen: Wir sind gut erreichbar", sagt Nadja Hucke.

So gut wie keine Praktika möglich

Ein zentrales Problem in der Pandemie können jedoch auch die engagierten Berufsberaterinnen der Arbeitsagentur nicht lösen. "Zurzeit sind kaum Praktika möglich", räumt Hucke ein. Für Jugendliche sei dies aber ein ganz entscheidender Faktor bei der Berufsorientierung. Als Folge beobachtet Nadja Hucke, dass sich "die Tendenz zur weiterführenden Schule eher verstärkt". Dass sich das nach Corona wieder ändert, wird eine wichtige Aufgabe der Beraterinnen sein.

Wo Schüler Informationen und Beratung finden

Die Arbeitsagenturen versuchen mit zahlreichen Angeboten und neuen Formaten sicherzustellen, dass sich Schüler auch in Zeiten des Homeschoolings und der Kontaktbeschränkungen über berufliche Möglichkeiten informieren können. Kerstin Hochadel, Teamleiterin Berufsberatung bei der Arbeitsagentur Heilbronn, weist auf die Videos hin, die die Behörde vor einiger Zeit auf ihre Homepage gestellt hat. In den kurzen Filmen geht es um Themen wie Studieren in Baden-Württemberg, Bewerbungscheck, Elternabende oder das Erkundungstool Check-U. Über Berufe.TV können Schüler einzelne Berufe im Rahmen von Kurzfilmen kennenlernen - für Kerstin Hochadel ein kleiner Ersatz für die derzeit fehlenden Praktikumsmöglichkeiten. "So bekommen sie zumindest über die Filme einen Einblick in den Beruf", sagt sie. Im Berufenet gibt es zu jedem Ausbildungsberuf einen Steckbrief mit den wichtigsten Informationen. Ganz wichtig ist für die Beraterinnen die Hotline, die für die Arbeitsagentur Heilbronn 07131/969888 lautet.


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Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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