Wie Corona das Skatspielen verändert

Region  Online statt Club: Der Verein SC 61 Heilbronn hat seinen Betrieb zurzeit ins Internet verlagert. Das klappt ganz gut und hat ihm sogar neue Skatspieler eingebracht. Doch der digitale Spielabend ist kein vollwertiger Ersatz.

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So sieht das Online-Skatspiel daheim in Corona-Zeiten aus (von links): Familie Clemens (7), Henric, und Franziska (10) Harms, eskortiert von Dietmar Kraus.

Foto: Ralf Seidel

Die Pandemie lässt keinen Stein auf dem anderen, greift in jeden Lebensbereich ein, verändert ihn. Das ist beim Skatspielen nicht anders. Für den Heilbronner Skatclub SC 61 war der Lockdown "ein großer Schock", sagt der zweite Vorsitzende Henric Harms (52).

Als einer der ersten Clubs überhaupt in der Sparte, stellte der 100-Mitglieder-Verein den Spielbetrieb ein. Am 6. März trafen sich die Kartenspieler das letzte Mal in ihrem Lokal im Heilbronner Hofwiesenzentrum der TSG. "Die Situation war traurig, deprimierend", erinnert sich Harms. "In unserem Verein spielen auch viele Ältere. Die fühlten sich eingeschlossen." Dietmar Kraus, Nachbar von Harms in seinem Wohnort Möckmühl und Skatvereinsspieler beim Grand Hand Sulzbach, fügt an: "Es gibt welche, für die ist Skat alles, die sind fast jeden Freitag zum Spielabend da."

Ein Neubeginn wie Phönix aus der Asche

"Wir waren zwei Monate zur Tatenlosigkeit verdammt", sagt der 52-Jährige. Was tun, damit das Vereinsleben nicht eingeht? Wie in vielen anderen Bereichen auch, half den Kartenspielern das Internet. "Die Programme zum Skatspiel gibt es online schon länger", berichtet Harms. Nur waren sie früher eher Konkurrenz zum Vereinssport. Doch nun halfen die Onlineangebote, "dass wir wie Phönix aus der Asche neu beginnen konnten", so der Vereinsvize.

Die Bereitschaft, im Club statt am Tisch die Karten im Internet zu mischen, war erstaunlich groß - trotz der vielen Älteren. Rudolf Muth, langjähriger Vorsitzender und nach eigenen Worten Internet-Verweigerer, war sofort Feuer und Flamme, neue Wege zu gehen. Dem SC 61 kam zupass, dass der frisch gewählte Spielleiter Thomas Kopp viel Erfahrung mit neuen Medien mitbrachte. Die einschlägigen Skat-Internet-Plattformen boten Vereinen kostenlose eigene Foren an.

Und so sitzen die Mitglieder jetzt immer vor ihrem Computer, wenn sie reizen, drücken, schieben. Wie im echten Vereinsleben loggen sich die Spieler an einem Online-Tisch ein. Es gibt die Möglichkeit, über Skype und Mikro gleichzeitig zu chatten. Hättest du den Zehner nicht eher ausspielen oder diese Karte abstechen müssen? Alles Fragen, die sich auch digital beantworten lassen. Das schöne Spiel ist jetzt coronasicher geworden. Das System mischt die Karten. Alle Abstands- und Hygienregeln werden eingehalten.

Harms: "Skat macht am Tisch mehr Spaß"

Der Verein hat sogar neue Spieler dazugewonnen. Zwar gibt es einige beim SC 61, die keinen PC, geschweige denn Internet haben. Doch kommen andere neu hinzu. Ein junger Heilbronner zum Beispiel, der in Marburg studiert. Oder ein Gast aus London.

Dennoch stellt Harms klar: "Es ist eine Notlösung, kein vollwertiger Ersatz. Online kann man nicht mit Club oder Kneipe vergleichen." Es gebe auch welche, die hätten die Möglichkeit, online zu spielen, machen es aber nicht. "Skat macht eben am Tisch mehr Spaß", unterstreicht der zweite Vorsitzende. "Digital fehlt Emotion, das Psychologische. Man kann am echten Tisch die Mitspieler angucken. Zuckt einer, zögert er? Man liest die Gegner", ergänzt Dietmar Kraus. "Digital kann man den Spielverlauf später nachvollziehen, es gibt Statistiken. Das ist gut zum Lernen."

Harms berichtet, dass es Bedenken gibt, dass "die ganze Geschichte uns jetzt spalten könnte". Die Skatspieler im Verein seien wie eine große Familie. "Wir haben uns alle liebgewonnen. Wir wollen wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen." Wann das der Fall sein wird, ist unklar. Bis Ende August wird es keine Kartenspiele geben. "Ab September, wenn alles gelockert wird, könnten wir vielleicht wieder", so Harms, der jedoch eines ausschließt: "Mit Mundschutz will keiner Skat am Tisch spielen."

Wie wird also das Skatspiel in der Nach-Corona-Ära aussehen? Die Karten nach jedem Spiel desinfizieren? Kaum praktikabel. "Vielleicht werden wir die Gruppen an den Tischen nicht mehr so durchmischen", schaut Kraus in die Zukunft. Harms ist zuversichtlich: "Wenn es irgendwann wieder losgeht, dann sind alle wieder da."

Mitspieler sind gern gesehen

"Skat ist eine gute Charakterschule", sagt der zweite Vorsitzende des SC 61, Henric Harms. Skatspieler sehen ihre Freizeitbeschäftigung als Sport. "So wie Schach Sport ist", erklärt Dietmar Kraus. Der Verein sucht noch Mitspieler. Kontakt: www.sc61heilbronn.de.


Helmut Buchholz

Helmut Buchholz

Autor

Helmut Buchholz arbeitet seit 1999 bei der Heilbronner Stimme. Er kümmert sich im Stadtkreisressort um die Themen Gericht, Polizei und Soziales. Er leitet außerdem das Thementeam Migration.

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