Eppinger Gartenschau: "Werden 2022 gute Gastgeber sein"

Interview  Heute wäre eigentlich die Eppinger Gartenschau gestartet. Sie wurde nach einem Beschluss des Gemeinderats wegen der Corona-Pandemie auf das kommende Jahr verschoben. Warum die Bürgermeister froh sind, dass die Gartenschau nicht eröffnet wird.

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Noch ruht die neue Grünanlage: Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke (links) und Bürgermeister Peter Thalmann auf der Terrasse am Stadtweiher.

Foto: Jörg Kühl

Welche Perspektiven sich nach der Verschiebung eröffnen, darüber sprechen Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke und der Technische Beigeordnete der Stadt und Betriebsleiter der Gartenschau, Peter Thalmann.

 

Herr Holaschke und Herr Thalmann, welche Gefühle überwiegen in Ihrer Brust, wenn Sie den überpinselten Eintrag auf Ihrem Wandkalender betrachten?

Peter Thalmann: Ein klein wenig Wehmut empfindet man schon, wenn man nach zehn Jahren Planung und sehr intensiven drei Jahren Bauphase die Gartenschau nicht eröffnen kann. Wir sind aber bereits im Überbrückungsmodus für 2022. Da kommen dann nicht so viele Emotionen auf.

 

Können Sie kurz skizzieren, wie das Programm des Eröffnungstages ausgesehen hätte?

Klaus Holaschke: Nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Programm: Um 11 Uhr wäre die große feierliche Eröffnung geplant gewesen, mit Reden und Programm durch Vereine und Eppinger Kinder. Politische Vertreter des Landes und Bürgermeister umliegender Städte und Gemeinden waren dazu eingeladen. Es hätte erste Geländeführungen gegeben. Vereine aus den Sparten Sport, Musik und Tanz hätten beide Bühnen und das Gelände bespielt, darunter auch die Stadtkapelle.

 

 

Was denken Sie, wenn Sie jetzt Bilder von der Landesgartenschau in Überlingen oder von der Bundesgartenschau in Erfurt sehen: Zum Glück haben wir das nicht durchgezogen oder: Schade, wäre doch gegangen?

Thalmann: Es war die richtige Entscheidung, die Gartenschau auf 2022 zu verschieben. Gerade mir ist es sehr schwer gefallen, aus dem Tunnel der laufenden Baumaßnahme dann den Stopp zu setzen. Man ist ja in einem Realisierungs- und Fertigstellungsmodus. Allerdings ist das eingetreten, was wir vor sieben Wochen befürchtet haben. Die Gartenschauen präsentieren sich mit Besuchermanagement und Hygienekonzepten, die alles andere als ein unbeschwertes Erleben ermöglichen.

 

Wieviel Energie wurde bis jetzt in die Gartenschau gesteckt?

Thalmann: Sehr viel Energie durch alle am Projekt Beteiligten und eine stolze Summe an Geld. Wir bauen die Anlage für grob 14 Millionen Euro und erhalten dafür Zuschüsse von rund sieben Millionen Euro.

Holaschke: Die Gartenschau kann man zu Recht als Jahrhundertprojekt der über tausendjährigen Stadtgeschichte bezeichnen. Das Ehrenamt, die Mitarbeiter: Alle haben unheimlich viel Herzblut investiert. Das gilt auch für die Planer und bauausführenden Firmen. Teilweise arbeiten wir schon ein ganzes Jahrzehnt mit diesen vertrauensvoll zusammen.

 

Was hat die Gartenschau für Eppingen jetzt schon gebracht?

Thalmann: Steigende Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt, Stolz, Bekanntheit, Interesse an unserer Stadt.

Holaschke: Nachdem sowohl das Gelände, wie auch exponierte städtebauliche Akzente sichtbar sind, wird für mich eines deutlich: Die Gartenschau Eppingen bringt mehr Natur in die Stadt. Die städtebaulichen Akzente machen deutlich, dass Nachfolgegenerationen davon profitieren werden. Am Beispiel des "Schwanen", der künftig unser Bürgerhaus ist, wird dies deutlich.

 

Die Stadt hatte mehrere Aufrufe gestartet, um Ehrenamtler zu motivieren. Wie versuchen Sie, die Helfer bis 2022 bei der Stange zu halten?

Thalmann: Wir informieren sie regelmäßig über Neuerungen. Sobald wir wieder dürfen, werden wir auch speziell für die Helfer Führungen und Schulungen anbieten.

 

 

Wie kann es gelingen, den Enthusiasmus für Eppingens Großereignis in das nächste Jahr hinüber zu retten?

Thalmann: Die Vorfreude ist ungebrochen. Dies gilt nach meiner Wahrnehmung für die Verwaltung, die Ehrenamtlichen und die politischen Gremien der Stadt genauso. Ich empfinde die Vorfreude auch ein Jahr vorher als sich ständig steigernd.

 

Ist es ein harter Schlag für die Stadt, ein Jahr ohne den zentralen Park auskommen zu müssen? Könnte man nicht einen Teil der Grünspange bereits öffnen?

Thalmann: Selbstverständlich ist es für alle Eppinger und unsere Gäste eine Entbehrung. Es ist aber notwendig zum Schutz der Anlage und es ist aus steuerlichen Gründen erforderlich, dass die Anlage erst im Rahmen der Gartenschau geöffnet wird. Andererseits bleibt die Spannung so bis zum Eröffnungstag erhalten.

 

Welchen Mehrwert bietet eine Gartenschau Eppingen 2022 gegenüber der verschobenen Gartenschau in diesem Jahr?

Holaschke: Wir alle versprechen uns durch die Verschiebung, dass wir nächstes Jahr weitgehend ohne die nach wie vor geltenden Einschränkungen unsere Gartenschau durchführen können. Alle Beteiligten freuen sich auf den Sommer 2022 mit einer bunten Blumenschau, einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm, einem regionalen gastronomischen Angebot, mit einer gelösten und feierlichen Stimmung über 136 Tage. Kurzum: Wir freuen uns 2022 auf viele Gäste aus nah und fern. Wir werden gute Gastgeber sein.

 
 

Zur Person

Klaus Holaschke wurde im Januar 2020 in seine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Eppingen gewählt. Der 58-jährige Kommunalpolitiker ist nebenbei Erster Vizepräsident des baden-württembergischen Gemeindetags und Sprecher der Bürgermeister im Landkreis Heilbronn.

Peter Thalmann ist seit Dezember 2011 Technischer Beigeordneter der Stadt Eppingen. Der 53-Jährige ist zudem Betriebsleiter der Gartenschau. 


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Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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