Weihnachtsaktion der Aufbaugilde Heilbronn

Heilbronn  Der Rotaryclub Unterland und die Aufbaugilde Heilbronn kooperieren an Heilig Abend seit bald zehn Jahren. Nachdem die traditionelle Weihnachtsfeier im Friedensgemeindehaus abgesagt werden musste, erhielten Wohnsitzlose Vesperboxen und kleine Geschenke im Freien.

Email

Jochen Seeber (links) und Sozialpädagogin Lea Meißner übergaben im Deutschhof Geschenke und Vesperboxen an Wohnsitzlose. Was übrig blieb, wurdespäter in den Einrichtungen der Aufbaugilde an Bedürftige verteilt.

Foto: Ralf Seidel

Ein dickes Sandwich, vakuumiert und in einer weißen Brotdose verstaut, damit es auch am nächsten Tag noch schmeckt: Das haben der Rotary Club Unterland und die Aufbaugilde Heilbronn im Deutschhof an gut 70 Bedürftige und Menschen ohne Wohnsitz ausgeteilt. Die Speise und ein Paket mit warmen Socken und Hygieneartikeln waren der Ersatz für die traditionelle Weihnachtsfeier im Friedensgemeindehaus, die in diesem Jahr ausfallen musste.

Hygienekonzept statt Weihnachtslieder

Statt "Oh Du Fröhliche" also Maskenpflicht, Abstandsregeln und Fiebermessen am Eingang. "Wir sind froh", sagte der aktuelle Rotary-Unterland-Präsident Jochen Seeber, "dass diese Aktion überhaupt möglich ist". Das Verteilen der Speisen, von Balleichef Martin Kübler zubereitet, sei zwar lediglich eine kleine Geste, aber wie schon in den zurückliegenden Jahren sei das Vesper für die Obdachlosen wichtig.

Das Geld, mit dem unterschiedliche Spendenprojekte das Jahr über unterstützt werden, erwirtschafteten die Rotarier 2019 bei einer Oldtimer-Ralley, bei Weinproben und Charity-Veranstaltungen.

Die Unterstützung der Wohnsitzlosen gehöre für sie selbstverständlich dazu, betonte Seeber. Er selbst sehe, wie die Not steige und mehr und mehr Menschen bedürftig würden: "Wenn es einem ein bisschen besser geht, sollte man die Möglichkeit nutzen, soziale Verantwortung zu übernehmen."

Kontakte fehlen

Thomas Müller lebt derzeit in der Obdachlosenunterkunft der Stadt im Salzgrund. "Das Schlimmste", sagte der 69 Jahre alte Volkswirt über das diesjährige Weihnachtsfest, "sind die fehlenden Kontakte".

Schmerzhaft ist die Erinnerung an bessere Tage, an das Eigenheim, die Einkäufe für das Mahl, das Schmücken des Christbaums mit den drei Kindern. Damals, als die Geschäfte noch liefen. Der Rückblick, sagt Müller, tue weh - Und gerade in der Weihnachtszeit kämen Gefühle hoch "und die Erinnerung drückt stark".

Pfarrer  loben Speisenausgabe

"Für die, die da sind, ist diese Aktion ein Highlight", sagte Christine Marschall, Pfarrerin der evangelischen Nikolai-Kirchengemeinde. "Und es ist ganz gut, dass es zumindest eine Essensausgabe gibt." So würden sich diejenigen, die die Spende empfangen, auf den Weg machen, man sehe sich, könne sich wenigstens "Frohe Weihnachten" wünschen.

Oguz Degirmenci verbrachte die Feiertage im Erfrierungsschutz der Aufbaugilde. Die Unterkunft ist mit Sondergenehmigung bis einschließlich Sonntag auch tagsüber geöffnet.

Aufbaugilde-Geschäftsführer Hannes Finkbeiner empfindet Dankbarkeit dafür, dass es Menschen gibt, die an diesem langen Wochenende bereit sind, die Unterkunft für Wohnsitzlose sowie den Gildetreff zu betreuen: "Ich bin froh und stolz, dass meine Mitarbeiter so aktiv sind. Das ist nicht selbstverständlich."

Vergleichbare Einrichtungen in anderen Städten hätten an Weihnachten zu, weil es an Helfern fehle. Dass die Feier ausgefallen sei, habe alle, Haupt- und Ehrenamtliche traurig gemacht: "Irgendwie", sagte Finkbeiner, "fehlt uns was". Seit bald zehn Jahren ist der Rotaryclub Unterland ein Partner der Aufbaugilde - und damit für Menschen ohne Dach über dem Kopf.

Weihnachtsbotschaft

"Wir können die Armen in diesen Tagen nicht ohne Essen lassen", betonte der katholische Pfarrer von St. Peter und Paul, Dekan Roland Rossnagel. Er fand es richtig und wichtig, dass die Bedürftigen auch in diesem Jahr nicht leer ausgegangen sind.

Seiner Ansicht nach müsse die Kirche sich umstellen, mehr noch als bisher, eine Kirche für die Menschen sein: "Oder wir sind gar keine Kirche mehr". Die Verteilung der Gaben gehört für den kritischen Priester zu einer beweglichen Kirche. "Durch die Pandemie ging und geht uns wieder neu auf, welche Verantwortung der Mensch für die Welt hat", lautet ein Gedanke seiner Weihnachtsbotschaft.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

Kommentar hinzufügen