Bibel und Wein: Wenn der Keller zur Krypta wird

Heilbronn  Drei geistreiche Christenmenschen reflektieren im Rahmen der Weindorf-Auslese Bibel und Wein. Eine ebenso unterhaltsamer wie lehrreicher Abend im stimmungsvollen Deutschhof.

Email

Diakon Carsten Wriedt (li.), Pfarrer Hans-Jörg Eiding und die Württemberger Weinkönigin Tamara Elbl bei der Bibel- und Wein-Probe im Deutschhof.

Foto: Ekkehart Nupnau

Zu einer lebenswerten Innenstadt gehören nicht nur Händler, Gastronomen oder Kulturschaffende, sondern auch Kirchen. Dies betonte am Ende eines Weindorf-Auslese-Abends über Bibel und Wein Steffen Schoch als Chef der Heilbronn Marketing GmbH. Solche geglückten Kooperationen wünsche er sich in Zukunft verstärkt.

Pfarrer Hans-Jörg Eiding von der evangelischen Kilianskirche, Diakon Carsten Wriedt von der katholischen Deutschordensgemeinde St. Peter und Paul und Tamara Elbl als Württemberger Weinkönigin und engagierte Christin beleuchteten das vielschichtige Thema im Dämmerlicht des Deutschhofs von vielen Seiten: persönlich, informativ, erbaulich, genussvoll. Acht Weine bildeten den Leitfaden.

Reben als Geschenk Gottes

"Ich habe Sterne auf der Zunge." Mit diesem Spruch des Mönchs und Champagner-Vaters Dom Perignon sowie mit Riesling-Sekt setzte die eloquente Tamara Elbl die Initiale. Bibel und Wein seien beides uralte Kulturgüter, die die Menschheit maßgeblich geprägt hätten, betonte die geerdete Hohenloherin. Sie erinnerte gleichzeitig, dass Reben wie die ganze Schöpfung Geschenk Gottes seien und damit eine angemessene Wertschätzung verdienten.

Elbls liebste Bibelstelle? Als Noah, "der erste Winzer", Reben pflanzt. Eiding nannte die Hochzeit zu Kanaa, wo Jesus in seinem allerersten Wunder Wasser zu Wein wandelt und damit - vor dem Hintergrund der alttestmentlichen Vergleiche Israels mit dem "Weinberg des Herrn" - schon auf das Abendmahl anspiele. Den Vers "Der Wein erfreut des Menschen Herz", hob Wriedt hervor, wobei beide Seelsorger mit viel Witz die auf Abstand platzierten Gäste erfreuten.

Wo die Markennamen herkommen

Mit Markenweinen wie Heilbronner St. Kilian und Fleiner St. Veit reflektierten die Christenmenschen Wirken und Leiden der Namensgeber, wobei heutzutage ein "heiligmäßiges" Leben im Alltag Gott sei Dank nicht mehr mit dem Tode bestraft werde. Und Josua? Er war derjenige, der einst mit Kaleb aus dem gelobten Land, also Kanaa, eine überdimensionale Traube mitbrachte. Während Eiding dahinter einen Lauffener Schwarzriesling vermutete, dachten andere an den Massenträger Trollinger.

Der Fleiner Karmeliter spiele, so hieß es, auf eine Außenstelle des Klaraklosters an, einem von einst vielen in Heilbronn, die rund um die Stadt (Mess-)Wein anbauten, aber mit der Reformation aufgelöst wurden. Apropos Martin Luther. "Bier ist Menschenwerk, Wein stammt von Gott", wusste der streitbare Theologe. Ihm sei das Wort besonders wichtig gewesen. In diesem Sinne riet Wriedt in ökumenischer Verbundenheit, "Bibelverse wie Wein zu verkosten", am besten in aller Ruhe tief im Keller, fast so wie in einer Krypta.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

Kommentar hinzufügen