Weiter Kritik an Kündigung der Leiharbeiter bei SLK

Heilbronn  Die Gewerkschaft Verdi und eine Krankenschwester kritisieren den Personalabbau auch auf den Covid-Stationen. Doch die Klinikleitung hält daran fest, Engpässe intern zu kompensieren.

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Auf den SLK-Corona-Isolierstationen werden nach Klinikangaben derzeit rund 60 Patienten über 30 die intensivmedizinisch behandelt.

Foto: Dennis Mugler

Das Verhalten der SLK-Kliniken hinsichtlich der Beschäftigung von Leiharbeitern stößt weiterhin auf Kritik. So hält eine Krankenschwester wenig von der Reaktion der Klinikleitung auf den Stimme-Artikel von Anfang April. Sie habe auf Leihbasis in einer Covid-Station gearbeitet und ihr Vertrag sei dennoch beendet worden. Auch die Gewerkschaft Verdi greift das Thema auf: In einem offenen Brief unter anderem an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und den Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel fordert Verdi mehr Wertschätzung und mehr Geld für das fest angestellte Klinikpersonal - und dadurch weniger Bedarf an Leasingarbeit.

Die SLK-Klinikleitung bleibt dabei, dass in sensiblen Bereichen wie der Intensivmedizin bestehende Leasingverträge weiterlaufen. Allerdings würden personelle Engpässe "vorrangig intern kompensiert", wie ein SLK-Sprecher mitteilt. Dabei kämen, auch auf den Covid-Stationen, interdisziplinär zusammengestellte und geschulte Teams zum Einsatz. So könnten durch den reduzierten Regelbetrieb freigewordene Kapazitäten eigener Mitarbeiter sinnvoll eingesetzt werden.

"Kündigungen falsches Signal"

Bis Ende März sei sie auf der Basis von Leiharbeit bei SLK beschäftigt gewesen, teilt eine Krankenschwester gegenüber dieser Zeitung mit. Sie will nicht namentlich genannt werden. "Dann bin ich, wie auch eine Kollegin, zum 3. April abgemeldet worden." Jetzt sei sie wieder in einer Covid-Station eingesetzt, diesmal in einem Stuttgarter Krankenhaus. Sie hält wenig von Aussagen, Leasingverträge würden gekündigt, weil Operationen verschoben worden seien und um Kapazitäten für Corona-Patienten vorzuhalten. "Selbst Verträge von Mitarbeitern direkt auf Covid-Stationen wurden gekündigt. Vorzeitig", widerspricht sie. "Angeblich wegen eines Überschusses an Personal. Dabei herrscht Mangel." An abgesagte Operationen und die Reduzierung des Regelbetriebs als Gründe glaubt sie nicht. "Schon vor Corona wurde uns immer wieder erzählt, man wolle die Leasingkräfte loswerden. Egal wie. Um Kosten zu sparen."

Die Kündigung der Leasingverträge sieht auch Arne Gailing kritisch. Er ist bei der Gewerkschaft Verdi für die SLK-Kliniken zuständig. "Es herrscht nach wie vor akuter Personalmangel in den Krankenhäusern. Da ist die Kündigung der Leiharbeitsverträge das falsche Signal, gerade in der Krise." Noch vor kurzem seien Krankenhäuser wegen hoher Kosten und Personalmangel geschlossen worden, jetzt brauche man sie. "Die Pflegekräfte arbeiten sowieso schon am Limit. Da passt die Kündigung von Leiharbeitsverträgen nicht."

Kritik an Abwärtsspirale

Den von der SLK-Führung angeführten Zusammenhang aus ausgedünntem Regelbetrieb und gekündigten Verträgen kann auch er nicht nachvollziehen. "Der Plan, aus Kostengründen den Einsatz von Leasingkräften abzubauen, ist älter als als die Maßnahme, den Betrieb teilweise herunterzufahren." Gailing hebt die Abwärtsspirale hervor: Schlechte Bezahlung führe zu Personalmangel, der Mangel zur Notlösung Leasing, die besseren Konditionen bei Leasingunternehmen zum Wechsel festangestellter Mitarbeiter zu Leiharbeitsfirmen, was wiederum den Personalmangel verschärfe. "Die Vorhaltung von Infrastruktur eignet sich nicht für marktwirtschaftliche Mechanismen."

 


Alexander Klug

Alexander Klug

Reporter

Alexander Klug ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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