Weindorf-Auslese: Burgunder aus der Region können sich sehen lassen

Heilbronn  Bei einer traditionellen Weinprobe bewerten Kenner und Laien 17 Sorten Burgunderweine. Ein Sieger kommt aus dem Landkreis, einer aus der Stadt Heilbronn.

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Die rund 50 Gäste probierten und bewerteten die 17 Burgunder-Weine und kürten am Ende einen Sieger in zwei Kategorien.

Die Paradedisziplin der Württemberger Wengerter ist der Burgunder-Wein zwar nicht, trotzdem können sich die Tropfen, die im Heilbronner Land inzwischen gekeltert werden, sehen lassen, erklärt Justin Kircher, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftskellerei Heilbronn, bei einem Weindorf-Klassiker am Sonntagabend, der Burgunder-Weinprobe.

Seit 2020, als corona-bedingt die Weindorf-Auslese ins Leben gerufen wurde, ist diese Probe mit Bewertung für die Öffentlichkeit zugänglich. Es verteilen also nicht nur ausgewiesene Weinkenner ihre Punkte, sondern auch die, die den Wein kaufen sollen: die Verbraucher. So kam am Sonntagabend eine gemischte Runde aus 50 Gästen in die Harmonie in Heilbronn, um aus 17 Weinen, die verdeckt getestet wurden, den besten Burgunder zu identifizieren - in den Kategorien über zehn Euro pro Flasche und unter zehn Euro.

Teilnehmer bewerten auf Punkteskala von 0 bis 100

Orientierung dabei boten Justin Kircher, Oliver Adler, Sommelier des Wald- und Schlosshotels Friedrichsruhe, und Martin Heinrich vom Heilbronner Weingut G.A. Heinrich, die die Probe von der Bühne aus moderierten. Sie erklärten für alle Laien im Publikum zunächst die Punkteskala, die zwar von null bis 100 reichen sollte, aber dennoch erst bei 70 beginnt. Justin Kircher erläuterte, dass eine Bewertung unter 70 nur für einen fehlerhaften Wein gegeben würde. Da die Erzeugnisse heute aber bereits gewisse Prüfungen durchliefen, bevor sie verkauft werden, gebe es diese eigentlich nicht mehr. Ein durchschnittlicher Wein werde also mit 70 bis 79 und ein hervorragender Wein mit 90 und besser bepunktet.

Mit dieser Erklärung an der Hand wurde sich fleißig durch die Sorten Schwarzriesling, Spätburgunder und Samtrot, die alle unter die Kategorie Burgunder fallen, geschlürft, gerochen und getrunken - immer mit dem Bewertungsbogen neben dem Käseteller, der vom Parkhotel serviert wurde.

Die Tester probierten aber nicht nur, sondern tauschten sich auch rege mit den Experten auf der Bühne aus. Da gab es auch kontroverse Meinungen, wie die von Dieter Kiessling, der den Burgunder in Württemberg gar nicht gerne sieht, und es besser fände, wenn man sich in der Region auf den Lemberger konzentrieren würde. Sommelier Oliver Adler hingegen sah im Burgunder großes Potenzial, weil er teils weniger Zucker und damit weniger Alkohol habe und damit die Menschen abhole, die auf ihre Ernährung achteten. Außerdem komme die Rebsorte sehr gut mit dem Klimawandel zurecht, ergänzte Martin Heinrich.

Weine wurden ganz unterschiedlich empfunden

Überhaupt gab es auch zu den Weinen sehr unterschiedliche Meinungen. Dem einen schmeckte es, wenn eine starke Holznote durchkam, dem anderen war das zu viel. Einige mochten eine eher runde und mildere Ausprägung, andere bevorzugten es kräftig und erdig. Ein Gast hob hervor, dass er die große Bandbreite des Burgunders toll finde. Letztlich entscheidet aber der Geschmack und nur danach kauften am Ende auch die Verbraucher ihren Wein, fasste Heilbronn-Marketing-Chef Steffen Schoch zusammen.

Dass man zunächst einmal alles probieren muss, stellte Martina Track fest. Denn die Weißwein-Liebhaberin hatte große Vorbehalte, ob es ihr überhaupt schmecken würde. "Ich werde künftig nicht mehr ausschließlich nach Weißweinen schauen", lautete ihr Fazit. Und das Bewerten habe viel Spaß gemacht.

Weinproben tragen zur Steigerung der Qualität bei

Zufrieden zeigte sich auch Wengerter Martin Heinrich. Er nehme die Rückmeldungen aus dem Publikum als wertvolle Impulse mit. Gezeigt habe sich, "dass wir Weine haben, die international mitspielen können". Nun müsse man sehen, wo der Weg hingehe. Eines sei für ihn aber klar: Veranstaltungen wie die Burgunder-Weinprobe tragen zur Steigerung der Qualität bei.

Zwei Sieger in zwei Kategorien gekürt

Bei der Burgunder-Weinprobe im Rahmen der Weindorf-Auslese in der Heilbronner Harmonie wurden am Sonntagabend zwei Sieger gekürt. In der Kategorie unter zehn Euro (Flaschenpreis) bekam der Spätburgunder trocken 2018 des Weinkellers Flein-Talheim aus der Genossenschaftskellerei Heilbronn mit 84,8 Punkten die beste Bewertung. In der Kategorie ab zehn Euro kam der Samtrot trocken 2018 namens Löwenherz vom Weingut Albrecht Kiessling aus Heilbronn mit 89 Punkten auf Platz 1. Im kommenden Jahr sollen beim Weindorf weiße Burgunder probiert und bewertet werden, sagte Justin Kircher.

 

Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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