Warum schon Zehnjährige beim Nichtraucherwettbewerb mitmachen

Region  Kinder sollen nicht zum Glimmstängel greifen. Um das zu erreichen, setzt die Prävention immer früher an. Denn die Suchtbeauftragten wissen: Fünftklässler sind in einem Alter, in dem sie beginnen, vieles auszuprobieren, teils auch Zigaretten oder Alkohol.

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Zusammensitzen − natürlich ohne Zigarette. Rauchen ist bei Jugendlichen grundsätzlich eher out, trotz E-Shisha und E-Zigarette.

Foto: Christian Schwier/stock.adobe.com

Kinder sollen nicht zum Glimmstängel greifen. Um das zu erreichen, setzt die Prävention immer früher an. Bereits Fünftklässler aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn sind beim Nichtraucherwettbewerb "Be smart, don't start" (Sei schlau, fang nicht damit an) dabei. Ein halbes Jahr lang haben sie sich verpflichtet, nicht zu rauchen. Auch wenn sich der Wettbewerb eigentlich an die Klassen sechs bis acht wendet.

Dass Zehnjährige rauchen, kommt das vor? "Ich habe schon mit der Mutter eines Sechstklässlers diskutiert. Sie sagte: 'Daheim darf er das'," erzählt Klaus Pfeil, Rektor der Güglinger Realschule. Natürlich sei das ein Extremfall. "Aber mit der Prävention müssen wir früher anfangen, als noch vor zehn, 15 Jahren", stellt der Schulleiter fest. Auch seine Fünfer waren bei dem Wettbewerb erfolgreich, haben Gutscheine für die Kletterarena gewonnen. In der Schule selbst hält er Rauchen in diesem Alter nicht für ein Thema, außerhalb möglicherweise schon.

Trotz E-Shisha und E-Zigarette sieht Stefanie Bolg, Suchtbeauftragte der Stadt Heilbronn, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Eileen Grill vom Landratsamt das Projekt betreut, beim Rauchen einen rückläufigen Trend. "Das zeigt uns auch, dass die Prävention wirkt", interpretiert sie die Entwicklung.

Rauchen ist bei Jugendlichen eher out

Dass Rauchen bei Kindern eher out ist, bestätigt Dr. René Schilling, Pressesprecher der AOK Heilbronn-Franken. Rauchten vor 20 Jahren bundesweit noch rund 30 Prozent der Jugendlichen, ist mit derzeit sechs Prozent ein historischer Tiefstand erreicht, sagt Schilling.

Trotzdem, so Stefanie Bolg, sei Prävention weiter wichtig. "Wenn Kinder zehn Jahre alt werden, beginnt die Zeit, in der sie viel ausprobieren, möglicherweise auch Drogen oder Alkohol." Deshalb gelte es, früh anzusetzen. "Viele denken, sie müssen erst ein Problem haben, bevor sie zu uns kommen. Dabei ist es entscheidend, ein Bewusstsein für ein Thema zu schaffen."

Sucht und Psychosen hängen oft zusammen

Sucht und psychiatrische Erkrankungen hingen oft zusammen. Auch bei Jugendlichen sei augenfällig, dass Cannabiskonsum mit ADHS einher gehen kann, Alkohol mit Depressionen, Methadon mit Angststörungen. Sie beobachtet die Entwicklung, dass Kinder früher konsumierten - und dann sehr viel. "Das hat sich qualitativ verschoben."

Die Eltern fungieren immer als Vorbild

Warum ein Heranwachsender zur Zigarette greife, dafür gebe es viele Gründe. "Zum einen ist es schwierig, wenn in der Familie geraucht wird, Kinder lernen am Modell. Stress, Ärger oder der Reiz, etwas Neues auszuprobieren, können hineinspielen. Und das Vorbild der Freunde."

Am Modell des Elternhauses gelernt hat die Tochter des Güglinger Realschulleiters nicht. Trotzdem, so Klaus Pfeil, kam die einst passionierte Nichtraucherin mit "14, 15" nach Hause und sagte: "Ich rauche jetzt". Pfeils Tipp an die Eltern: "Druck machen oder Verbote funktionieren nicht. Wichtig ist das Grundvertrauen ins Kind und der Versuch, dessen Selbstbewusstsein zu stärken."

Er wünscht sich, dass beim Wettbewerb auch Zehntklässler mitmachen können. "Denn dann wird es richtig spannend."

 

 


Petra Müller-Kromer

Petra Müller-Kromer

Autorin

Petra Müller-Kromer ist seit 1999 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Im Stadtkreis-Ressort liegt ihr Schwerpunkt unter anderem auf sozialen Themen.

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