Wahlkreis Heilbronn: Die Grünen gehen bei Bundestagswahl mit Isabell Steidel ins Rennen

Heilbronn/Neckarsulm  Die 23 Jahre alte Heilbronner Studentin und Stadträtin Isabell Steidel stellt bei der Nominierungsversammlung in Neckarsulm ihre Schwerpunkte vor. Dabei blickt sie auch auf die politische Konkurrenz: "Alles Männer über 50".

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Gratulation nach der Nominierung: Grünen-Mitglieder stimmen dafür, dass Isabell Steidel als Direktkandidatin für den Bundestag antritt.

Fotos: Simon Gajer

Die Grünen im Wahlkreis Heilbronn setzen bei der Bundestagswahl auf den politischen Nachwuchs: Isabell Steidel, 23 Jahre, bewirbt sich um das Direktmandat in der Region. Gleich im ersten Wahlgang der Nominierung in der Neckarsulmer Ballei hat sich die klare Mehrheit der 55 Stimmberechtigten für die Studentin ausgesprochen. 17 Stimmen erhielt der seit langem politisch Engagierte Dr. Sebastian Schäfer (41 Jahre) aus Stuttgart. Drei Kreuze bekam der Grünen-Neuling Peter Ande (62 Jahre) aus Heilbronn-Horkheim.

Die Studentin präsentiert vier Schwerpunkte

Am Ende einer kurzen Rede kann sich Isabell Steidel einen Seitenhieb auf die politische Konkurrenz im Wahlkreis nicht verkneifen. Alexander Throm sitzt als Direktkandidat für die CDU im Bundestag, Josip Juratovic kam über die SPD- und Michael Link über die FDP-Landesliste ins Parlament - "alles Männer über 50", betont sie. Vier Schwerpunkte stellte sie in den Mittelpunkt, wobei in der Aufzählung eines vorn steht: "Klare Kante gegen Rechts" will sie zeigen. Sie fordert unter anderem, Defizite aufzuarbeiten und Studien dazu auf den Weg zu bringen. Mit solchen Expertisen will sie auch die Polizei betrachten - aber nicht, weil es ein "grundsätzliches Misstrauen" gebe, sondern um am Ende die Beamten zu stärken. Rechtem Gedankengut will die Heilbronnerin entschieden entgegentreten, sagte sie.

Bewarben sich bei den Grünen als Direktkandidaten für den Wahlkreis Heilbronn (von links): Peter Ande aus Heilbronn-Horkheim, Isabell Steidel aus Heilbronn und Dr. Sebastian Schäfer aus Stuttgart.

Auch die Gleichberechtigung ist ihr wichtig

Auch die Gleichberechtigung ist Isabell Steidel ein großes Anliegen. Unter anderem fordert sie "geschlechterspezifische Medizin", weil beispielsweise Herzinfarkte bei Frauen andere Symptome haben als bei Männern. Eine Gleichberechtigung fordert die Studentin auch bei der unbezahlten Pflege-Arbeit in Familien. Die Asylpolitik ist ihr ebenfalls wichtig. Derzeit verrate die Europäische Union als Werteunion ihre Ideale an den Außengrenzen, sagte sie. Asylbewerber müssten "schnell und solidarisch" auf die Mitgliedstaaten verteilt werden.

Beim Klimaschutz müsse man aus Sicht von Isabell Steidel sofort handeln

Zuletzt das urgrüne Thema: der Klimaschutz. Die Menschen müssten Warnsignale ernst nehmen, forderte Isabell Steidel. Der EU blieben nur noch sieben Jahre, um zu handeln. "Jetzt geht es um nicht weniger als alles." Man dürfe nicht warten, bis Corona vorbei ist. "Die Klimakrise wartet nicht auf uns." Auf Nachfrage der Mitglieder betonte sie: Klimaschutz gehe nur mit einer Verkehrswende. Mobilität müsse man neu gestalten, Rad und Schiene beim Ausbau den Vorrang geben.

Die Grünen-Politikerin will grüne Politik ins Bewusstsein der Bürger bringen

Ziel ist es für Isabell Steidel, die Bürger bei der politischen Diskussion mitzunehmen. "Wichtig ist, dass wir grüne Politik ins Bewusstsein der Heilbronner Bürger bringen." Sollte es mit dem Direktmandat nicht klappen, sieht sich die Stadträtin aus Heilbronn gut vernetzt. Sie habe die Unterstützung des Grünen-Nachwuchs, um es bei der Nominierung für die Landesliste weit nach vorn zu schaffen und über die Zweit-Stimme ins Parlament zu kommen.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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