Volksfest-TV: Das sagen die Betreiber über das ausgefallene Fest

Heilbronn  Festbetreiber in Not - das war Thema einer Ausgabe von Volksfest.TV spezial, die Stimme.tv auf der Heilbronner Theresienwiese produziert hat. Festbetreiber, Veranstalter, Wengerter und Bierbrauer schildern ihre Lage während der Corona-Zeit. Dazu gibt es Impressionen aus den vergangenen Volksfest-Jahren.

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Ohne Hammer, ohne große Schläge, ja sogar ohne Volksfestbier wurde auf der Heilbronner Theresienwiese diese Woche ein Zehn-Liter-Fässchen Haller Löwenbräu angestochen. Anlass dazu gab die traditionelle Volksfest-Woche, die normalerweise den Auftakt zu den Sommerferien markiert, dieses Jahr aber wegen Corona flachfällt. Denn Großveranstaltungen sind bis mindestens 31. Oktober verboten.

"Trotz leerem Festplatz", so Stimme-Chefredakteur und Moderator Uwe Ralf Heer lud Volksfest.TV im 13. Jahr seines Bestehens zu seiner mittlerweile 54. Folge eine Expertenrunde an zwei Biertische unter ein kleines blaues Pavillon-Zelt. Mit Heer diskutierten Göckelesmaier-Festwirt Karl Maier, Steffen Schoch als Chef der Heilbronn Marketing GmbH (HMG), Löwenbräu-Direktor Peter Theilacker sowie die promovierte Winzertochter und Wirtschaftspsychologin Dr. Julia Schönbrunn aus Erlenbach-Binswangen über Festkultur und Tourismus im Horizont der Corona-Krise - und weit darüber hinaus.

"Wollen keine Stütze, sondern arbeiten"

Mitte März habe der Shutdown ihn und seine Mitarbeiter kalt erwischt, mitten im Aufbau fürs Cannstatter Frühlingsfest, berichtete Karl Maier. Dem Großputz im Lager folgten Kurzarbeit und Kreditgelder. Um sich selbst mache er sich wegen anderer Geschäftsfelder keine Sorgen, sehr wohl aber um viele Schaustellerkollegen. Die wollten im Grunde keine staatliche Stütze, sondern einfach nur arbeiten.

"Die Dramatik" treffe nicht nur große Rummelplätze, auch Dorffeste und damit Vereine seien betroffen, bis hin zu Sport- und Kulturveranstaltungen sowie Märkten, betonte Schoch. Natürlich versuchten manche Veranstalter alternative Formate zu kreieren, wie zum Beispiel die Weindorf-Auslese mit 140 kleineren dezentralen Events bei 30 Betrieben in der Region. "Aber die Atmosphäre wird dort eine ganz anders sein." "Die Geselligkeit fehlt ganz einfach", bedauerte auch Theilacker, wobei die Bierbranche zwar stark von Festen und Gastronomie lebe. "Zum Glück haben wir aber noch den Handel und der hat entsprechend zugelegt."

 

Netzwerke schweißen zusammen

Ähnlich sehe es in der Weinbranche aus, wusste Julia Schönbrunn. Hier sei vielen Winzern neben Festen und Lokalen über Wochen hinweg der eigene Besen weggebrochen. Corona habe aber auch Positives bewirkt, befand die Psychologin mit Blick auf florierende Online-Shops und digitale Weinproben wie sie Erlenbacher Jungwinzer initiiert hätten. "Ein voller Erfolg, der alle zusammengeschweißt hat." In diesem Zusammenhang plädierte Schönbrunn für den Ausbau von Netzwerken.

So habe sie in ihrer Doktorarbeit am Beispiel des Weinsberger Tals gezeigt, wie die Partner frei nach ihrem Motto "Wein, Wasser, Wald" voneinander profitieren könnten. Das stärke nicht nur den Tourismus, sondern auch die lokale Identität. Sie selbst habe im Übrigen nach Studienjahren in London nach dem Motto "back to the roots" ins Heilbronner Land zurückgefunden: "Weil es wunderschön ist, wow."

Was bringt wohl die Zukunft

"Ein bisschen wie aus Glaskugeln lesen", so Schoch und Maier unisono, sei der Blick in die Zukunft. Der Festwirt hofft, dass wenigstens Weihnachtsmärkte stattfinden, sonst sehe er für die meisten Schausteller schwarz. Er selbst werde den Winter über "ganz normal die Festsaison 2021 vorbereiten. Was will man machen?"

Steffen Schoch appellierte, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Mit Blick auf die Pfalz, Österreich und Südtirol meinte er: "Aus der Not erwachsen auch Chancen." Gewiss werde sich die Festkultur verändern, die Zeit der Massenevents sei womöglich vorerst vorbei. "Aber vielleicht kommt danach sogar etwas Neues, womöglich Besseres."

Volksfest früher und weiter mit Göckelesmaier und Löwenbräu

2020 fällt das Heilbronner Volksfest wegen Corona ins Wasser. Im Jahr 2021 soll es – sofern des die Situation zulässt – erstmals wieder vor Beginn der Sommerferien stattfinden: vom 9. bis 18. Juli, um möglicherweise mehr als die zuletzt rund 200.000 Besucher anzulocken. Die von der Heilbronner Stimme diese Woche organisierten Volksfest.TV-Aufnahmen nutzten die Festmacher zur Unterzeichnung von Verträgen, auf die man sich mit der Heilbronn Marketing GmbH (HMG) im Vorfeld geeinigt hatte.

Danach wird die Göckelesmaier Festbetriebs-GmbH als Generalpächter und Veranstalter den größten Rummel der Region für weitere drei Jahre bis 2023 organisieren, das Zelt stellen und rund 100 Schausteller ins Boot holen. Haller Löwenbrauerei liefert wie in den Vorjahren die Getränke, darunter ein eigens gebrautes Festbier. Hierfür hatte es zwei andere Bewerber gegeben. Einer der Gründe für den Zuschlag war, "dass Haller Löwenbräu ein familiengeführtes Unternehmen aus der Region ist", erklärt HMG-Prokurist Friedrich Wagner. Gleichzeitig werde Löwenbräu auf der Theresienwiese auch Biere der Kronenbrauerei Halter aus Heilbronn-Biberach ausschenken, die inzwischen in Schwäbisch Hall gebraut werden. 

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Diese Frage stellten wir letzte Woche unseren Facebook-Nutzern. Ein geteiltes Meinungsbild ergab sich nach mehr als 4000 abgegebenen Stimmen.

 

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Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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