Volksbank Heilbronn wirbt für Fusion

Heilbronn  Bei der digitalen Vertreterversammlung am Freitagabend wird deutlich, dass das Institut einen starken Partner braucht. Außerordentliche Erträge retten das Geschäftsjahr 2019, eine Dividende gibt es aber angesichts der schwierigen Lage nicht.

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"Die Volksbank Heilbronn befindet sich seit drei Jahren in einer ganz schwierigen Phase", sagt der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Klenk. Das soll mit dem Partner aus Schwäbisch Hall anders werden. Foto: Archiv/Seidel

Es war in mehrfacher Hinsicht eine denkwürdige Vertreterversammlung, die die Volksbank Heilbronn am Freitagabend abgehalten hat. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Versammlung nicht wie sonst üblich in der Harmonie mit persönlichem Austausch statt, sondern als digitale Veranstaltung aus dem Abraham-Gumbel-Saal, wo sich Vorstand und Aufsichtsrat eingefunden hatten. Außerdem war es die letzte Vertreterversammlung des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Karl Seiter, der altershalber aus dem Kontrollgremium ausscheidet.

Die Abstimmung über die Fusion erfolgt im Mai 2021

Und nicht zuletzt war es die Versammlung, die den Vertretern die Notwendigkeit der geplanten Fusion mit der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim deutlich machen sollte. Ob das gelungen ist, wird sich im Mai 2021 zeigen: Dann wird über die Ehe mit dem östlichen Nachbarinstitut abgestimmt.

140 Vertreter der Volksbank Heilbronn hatten sich am späten Freitagnachmittag eingeloggt, um sich von Vorstand und Aufsichtsrat über das Geschäftsjahr 2019 informieren zu lassen - und beide Gremien anschließend mit großer Mehrheit zu entlasten. Das Jahr 2019 liegt lange zurück, dennoch liefert es wichtige Hinweis darauf, wie es der Volksbank Heilbronn geht.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Klenk brachte es auf den Punkt: "Das Jahr 2019 war nicht schlecht, aber weit weg von gut oder sehr gut". Die Volksbank Heilbronn profitierte von der Auflösung ihres Spezialfonds, der ihr aufgrund der guten Börsenentwicklung außerordentliche Erträge bescherte. So gelang es der Volksbank Heilbronn, einen Jahresüberschuss in Höhe von 1,818 Millionen Euro auszuweisen nach 902.000 Euro im Vorjahr.

Deutliche Worte vom Verband

Gleichwohl sprach Vorstand Timo Wachter von einer "nicht zufriedenstellenden Ertragslage". Es bestehe hier "deutliches Verbesserungspotenzial". Das Ergebnis der Volksbank Heilbronn liegt deutlich unter dem durchschnittlichen Ergebnis der baden-württembergischen Volks- und Raiffeisenbanken.

Darauf weist auch der baden-württembergische Genossenschaftsverband in seinem Prüfbericht hin, aus dem Seiter zitierte. Das Betriebsergebnis vor Bewertung der Volksbank Heilbronn sei "völlig unzureichend", heißt es darin, die Vermögenslage der Bank "noch geordnet". Für das laufende Jahr wird ein "deutlich rückläufiges operatives Ergebnis" erwartet, zumal auch im Kreditgeschäft weiterhin einige riskante Engagements bestünden. Angesichts dieser Situation wird die Volksbank Heilbronn für das Jahr 2019 keine Dividende an ihre Mitglieder ausschütten.

Mauch verspricht Vorteile für alle

Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mauch und Aufsichtsrats-Vize Ralf Klenk wiesen auf die Vorteile einer Fusion mit der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim hin. Mauch sieht diese in der ähnlichen Struktur und Größe der beiden Institute, die zusammen den genossenschaftlichen Förderauftrag in der Region noch besser erfüllen könnten. Den Kunden versicherte er: "Wir brauchen regionale Präsenz vor Ort und digital."

Für Klenk ist der Zusammenschluss "das einzige Richtige". Man habe von Anfang an auf Augenhöhe verhandelt, sagte er. Wichtig sei, dass die "Altlasten" der Volksbank Heilbronn gemeinsam mit dem genossenschaftlichen Verbund gelöst werden, um in der neuen Struktur durchstarten zu können. Der intensive Prüfungsprozess startet jetzt, bevor es im Mai zur finalen Abstimmung durch die Vertreter kommt.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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