Verhaltene Festivalatmosphäre beim Benefizkonzert im Open-Air-Kino

Region  Rund 250 Gäste kamen am Samstag zum Benefizkonzert für die Menschen in Hochwassergebieten. Die Veranstaltung im Hof der Genossenschaftskellerei Heilbronn war der Auftakt zu 31 Tagen Open-Air-Kino. Der Veranstalter hatte sich eine bessere Resonanz erhofft.

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Rund 250 Zuschauer erlebten King Kongs Deoroller und zwei weitere Bands. Für 750 Gäste war bestuhlt. In den Pausen las Veranstalter Ralf Stegmann Passagen aus Erfahrungsberichten von Hochwasseropfern vor.

Foto: Andreas Veigel

Erst bei Einbruch der Dunkelheit und mit dem Auftritt von Extasy Pure Rock kommt ein bisschen Vor-Corona-Festival-Stimmung auf. Bei hartem Heavy-Metal-Sound hält es das Publikum im Hof der Genossenschaftskellerei Heilbronn nicht länger auf seinen Sitzplätzen. Was nicht heißt, dass die rund 250 Gäste bei Thirsty und King Kongs Deoroller keinen Spaß hatten.

Open-Air-Kino-Veranstalter Ralf Stegmann ist etwas enttäuscht von der Resonanz auf das Benefizkonzert für die Menschen in den Hochwassergebieten: "Ich hätte mir mehr erhofft, vor allem im Sinne dessen, dass wir eine schöne Summe zusammenbekommen."

 

Auf Gage und Verpflegung verzichtet

Auch für die drei Bands aus der Region sei es schade, findet Stegmann. Ganz spontan hatten sie ihren Auftritt zugesagt, auf Gage und Verpflegung verzichtet. "Ich habe sehr viele Freunde im Krisengebiet", erzählt Frontmann Steffen Kiederer von King Kongs Deoroller sein Motiv, dabei zu sein.

Das Wetter ist perfekt für den Auftakt zu 31 Tagen Open-Air-Kino mit Filmen und kulturellen Veranstaltungen. Los geht es mit Thirsty. 2018 gegründet, hatte die Band nur einen Live-Gig im Oktober 2019 - dann kam Corona. Das merkt man ihnen aber nicht an, zumal einige der Musiker Erfahrung mit länger bestehenden Bands haben. Sie sind extrem wandelbar: Bei Thirsty rockt der langhaarige, bärtige Sänger Sascha Körner im Look von ZZ Top auf der Bühne. Passend zu Songs von AC/DC bis Iron Maiden. Zusammen mit King Kongs Deoroller erscheint er dann im Jesus-Kostüm und singt deutsche Partyknaller.

 

Zwölf Euro Eintritt gut angelegt

Völlig unterschiedliche Musikrichtungen. Das mag nicht jeder. Karin (62) aus Heilbronn und Christian (69) aus Heidelberg schütteln den Kopf über die nicht jugendfreien Texte von King Kongs Deoroller. Trotz fetter Gitarrenriffs gefällt ihnen der Rock "im Zeichen des Affen" nicht. "Ballermann-Niveau", findet Karin. "Aber wir sind hier, um dieses Projekt zu unterstützen. Wein trinken, zuhören." Die zwölf Euro Eintritt seien gut angelegt.

Ganz spontan sind die Heilbronner Marco Fischer und Larissa Bernhardt zum Benefizkonzert gekommen. "Das Wetter passt, die Bands sind gut. Ein Kumpel von mir spielt bei Extasy", sagt Fischer. "Es könnte aber ein bisschen mehr los sein", meint der 48-Jährige. "Ich denke, die Angst vor Ansteckung ist noch zu groß", deutet Larissa Bernhardt die leeren Stuhlreihen.

"Die Stimmung ist noch nicht ganz am Siedepunkt angelangt", stellt King-Kong-Sänger Steffen Kiederer fest. Da hilft der umgetexte Peter-Wackel-Song "Scheiß drauf, Open-Air-Kino ist nur einmal im Jahr": Den Text können sogar eingefleischte Metal-Fans mitgrölen. Für mehr Mainstream sorgt zwischendurch DJ Stefan Wittmann.

Seit 20 Jahren stehen Extasy Pure Rock auf der Bühne. Und das merkt man ihnen an. Dramatik und Pyroeffekte prägen die stimmgewaltige Show mit Stücken von Rammstein bis Linkin Park. Jörg Wunderlich kennt die Band, ebenso wie King Kongs Deoroller. "Das ist meine Musikrichtung", sagt der Eppinger. Als er gehört hat, es gebe ein Benefizkonzert, "habe ich uns gleich Karten gesichert". Dass so wenig Publikum da ist, hätte er nicht gedacht. Auch seine Begleiterin Irene Rabe findet das schade: "Das Wetter spielt ja auch mit."

Spendenbox

Noch bis zum Abschluss des Open-Air-Kinos am Montag, 30. August, stellt Veranstalter Ralf Stegmann eine Spendenbox für die Menschen in den Hochwasserregionen auf. Zusammen mit dem Erlös des Benefizkonzerts wird das Geld dann an das Aktionsbündnis Deutschland hilft überwiesen. 


Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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