Unternehmen beschreiten digitalen Wandel gemeinsam

Region  Das Bündnis für Transformation zeigt bei einer Online-Konferenz, wo das Umdenken beginnt. 130 Teilnehmer aus der Region suchen nach Strategien, den Wandel aktiv zu gestalten.

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Steffen Hertwig (l.), Koordinator des Bündnisses für Transformation und Rudolf Luz, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro Region, bei der Begrüßung.

Transformation ist wie eine Lokomotive. Es braucht viel Kraft, sie anzuschieben, erklärt der stellvertretende Pro-Regions-Vorsitzende Rudolf Luz am Rande der ersten großen Konferenz des Bündnisses für Transformation, das den Wandel durch Digitalisierung und E-Mobilität begleitet. Viele weitere Veranstaltungen folgen in diesem Jahr. "Jetzt ist Bewegung drin", sagt Luz. Das Netzwerk wächst.

Audi beteiligt sich aktiv am Bündnis

Das zeigt sich auch daran, dass Audi inzwischen ein aktiver Teil des Bündnisses ist. Dafür hat Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig, Koordinator des Bündnisses, gekämpft. "Große Player wie Audi haben schon lange eine Idee, wie sie die Transformation angehen", sagt Hertwig. Aber für die Zulieferer sei die Herausforderung groß.

Kleinen und mittleren Unternehmen bietet Audi nun Hilfestellung und Einblick in die eigenen Schulungsprogramme.

Johann Fandrich ist bei Audi in Neckarsulm für die Aus- und Weiterbildung zuständig. An zwei Terminen im Februar wird er zeigen, wie Audi seine Mitarbeiter in Zukunftsfeldern wie E-Mobilität qualifiziert und wie diese Programme gemeinsam mit der Agentur für Arbeit entwickelt wurden.

"Wir wollen etwas für die Region tun, Impulse geben", sagt Fandrich. Denn alle müssten Neuland betreten, Unternehmen wie auch ihre Mitarbeiter.

Ohne die Mitarbeiter funktioniert keine Transformation

Der Mitarbeiter ist ein entscheidender Faktor, das wird an diesem Abend immer wieder deutlich. "Veränderung kann ich nur bewirken, wenn ich die Menschen überzeuge", sagt etwa der Personalcoach Hermann-Josef Bröerken aus Bad Rappenau in einem der Workshops. "Sie müssen mittragen, was ich als Unternehmer vorhabe."

Und das gilt inzwischen nicht mehr nur in der Automobilindustrie. Ein Großteil der rund 130 Teilnehmer der Konferenz stammt aus anderen Branchen. Das ist gewollt, wie Hertwig betont. "Das Bündnis soll sich jetzt aufweiten. Zulieferer sind zwar besonders von der Transformation betroffen, aber sie sind nicht die einzigen."

Wie die Digitalisierung funktionieren kann, erläutert deshalb in einem der Workshops anschaulich Heiner Lasi, der akademische Leiter des Ferdinand-Steinbeis-Instituts. Andere Unternehmensberater zeigen, wie man ein Unternehmen neu denkt, auf Kundenschwund reagiert und Prozesse neu gestaltet.

Parallele Strukturen auf Zeit können funktionieren

Unternehmen betreten jetzt Neuland

Gunther Wobser aus Lauda erläutert bei der digitalen Transformationskonferenz, wie ein Unternehmen den Wandel angehen kann.

Fotos: WFG

Gunther Wobser, geschäftsführender Gesellschafter eines Temperierungsspezialisten aus Lauda, hat dazu auch einen ganz konkreten Tipp. Er empfiehlt die Einführung paralleler Strukturen im Unternehmen. Eine unabhängige Einheit kann so die Innovation vorantreiben, während der Rest den Normalbetrieb im Kerngeschäft aufrechterhält. Es ist eine Methode, die in einigen Unternehmen schon angewandt wird, beispielsweise auch bei EBM-Papst in Mulfingen mit seiner neuen Tochter Neo in Dortmund. Irgendwann müssten dann aber die Kulturen zusammengebracht werden, sagt Wobser.

Ein langer Atem ist notwendig

Die auf aktive Mitarbeit ausgelegte Veranstaltung kommt an - obwohl sich noch nicht alle trauen, offen die Herausforderungen anzusprechen, vor denen sie selbst stehen. "Eine Konferenz zu diesem Thema in unserer Region ist jedenfalls überfällig", sagt Wobser.

Rudolf Luz, der als Gewerkschafter gewohnt ist, dicke Bretter zu bohren, betont, dass in jedem Fall ein langer Atem notwendig ist. "Die Früchte unserer Arbeit werden wir in zehn Jahren ernten." Offen bleibt, wie lange das Bündnis in dieser Form weitermacht.

Die nächsten Termine

Am 17. und am 25. Februar veranstaltet das Bündnis für Transformation in Zusammenarbeit mit Audi das Best-Practice-Beispiel "Transformation einfach gemacht". Zudem stehen mehrere ganztägige und halbtägige Seminare an. Alle Infos unter buendnis-fuer-transformation.de. Partner in diesem Bündnis, das von der Bürgerinitiative Pro Region ins Leben gerufen wurde, sind unter anderem die Arbeitsagenturen der Region, Arbeitgeberverband Südwestmetall, IG Metall, Kommunen, Kammern und die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn.

 

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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