Um Heilkräuter und Historie ging es bei der Kräuterführung in Bad Wimpfen

Bad Wimpfen  Welche Pflanzen bei Krankheiten helfen und wie man sie am besten nutzt, weiß Edith Götzfried, die als Kräuterweible eine Gruppe von Stimme-Lesern beim Lesersommer durch Bad Wimpfen führte.

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Zwischen den Pflastersteinen vor der Stadtkirche wächst eine leuchtend gelbe Pflanze, die selbst der jüngst Teilnehmer kennt: Löwenzahn. "Oberirdisch für die Leber, unterirdisch für die Nieren", erklärt Edith Götzfried. Als Kräuterweible führt sie zwölf Leser durch die Innenstadt von Bad Wimpfen und gibt dabei Tipps zur Anwendung der Kräuter, die hier überall wachsen.

Viel zu wenig Bitterstoffe würden die meisten Menschen aufnehmen, deshalb empfiehlt Götzfried eine sechswöchige Kur mit je drei bitteren Stängeln pro Tag. Zugegeben: "Der schmeckt wirklich furchtbar."

Ob es einer der Leser im nächsten Frühjahr tatsächlich probiert? Die Kräuter dafür sollte man dann allerdings nicht in der Altstadt pflücken. "Hier gibt es zu viele Hunde", warnt Götzfried.

Von alten Kaisern und neuen Fürsten

Während die Leser stets den kühlen Schatten suchen erzählt Edith Götzfried von alten Kaisern (Barbarossa) und neuen Fürsten (Lidl). Kaiser Barbarossa war es gewesen, der in Bad Wimpfen die größte staufische Pfalzanlage Deutschlands bauen ließ. Den Durst stillten die Staufer aber nicht mit Wasser wie die Teilnehmer heute, sondern hauptsächlich mit Wein und Bier.

Das Kräuterweible weiß zu berichten, dass die Mönche dafür sorgten, dass der Hopfen fester Bestandteil des Bierbrauens wurde. "Hopfen wirkt triebmindernd", erklärt Edith Götzfried. Gleichzeitig sei er aber auch mitverantwortlich für den Männerbusen und den dicken Bierbauch.

In der Gruppe wird gelacht, eine Leserin gibt ihrem Partner einen liebevollen Klaps auf den Bauch. Er, ganz entrüstet: "Hallo?"

Mit Hut und im Schatten: Trotz der warmen Temperaturen lauschen die Leser gespannt den Ausführungen von Edith Götzfried.

Foto: Henrike Mielke

Rezept für heilsames Öl

Praktische Hinweise dazu, wie man das Beste aus den Pflanzen herausholt, bekommen die interessierten Leser auch mit auf den Weg: Wer Wechseljahrsbeschwerden mit einem Öl aus Rotklee behandeln will, folgt diesem Rezept: "Die Blüten mit Öl begießen, jeden Tag schütteln und nach vier Wochen abseien." So gingen die Wirkstoffe aus dem Kraut ins Öl über.Haltbar ist das heilsame Öl dann etwa ein Jahr. "So ist das von der Natur gedacht", erklärt Götzfried. "Es ist so lange haltbar, bis es wieder frische Kräuter in der Natur gibt."

Schöllkraut, roter Weinrebe, Wegerichblatt, Girsch und vieles mehr findet sich am Wegesrand. Am Ende der Tour haben die Leser gelernt, dass tatsächlich jeder Krankheit ein Kraut gewachsen ist.


Mielke

Henrike Mielke

Volontärin

Henrike Mielke ist seit Oktober 2018 Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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