Trotz Corona fällt St. Martin nicht aus

Region  Traditionelle Laternenumzüge sind derzeit wegen Corona nicht möglich. Kirchengemeinden, Kindergärten, Schulen und Kommunen haben sich aber Alternativprogramme für Kinder und Eltern überlegt.

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Fachschüler haben die Geschichte des Heiligen Martin verfilmt.

Foto: privat

Rabimmel, Rabammel, Rabum ertönt in den Kitas in der Region dieses Jahr wohl nur aus Lautsprechern. Denn Singen dürfen die Kleinen es, zumindest in geschlossenen Räumen, in Pandemie-Zeiten nicht. Auch mit der Laterne in der Hand, umgeben von vielen anderen Kindern und Eltern, durch die Straßen zu ziehen, muss im Lockdown-November ausfallen. Kein Punsch? Keine Martinsgans?

Das wollen viele Kirchengemeinden, Kindergärten, Schulen und Kommunen nicht einfach so hinnehmen und haben sich ein corona-konformes Alternativprogramm überlegt. So soll die Geschichte des Heiligen Martin und der Gedanke, Licht in die Herzen der Menschen zu bringen, trotz fehlender Umzüge und Martinsspiele verbreitet werden.

Martinsweg mit sieben Stationen

"Alles gleich aufgeben, das wollen wir nicht. Wir versuchen immer eine Alternative zu finden", sagt Bärbel Bloching, Leiterin der katholischen Kirchengemeinde St. Johann Baptist für Obersulm, Löwenstein und Wüstenrot. Deshalb habe sie auch bei der Martinsfeier lange überlegt, wie sie ohne traditionellen Laternenumzug stattfinden könnte. Die Lösung: Es wird ein besinnlicher Martinsweg gestaltet. Er hat sieben Stationen und beginnt am Kirchplatz in Willsbach.

Damit Familien ihn individuell erleben können, ohne sich oder andere zu gefährden, ist eine Anmeldung nötig. Zwischen 16.30 und 19 Uhr werden im Fünf-Minuten-Takt Starttermine vergeben. Auf dem Weg erfahren die Besucher vieles über das Leben des Heiligen Martin. Auch einen kleinen Teil des Mantels können sie mitnehmen als Symbol dafür, wie wichtig das Teilen ist, erläutert Bloching. "An der letzten Station gibt es ein Gänsle, das wir verpackt mitgeben." Denn die Hygienevorschriften nehme sie sehr ernst. Trotzdem wollte Bloching ein Angebot für Familien machen und zeigen, dass die Kirche die Feste und die Kinder nicht vergisst.

Gänse zum Ausstechen

Die Geschichte des Heiligen Martin steht auch bei einer Idee der Kirchengemeinde Lauffen am Neckar im Vordergrund. Sie verteilt Karten mit der Geschichte und einem Bild zum Ausmalen an die Grundschulen und Kindergärten in Abstatt und Flein sowie an die von der katholischen Gemeinde betriebenen Kindergärten in Lauffen und Talheim. Der Umschlag mit der Karte enthält aber auch noch eine Besonderheit: eine Gans-Ausstechform mit einem Rezept für Plätzchenteig. So kann sich jeder seine eigenen Martinsgänse backen.

Wie wichtig Sankt Martin für kleine Kinder ist, weiß Alexa Kiesel, stellvertretende Leiterin der Kita Abenteuerland in Untereisesheim. Die Kinder seien enttäuscht, dass in der Kita nicht gesungen werden dürfe und auch "das Laternelaufen fehlt". Bevor die Pandemiestufe Drei erreicht war, hatten die Untereisesheimer Kitas noch einen Umzug geplant, der wurde aber abgesagt. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde haben sie sich deshalb überlegt, auf andere Weise ein Lichtermeer in die Straßen zu bringen. Und zwar mit bunt gestalteten Gläsern, in denen eine Kerze entzündet wird. Aus Einmachgläsern und mithilfe von Kleister und Transparentpapier sind die Kita-Kinder seit Tagen fleißig dabei, die Martinslichter zu basteln, erzählt Kiesel. Einige davon werden im Rathaus vor einer großen Glasfront aufgestellt und bei Sonnenuntergang gegen 17 Uhr werden LED-Kerzen angeschaltet. Jeder, der Lust hat, soll ebenfalls ein Licht in seinem Fenster zu Hause entzünden, so die Idee. Je mehr Lichter, desto mehr Freude bei den Kindern, die am Mittwoch nur im Familienverbund durch die Straßen ziehen können.

Licht in diesen dunklen Zeiten

Keine Gläser, aber Lichttüten basteln die Kinder der Grundschulen und Kitas in Biberach, Bonfeld, Fürfeld, Kirchhausen und Neckargartach. Michael Keicher, Gemeindereferent der Seelsorgeeinheit Über dem Salzgrund in Heilbronn, hat die Einrichtungen mit den Materialien versorgt. Die Idee stammt vom Bistum Limburg, erzählt er. "Die Idee, in diesen dunklen und schwierigen Zeiten jemandem ein Licht zu bringen, finde ich sehr ansprechend." Erfreulich sei, dass auch die evangelischen Kollegen bei der Aktion dabei sind. Mehr als 800 Kinder beteiligen sich an der Aktion.

Film auf Leinwand oder im Internet

Schüler der katholischen Fachschulen St. Martin in Neckarsulm haben im vergangenen Jahr die Geschichte des Heiligen auf dem Marktplatz aufgeführt. Rund 800 Zuschauer waren im Rahmen des Martinsumzugs gekommen, erzählt Schulleiter Dr. Thomas Ochs. Dass das 2020 so nicht möglich sein wird, sei schnell klar gewesen. Deshalb hat sich eine Klasse an ein Filmprojekt zu Sankt Martin gewagt. "Im Klassenverbund war das ohne Maske möglich", so Ochs. Die Dreharbeiten seien vor November abgeschlossen gewesen. Diese Woche wird der siebenminütige Kurzfilm bis einschließlich Sonntag jeden Abend von 17.30 bis 19 Uhr in Endlosschleife unter dem Vordach des Albert-Schweitzer-Gymnasiums gezeigt. Der Film ist zudem online verfügbar unter www.se-nsu.de sowie auf YouTube unter Kath. Fachschulen Sankt Martin.

 

Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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