Tripsdrill: Es geht an die Substanz

Cleebronn  Die für Samstag geplante Eröffnung von Tripsdrill muss wegen der Lockdown-Verlängerung verschoben werden. Das Wildparadies durfte nur zehn Tage öffnen.

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Die Sicherheits-Checks werden gemacht, obwohl noch unklar ist, wann Tripsdrill in die Saison starten darf. 80 Kilogramm schwere, mit Wasser gefüllte Dummies, werden hier für eine Probefahrt in die Karacho-Achterbahn gesetzt.

Foto: Andreas Veigel

Dass das Wildparadies Tripsdrill wegen gestiegener Inzidenz im Landkreis Heilbronn am Donnerstag nach nur zehn Tagen wieder schließen musste, hat der Betreiberfamilie Fischer "den Boden unter den Füßen weggezogen". Zumal mit der Lockdown-Verlängerung bis 18. April auch die für diesen Samstag geplante Saisoneröffnung des Erlebnisparks in weite Ferne gerückt ist.

"Langsam geht es an die Substanz", sagt Tripsdrill-Pressesprecher Birger Meierjohann. "Wenn es keine Öffnungsperspektiven gibt, wird es wirklich bitter." Obwohl er hofft, dass sich die Corona-Lage auch durch den Impf-Fortschritt schnell bessern wird, sei die "wirtschaftliche Lage wie bei vielen anderen Unternehmen deutlich angespannter als 2020".

Keine Corona-Fälle bekannt

Die beiden Achterbahnen "Volldampf" und "Hals über Kopf" waren im vergangenen Jahr die größten Investitionen in der Geschichte von Tripsdrill. Öffnen durfte der Park erst an Pfingsten statt wie üblich an Ostern. Dann musste das Wildparadies ab 2. November für 131 Tage schließen. Aufgrund des Beherbergungsverbots können seitdem auch die Schäferwagen und Baumhäuser im Naturresort nicht gebucht werden.

Das Wildparadies sei ebenso wie alle Freizeitparks eine Einrichtung unter freiem Himmel. "Wir haben bewährte Hygienekonzepte. Wenn die Besucher mitspielen, gibt es keine Infektionsrisiken", fehlt Birger Meierjohann das Verständnis für die Bestimmungen. "Es gibt auch keine bekannten Fälle, bei denen sich jemand infiziert hat."

Im Erlebnispark war schon alles bereit für die Eröffnung, die wie üblich am ersten Samstag vor Ostern stattfinden sollte. "95 Mitarbeiter waren den ganzen Winter über im Einsatz", so Meierjohann. "Für unsere Werkstatt ist das Hauptsaison." Manche Fahrzeuge seien bis zur letzten Schraube auseinandergenommen und gewartet worden. Die Gärtner hatten alle Hände voll zu tun gehabt - vom Baum- und Heckenschnitt bis zur Bepflanzung.

Laufende Kosten und Investitionen

Es geht an die Substanz

Birger Meierjohann.

Foto: privat

Neben diesen laufenden Kosten wurde viel Geld für den Ausbau des "Hals über Kopf"-Bahnhofs zu einem historischen Wirtshaus in die Hand genommen. "Mit vielen multimedialen Elementen, die den Auszug der Sieben Schwaben veranschaulichen", beschreibt Meierjohann. Außerdem fahre die "Volldampf" künftig durch eine Öffnung im Dach durch diesen Bahnhof hindurch. Auch in die Infrastruktur des Erlebnisparks müsse ständig investiert werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Im Frühjahr 2020 waren 200 Saisonarbeitskräfte des Parks in Kurzarbeit. "Es wird wohl wieder in diese Richtung gehen", erklärt Meierjohann. "Wir sind auf unser Personal angewiesen und können nicht sagen, wir stellen euch irgendwann wieder ein." Die Planung für so einen großen Betrieb sei schwierig, "wenn keinerlei Perspektiven da sind". Das betrifft auch Großveranstaltungen, wie Pyrogames, Feuer und Flamme oder Schaurige Altweibernächte. "Das sind weitere Unsicherheitsfaktoren. Solche Events muss man frühzeitig planen", weiß der 41-Jährige. Einzig die Blutspendeaktion mit dem DRK steht schon fest im Terminkalender. "2020 ging das nicht, aber dieses Jahr sehen wir die Möglichkeit. Das DRK sammelt ja auch andernorts Blutspenden während Corona."

Teil der Lösung?

Nach Ansicht des Verbands Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU), in dem auch Tripsdrill aktives Mitglied ist, stellt der Betrieb von Einrichtungen wie Freizeit- und Wildparks kein Problem im Hinblick auf mögliche Infektionsrisiken dar. Im Gegenteil: Die Freizeitbranche könne Teil der Lösung sein. Zoos und Freizeitparks böten ihren Besuchern einen geschützten Raum in baulich abgeschlossenen Arealen.

Bewährte und anhand von Erfahrungswerten optimierte Hygienekonzepte hätten sich im Jahr 2020 als wirksam erwiesen. "Sie erlauben Kindern und Familien sicherere Freizeiterlebnisse als der öffentliche Raum", erklärt Friedhelm Freiherr von Landsberg-Velen, Präsident des VDFU. Es sei kein einziger Fall einer in einem Freizeit- oder Tierpark ausgelösten Infektionskette bekannt. 

 

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Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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