Tierretter aus der Region in der Katastrophenregion 

Erftstadt  In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gehen die Rettungs- und Aufräumarbeiten weiter. Auch die Tierrettung Unterland ist angefordert worden. „Wir retten jetzt, was noch zu retten ist”, sagte Jan Franke, Gründer und Leiter der Tierrettung.

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Das junge Team der Tierrettung Unterland am Samstag in Erftstadt. Foto: Deglow

Im Katastrophengebiet im Westen Deutschlands sind am Samstagmorgen weitere Rettungskräfte aus der Region Heilbronn eingetroffen. In der Nacht war das Team der Tierrettung Unterland mit vier Fahrzeugen gestartet.

Am Samstagmittag waren die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer nahe der Einsatzleitstelle der Feuerwehr unterwegs, in der sich gerade Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und NRW-Regierungspräsident Armin Laschet über den Sachstand der Katastrophenhilfe in der schwer getroffenen Region informierten. 

Am Freitag war die Tierrettung Unterland angefordert worden und war binnen weniger Stunden startklar. „Wir retten jetzt, was noch zu retten ist”, sagte Jan Franke, Gründer und Leiter der Tierrettung, unserer Redaktion vor Ort. Immerhin seien schon ein paar Tage seit der Katastrophe vergangen, jetzt komme es auf jede Minute an. Allerdings ist es eine besondere Herausforderung, überhaupt an zurückgebliebene Tiere heranzukommen. Blessem wurde inzwischen komplett abgeriegelt, auch dürfen nicht alle Helfer hinein - einige Häuser sind eingestürzt, und es ist unklar, inwieweit die Erft-Fluten den Ort unterspült haben könnten. Heißt: Auch Helfer begeben sich hier in Gefahr. 

Franke berichtet, es gebe „massenhaft Anrufe” bei den Tierrettungen von verzweifelten Menschen, die auf der Flucht oder raschen Evakuierung ihre Tiere zurücklassen mussten. So bekam die Tierrettung Unterland den Hinweis auf eine Katze und vier Nymphensittiche in einem Haus in Blessem, die zu bergen seien - „dann hieß es seitens der Feuerwehr, das Haus gebe es nicht mehr, es sei dort nichts mehr zu retten”. Die Feuerwehr muss letztlich grünes Licht für jeden Einsatz von Tierrettern geben, hier erhofft sich Franke für den weiteren Einsatz in der Katastrophenregion ein besseres Zusammenspiel.

„Wir geben nicht auf”, sagte Franke weiter, während plötzlich zwei Frauen neben der Gruppe stehen. Erftstädterinnen, die den Helferinnen und Helfern aus dem Unterland Kaffee und Kuchen aus einem Korb anbieten. Überhaupt ist das junge Team sehr beeindruckt von der Herzlichkeit der Bürger. Die eigentlich wegen der Flut geschlossene Tankstelle öffnet extra, die Tierretter aus dem Unterland können tanken und sich mit Wasser versorgen. Auch Helfer brauchen helfende Hände.

Jan Franke, Gründer ist erfahren im Umgang mit Katastrophen. Er war beispielsweise nach verheerenden Bränden zusammen mit sechs weiteren Tierrettern aus vier Tierrettungsorganisationen in Australien im Einsatz, sie halfen verletzten Tieren im Süden von New South Wales.

 


Hans-Jürgen Deglow

Hans-Jürgen Deglow

Chefkorrespondent in Berlin

Hans-Jürgen Deglow ist seit Januar 2017 bei der Heilbronner Stimme.

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