Suchhunde üben auf der Barthelhaus-Baustelle

Heilbronn  Auf der Abrissbaustelle des Heilbronner Kaufhauses übte am Wochenende die Rettungshundestaffel Unterland. Für die Hundeführerinnen eine riskante Situation.

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Happy steht unter Strom. Kein Wunder: Der Australian Kelpie war seit Wochen nicht mehr mit Frauchen Corinna Loh im Übungseinsatz für die Rettungshundestaffel Unterland. Australian Cattle Enno geht es ähnlich: Bellend und schwanzwedelnd läuft er neben Hundeführerin Antje Kittner her. Und Malinois Noomi, der Jungspund der Übungseinheit, ist ohnehin aufgeregt: Für sie ist es das erste Mal, dass es mit Claudia Reiner auf Trümmersuche geht.

Und dann auch noch auf ein echtes Trümmerfeld - nicht auf das künstlich aufgeschüttete Übungsgelände am Heilbronner Schweinsberg. Es geht in die Innenstadt - auf das Areal des Kaufhaus Barthel.

Reale, aber riskante Bedingungen

Seit einem guten Monat bahnen sich die Maschinen der Abrissfirma SER ihren Weg durch das entkernte Kaufhaus an der Allee. Am Einheits-Feiertag stehen die Bagger still. Bald soll ein Großteil des Gebäudes abgetragen sein. Das Haus ist dann nicht mehr stabil - letzte Gelegenheit also, dass die Rettungshundestaffel den Ernstfall unter realen - und doch riskanten - Bedingungen übt.

"Für uns ist die Übung einsatzrelevant", sagt Corinna Loh. Selten muss die Rettungshundestaffel zu einem eingestürzten oder explodierten Gebäude ausrücken. In 99 Prozent der Fälle sind die Hunde auf der Fläche aktiv, sprich auf weitläufigem Gelände, auf der Suche nach Vermissten. Jetzt geht es aber darum, verschüttete Personen aufzufinden.

Mit Herzblut dabei

Vor der Kulisse der Stadt übt die Rettungshundestaffel den Ernstfall auf der Baustelle des einstigen Kaufhaus Barthel. Noomi macht ihre Sache gut: Für den Malinois ist es die erste Trümmersuche, Lob gibt es von Frauchen Claudia Reiner. Foto: Ralf Seidel

Zum Ablauf: Der Hundeführer schickt den Suchhund los, der nimmt die Witterung auf, bellt, sobald er die gesuchte Person gefunden hat. In der Übung wird er mit einem Leckerli oder Spielzeug belohnt - die eigentlichen Gründe, weshalb sie sich überhaupt auf die Suche machen. "Für die Hunde ist das toll und eine sinnvolle Aufgabe. Das beschäftigt sie", sagt Corinna Loh. Die Hundeführer sind ehrenamtlich aktiv. "Man muss mit Herzblut dabei sein."

Der Übungseinsatz auf dem Abrissgelände zeigt: In der Praxis funktioniert das Suchen bereits sehr gut. Zunächst läuft Enno, den Antje Kittner auf Erdgeschossebene losgeschickt hat, am Ziel vorbei. Doch dann kehrt er zurück und steckt bellend die Schnauze durch das Loch, das den Blick auf das Kellergeschoss freigibt.

Dort unten liegt Herbert Röger, einen Holzbalken auf der Brust. Der Geschäftsführer der SER-Abrissfirma ist ebenfalls zum Einsatztermin gekommen. Als Mitglied der Hunderettungsstaffel hat er die Übung im Kaufhaus Barthel organisiert. Das Ordnungsamt genehmigte den Einsatz am Feiertag, Polizei und Integrierte Leitstelle Heilbronn waren informiert.

Die Suchhunde müssen aufs Wort gehorchen

Auch eine Übung bleibt riskant, selbst für erfahrene Hundeführerinnen wie Corinna Loh, Claudia Reiner und Antje Kittner. "Es kann immer was passieren", sagt Corinna Loh. Wichtig sei daher auch, dass die Hunde aufs Wort gehorchten.

Suchhunde auf Trümmersuche im Barthelhaus

Vor der Übung verschafft sich die Staffel einen Überblick übers Gelände. Zugführer Günter Baumann und Antje Kittner mit Dante an der Leine besprechen die Lage.

Foto: Ralf Seidel

Australian Kelpie Wickie und Schäferhund Dante, die noch in der Ausbildung sind, müssen in ihren Autoboxen warten. Bei einer ersten Begehung mit Zugführer Günter Baumann dürfen die beiden zumindest an der Leine einmal über das Gelände laufen: Bauschutt, Gesteins- und Betonbrocken erschweren das Laufen. Scharfkantige Eisenstangen ragen heraus, Glassplitter liegen überall verteilt. "Die Hunde müssen lernen, sich ihren Weg zu bahnen", erklärt Corinna Loh. Im Inneren ist das Kaufhaus Barthel längst ein Lost Place. Bei den Hundeführerinnen werden Erinnerungen wach.

Sie kenne das Kaufhaus Barthel noch von früher, sagt Claudia Reine. Auch Corinna Loh, die aus Affaltrach stammt, weiß um die Bedeutung, die das Kaufhaus einmal für die Heilbronner hatte. Beim diesem Gedanken wird Claudia Reiner wehmütig. "Hier zu üben, ist schon eine Ehre für uns."

Übungseinsatz unter Coronabedingungen

Der Übungseinsatz im Kaufhaus Barthel war wegen der gängigen Corona-Schutzmaßnahmen in drei Staffeln gegliedert, in Kleingruppen mit bis zu fünf Personen gleichzeitig. Die Hundeführer waren mit Funkgeräten und Schutzhelmen ausgestattet. Seit 1974 werden Hundeführer und Rettungshunde in Heilbronn ausgebildet. 30 Mitglieder sind derzeit aktiv.

Statt zweimal die Woche üben sie in Corona-Zeiten viermal pro Woche den Katastrophenschutz.

 

Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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