Suche nach neuen Impf-Orten beginnt

Heilbronn/Stuttgart  Wo erhalten Bürger eine zweite Dosis der Corona-Impfung, wenn die Impfzentren und -busse in der Region schließen?

Von Carsten Friese und dpa

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Vor der Schließung der Impfzentren Ende September gibt es Befürchtungen, die Impfkampagne im Südwesten könnte dadurch mit Blick auf die Zweitimpfungen ins Stocken geraten. „Wir stellen derzeit fest, dass viele Menschen, die jetzt zur Erstimpfung kommen, keinen Hausarzt haben“, sagte die Heilbronner Sozialbürgermeisterin Agnes Christner. Durch die Schließung der Impfzentren könnten deshalb Zweit-impfungen ausbleiben. Darum halte man es für wichtig, dass es auch nach dem 30. September weiter niedrigschwellige Impfangebote gebe.

Niedrigschwellig wäre zum Beispiel der Impfbus, der in Heilbronn an immer anderen Orten der Stadt Corona-Impfungen ohne vorherige Anmeldung anbietet. Zuletzt wurden dort täglich bis zu 300 Menschen geimpft. Das Land habe aber schon signalisiert, dass es eine weitere Finanzierung der Impfbusse nicht unterstützen werde, teilte Schul- und Kulturamtsleiterin Karin Schüttler auf Nachfrage mit. Das Land finanziere mobile Impfteams, die in erster Linie zu Auffrischungsimpfungen von besonders gefährdeten Personen unterwegs sind. Nach Angaben von Schüttler stehe man in Gesprächen mit den SLK-Kliniken.

Der Impfbus ist in Heilbronn bereits seit Juli im Betrieb. Foto: Archiv/Seidel

„Wir suchen nach einer Lösung. Es soll weiterhin Angebote für Zweitimpfungen an öffentlichen Plätzen geben.“ Man wisse, dass es dafür in Heilbronn „Bedarf gibt“. Bis Ende der vergangenen Woche wurden allein im Kreisimpfzentrum der Stadt und im parallel tourenden Impfbus rund 1400 Menschen erstmals geimpft, deren Zweitimpfung in die Zeit nach der Schließung der Impfzentren fällt.

Liste erstellen

Der Heilbronner Ärztesprecher Martin Uellner sieht durchaus Probleme mit Zweit-Impfungen. Ein Hausarzt könne schlecht für eine Person ein Fläschchen öffnen und die anderen Dosen dann womöglich unverbraucht lassen. Man wolle jetzt eine Liste erstellen und auf der Homepage der Stadt veröffentlichen, welche Hausärzte diese Zweitimpfung anbieten. Er selbst bietet sie in seiner Praxis an. Da er auch Auffrischungsimpfungen durchführt, habe er genügend Impfdosen. Insgesamt sieht er die Menge der nötigen Zweitimpfungen zumindest aus dem Kreisimpfzentrum Heilbronn als nicht übermäßig an. „Das ist machbar.“ Wer eine Erstimpfung benötige, solle sich dagegen an einen Hausarzt wenden, der dann Termine zusammenstelle.

Auch der Leiter des Impfzentrums Esslingen, Markus Müller, hatte zuvor gewarnt, dass derzeit viele Menschen geimpft würden, die keinen Hausarzt hätten oder einen, der nicht impfe. Müller befürchtet deshalb, dass viele Menschen nach ihrer Erstimpfung keinen vollständigen Impfschutz erhalten, also ohne Zweitimpfung bleiben werden.

Kein Dauerbetrieb

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums betonte, inzwischen kämen kaum noch Menschen in die Impfzentren. Ein Dauerbetrieb sei nicht vorgesehen gewesen. Anzeichen, dass Ärzte ihren Patienten kein Impfangebot machten, seien dem Ministerium nicht bekannt. Wer keinen Hausarzt habe, könne sich für die Zweitimpfung auch an die nächstgelegene Corona-Schwerpunktpraxis wenden.

Das Land setzt ab Oktober zur Ergänzung der Impfkapazitäten durch die Arztpraxen auf 30 mobile Impfteams, die vor allem für Drittimpfungen etwa in Pflegeheimen und bei Impfaktionen in Städten zum Einsatz kommen sollen. Die Teams sollen bis Ende Dezember rund 190 000 Impfungen ermöglichen. Die Ärzte im Land seien auf den Übergang der Corona-Impfungen in die Praxen vorbereitet, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung.

Mit Blick auf Zweitimpfungen habe man sie gebeten, auch Patienten zu impfen, die nicht zum Stamm gehörten. Ausgeschlossen ist eine Rückkehr der Impfzentren indes nicht. Man werde die Entwicklungen im Oktober beobachten und falls erforderlich, entsprechend nachsteuern, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Tiefkühlgeräte und Computer würden erst einmal eingelagert.


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Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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