Heilbronn: Studierende fordern neue Prüfungsregeln

Heilbronn  Online-Vorlesungen ersetzen nicht die Praxis, deshalb wollen Studierende die Prüfungsregularien ändern. Der Senat der Hochschule Heilbronn diskutiert am Mittwoch einen entsprechenden Antrag.

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Statt im Hörsaal sitzen Studierende am Computer und verbringen viel Zeit im Selbststudium. Das soll bei den Prüfungsregularien berücksichtigt werden.

Foto: dpa

Auch an den Hochschulen läuft in diesem Semester vieles anders als sonst. Von heute auf morgen musste das Angebot auf Online-Lehre umgestellt werden. "Innerhalb von zwei Tagen gab es keinen Präsenzunterricht mehr", sagt Nicholas Schloer, Studierendenpräsident in Heilbronn. Für die anstehenden Prüfungen fordern der 25-Jährige und seine Kommilitonen deshalb einen Nachteilsausgleich.

Antrag wird am Mittwoch eingereicht 

Den entsprechenden Antrag reichen die Studierenden der Hochschule Heilbronn an diesem Mittwoch im Senat der Hochschule ein. Kernpunkt ist unter anderem eine Freiversuchsregelung, nach der Prüfungen bei Nichtbestehen wiederholt werden dürfen. Außerdem geht es um Fristen, Beurlaubungen sowie die Rahmenbedingungen für Auslands- und Praxissemester.

Die Praxis fehlt den Studierenden 

"Es ist kein reguläres Semester", betont Schloer. Das sei kein Vorwurf an die Hochschule, die tue ihr Bestes. Etwas anderes als Online-Lehre sei derzeit gar nicht möglich, "aber uns fehlt dadurch praktische Vertiefung", so Schloer. "Der Umstieg auf E-Learning war schnell geschafft", ergänzt Niklas Axtmann, der in Künzelsau studiert. Aber die Vorlesung im Internet ist oft nur eine Audio-Datei und ersetzt kein Studium: Der Praxisanteil fehlt, Exkursionen und Labore können nicht stattfinden.

Mit neuen Regelungen wollen die Initiatoren außerdem jenen Studenten helfen, die durch die Corona-Krise Nachteile haben. Einige müssen ihre Kinder betreuen, bei anderen kommen finanzielle Sorgen hinzu, weil der Job weggebrochen ist. Und nicht zuletzt haben nicht alle dieselben technischen Voraussetzungen. Angepasste Rahmenbedingungen sollen Studierenden in diesem besonderen Semester den Druck nehmen und Gleichberechtigung schaffen.

45.000 Unterschriften für bundesweite Petition

Zuvor hatten sich die Heilbronner bereits einer Petition angeschlossen, die im Internet rund 45.000 Unterschriften gesammelt hat. Auch dort werden Wiederholungsmöglichkeiten von Prüfungen gefordert sowie die Verschiebung von Abgabefristen und eine Aussetzung der Regelstudienzeit. Bundesweite Entscheidungen können dauern, fürchtet Viktoria Vischniwezki. Aber die Zeit drängt: Anfang Juli stehen Prüfungen an. Deshalb stelle man einen eignen Antrag, erklärt die Standortvorsitzende der Studierendenvertretung in Künzelsau.

Hochschule signalisiert Unterstützung

Der wird am Mittwoch in der Senatssitzung diskutiert. "Wir wollen gemeinsam an einer Lösung arbeiten", betont Josias Richter, Studierendenvertreter aus Schwäbisch Hall. Die Hochschule betont, dass man sich für das Anliegen einsetze. Prorektor Professor Ulrich Brecht erklärt: "Die Initiative bestärkt uns in unserem stetigen Bestreben, gemeinsam die Hochschule sicher durch diese herausfordernden Zeiten zu bringen." Man wolle die Studierenden in der aktuellen Situation unterstützen. "Daher haben wir die bestehenden Regelungen so weit wie möglich zugunsten der Studierenden ausgelegt."


Tanja Ochs

Tanja Ochs

Autorin

Tanja Ochs arbeitet seit 2000 bei der Heilbronner Stimme, war lange Lokalredakteurin und verantwortlich für den Bereich Bildung. Sie ist Regionalchefin und stellvertretende Chefredakteurin sowie Vorsitzende der Sozialaktion „Menschen in Not“.

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