Start-Stipendium: Jugendliche profitieren von neuem Netzwerk

Heilbronn  Das Start-Stipendium hat Mohamed El Haddadi vorangebracht. Jetzt verantwortet er von Heilbronn aus das Programm im Bundesland. Die nächste Ausschreibung läuft, Bewerbungen sind bis Mitte März möglich.

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Mit Freude aufgenommen: Im Oktober sind in Heilbronn die Schülerstipendien für engagierte Jugendliche mit Migrationserfahrung vergeben worden.

Foto: Archiv/Gajer

Die Start-Stiftung schreibt das neue Stipendienprogramm für Jugendliche mit Migrationshintergrund aus, die die Zukunft mitgestalten wollen - wie es heißt. Seit Herbst ist das Angebot auch in Baden-Württemberg vertreten, unterstützt von der Dieter-Schwarz-Stiftung und angesiedelt bei der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken (aim).

Das Programm lohnt sich für Jugendliche, die sich bereits engagieren. Davon ist Mohamed El Haddadi überzeugt. Der 26-Jährige, der Start im Bundesland koordiniert, ist für das Stipendium ein guter Botschafter: Schließlich hat er selbst von Start profitiert.

Von der Hauptschule zum Studium: Das Netzwerk bringt die Stipendiaten voran

"Es wird einem ein lebenslanges Netzwerk geschenkt", sagt Mohamed El Haddadi. Der Gemeinschaft hat er viel zu verdanken. Als er sich für das Stipendium bewarb, ging er noch auf die Hauptschule und strebte eine Lehre zum Hotelfachmann an. Innerhalb von zwei Jahren wechselte er aber aufs Gymnasium, ein Studium folgte.

Im Herbst hat Start, hinter dem bundesweit die Hertie-Stiftung steht, in Baden-Württemberg die Arbeit aufgenommen, die ersten Stipendiaten wurden feierlich aufgenommen. Corona-bedingt konnten Präsenzveranstaltungen nicht wie geplant stattfinden, aber es gibt etliche Pläne. Die LBBW lädt nach Stuttgart ein, außerdem soll es unter anderem mit der Landeszentrale für politische Bildung um Friedenspolitik gehen. Eine Kooperation mit der Experimenta steht an. Der Start-Stiftung sei Demokratie- und Persönlichkeitsbildung wichtig, sagt er.

Die Stipendiaten haben eigene Ideen

Der Input durch die geförderten Jugendlichen ist Mohamed El Haddadi aber auch wichtig, und den gibt es. Von den jungen Männern komme der Wunsch, sich mit Frauen in Führungspositionen auszutauschen. Die jungen Frauen interessieren sich für IT-Berufe. Start richtet sich an Jugendliche, die sich bereits engagieren. Allerdings betont Mohamed El Haddadi, dass dies Bereitschaft sehr weit gefasst ist. Für ihn gehört auch dazu, das Geschwisterkind bei den Hausaufgaben zu unterstützen. "Die Hauptsache ist, dass der Wille vorhanden ist." Wer in Start aufgenommen wird, bekommt Angebote im ganzen Land. Der Koordinator will beispielsweise in die Regionen der Stipendiaten fahren, um deren Projekte zu erleben. Umso mehr hofft er, dass sich auch Jugendliche aus der Region Heilbronn bewerben. Bislang aber hätten sich kaum Interessenten aus dem Raum gemeldet, bedauert Mohamed El Haddadi.

Darum geht es

Start ist nach eigenen Angaben das einzige bundesweite Förderprogramm für Schüler. Nicht entscheidend seien schulische Leistungen, die besuchte Schulform oder der angestrebte Abschluss. In der Ausschreibung heißt es: "Was zählt, sind Persönlichkeit, Werte und Haltung." Zu den Voraussetzungen gehört: Die Bewerber müssen im Schuljahr 2021/2022 mindestens die neunte Klasse besuchen und noch mindestens drei Jahre zur Schule gehen; gezählt werden alle weiterführenden und berufsbildenden Schulen. Außerdem müssen die Jugendlichen nach Deutschland eingewandert oder Kind eines eingewanderten Elternteils sein. Bewerbungsschluss ist 15. März; weitere Informationen im Netz unter www.start-stiftung.de .

 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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