So viele Wertstoffe wie noch nie im Landkreis Heilbronn

Landkreis  Die erfasste Wertstoffmenge hat im Landkreis Heilbronn einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Konzept der dezentralen Anlaufstellen für Abfälle will Landrat Detlef Piepenburg nicht rütteln.

Email

Dispersionsfarben werden in den Deponien Eberstadt und Schwaigern-Stetten sowie beim Recyclinghof Neckarsulm gesammelt.

Foto: Archiv/Veigel

Bei der Wertstoff- und Abfallbilanz des Landkreises Heilbronn zieht Landrat Detlef Piepenburg ein positives Fazit. "Wir haben seit Jahren stabile Abfallgebühren und trotzdem eine hohe Wertschöpfung", so der Chef des Landratsamtes in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses des Kreistags in Neckarsulm. Die erfasste Wertstoffmenge habe einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Konzept der dezentralen Anlaufstellen für Abfälle will der Landrat nicht rütteln.

Dem Antrag der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, die Recyclinghöfe durch ein niederschwelliges Abholsystem zu ergänzen, erteilte der Betriebsausschuss eine klare Absage. Die Mehrheit der Räte folgte der Argumentation des Landrats. Demnach habe der Landkreis "ein gutes Netz dezentral aufgestellter Recyclinghöfe", das sich über Jahrzehnte bewährt habe. "Einen Systemwechsel würde ich nur sehr ungerne vornehmen", sagte Piepenburg.

Wertstoffmenge erreicht neuen Höhepunkt

"Wir haben ein bemerkenswertes Ergebnis erzielt", sagte der Chef des Landratsamts mit Blick auf die Abfallbilanz des vergangenen Jahres. Zwar sei die Menge an Restmüll im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die erfasste Wertstoffmenge habe aber einen neuen absoluten Höhepunkt erreicht, erläuterte Norbert Raatz, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landratsamt.

Müll ist Rohstoff. Deshalb gelte es, die Restmüllmenge möglichst klein zu halten, so Raatz. Für das Jahr 2019 liegt das Verhältnis zwischen Abfall mit Wertstoffen und Restmüll im Landkreis Heilbronn bei zwei Drittel zu einem Drittel. Das sei nicht zuletzt deshalb erfreulich, weil die Menge an verwertbarem Müll im vergangenen Jahr auf 320 Kilogramm pro Einwohner gestiegen ist, so der Abfallexperte. Das entspreche einem Zuwachs von neun Prozent.

Biogene Stoffe machen größte Menge an gesammelten Wertstoffen aus

Die mit Abstand größte Menge an gesammelten Wertstoffen machen mit knapp 50 Prozent die sogenannten biogenen Stoffe aus. Sie setzen sich zusammen aus Bioabfall inklusive Laub und Gras sowie Baum und Heckenschnitt. Rund ein Viertel der gesamten Wertstoffmengen bilden Papier, Pappe und Kartonagen. Sie sind im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht mehr rückläufig, erläuterte Raatz. Ebenfalls ins Gewicht fallen Glas und Holz. Ihr Anteil liegt zusammen bei knapp 19 Prozent des Aufkommens.

Verwertbare Wertstoffe wie Metalle, Aluminium Elektrogeräte und Kunststoff fallen im Verhältnis zum Gesamtaufkommen der Wertstoffe zwar realtiv gering ins Gewicht. Norbert Raatz ist mit der Entwicklung dieser Stoffe in den vergangenen Jahren dennoch zufrieden. Die getrennt erfasste Aluminium-Menge beispielsweise habe 2019 mit rund 87 Tonnen ein noch nie dagewesenes Niveau erreicht. Gegenüber dem Vorjahr handele es sich um eine Steigerung von knapp fünf Prozent.

Anlagen zur Gaserfassung grundlegend saniert

Wie Landrat Piepenburg weiter mitteilte, sind die Anlagen zu Gaserfassung, -behandlung und -verwertung bei Eberstadt und Schwaigern-Stetten grundlegend saniert worden. Der Betriebsausschuss des Kreistags hatte 2018 einen entsprechenden Beschluss gefasst. "Alle Anlagen laufen hervorragend und haben eine Umweltzertifizierung des Bundesumweltministeriums erhalten", versicherte der Verwaltungschef des Landratsamts.

Die Kosten belaufen sich auf zusammen gut drei Millionen Euro. Eine knappe Million Euro Zuschuss gab es im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes.

 

Abfalleinrichtungen

Bei der Abfallbeseitigung unterhält der Landkreis Heilbronn unter anderem zwei Entsorgungszentren bei Eberstadt und Schwaigern-Stetten. Er betreibt zudem sechs Erddeponien, 40 Häckselplätze, 51 Recyclinghöfe und rund 3000 Papier-, Glas-, Dosen- und Alttextilcontainer. Darüber hinaus gibt es drei stationäre Sammelstellen mit jeweils mehreren Spezialcontainern für wasserlösliche Dispersionsfarben. Wertstoffe und Restmüll werden im Holsystem mit blauen, braunen und grauen Tonnen getrennt abgefahren.


Wolfgang Müller

Wolfgang Müller

Autor

Wolfgang Müller arbeitet seit Oktober 2000 in der Regionalredaktion der Heilbronner Stimme. Derzeit berichtet er hauptsächlich aus dem Zabergäu.

Kommentar hinzufügen