Rohbau neuer SLK-Gebäude am Gesundbrunnen ist fast fertig

Heilbronn  Das Klinikum am Gesundbrunnen erhält zwei neue Gebäudeteile mit rund 470 Patientenbetten. Außerdem sollen Bereiche wie Neurologie, Urologie und Strahlentherapie in den neuen Teil umziehen. Die Corona-Pandemie hat die Neubauplanung beeinflusst.

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Oben auf dem neuen Hubschrauberlandeplatz des SLK-Klinikums am Gesundbrunnen hat man einen tollen Blick auf ganz Heilbronn. Noch befindet sich in seiner Mitte ein gelbes Kreuz - das bedeutet, er kann noch nicht angeflogen werden. Zu nah stehen die Baukräne um ihn herum, die signalisieren, dass hier noch mehr entsteht.

Neben dem ersten schon fertigen Bauabschnitt an der Saarlandstraße nehmen nun die Gebäudeteile P und D/F Gestalt an. Der Rohbau ist fast fertig. Nur noch ein paar Wochen, dann kann es mit dem Innenausbau der Neubauten losgehen. Für Mitte 2023 ist ihre Inbetriebnahme geplant.

OB Mergel, Landrat Piepenburg und SLK-Geschäftsführer Weber machen einen Rundgang

Eigentlich wäre jetzt Zeit für ein Richtfest. Wie so oft in diesem Jahr macht die Corona-Pandemie den Feierlichkeiten aber einen Strich durch die Rechnung. So machen am Dienstagnachmittag nur ein paar Pressevertreter zusammen mit dem Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel, Landrat Detlef Piepenburg und SLK-Geschäftsführer Thomas Weber einen Rundgang über die Baustelle. Warme Worte werden ausgetauscht sowie einige Zahlen, Daten und Fakten. "Es ist beeindruckend, wenn man hierher kommt. Die Baustelle ist gigantisch. Nach der Fertigstellung werden wir für die Patienten eine hervorragende Infrastruktur geschaffen haben", sagt der stellvertretende SLK-Aufsichtsratsvorsitzende Detlef Piepenburg.

Technische Infrastruktur wird erneuert

Das Bauvorhaben am Gesundbrunnen umfasst zwei Bauabschnitte. Im ersten Neubau an der Heilbronner Saarlandstraße wurde Anfang 2017 der Betrieb aufgenommen. Der zweite Abschnitt besteht nun aus zwei Gebäudeteilen, die nicht direkt aneinander grenzen. Insgesamt etwa 470 Patientenbetten sollen dort untergebracht werden, außerdem ziehen Neurologie, Dermatologie, Urologie, Strahlentherapie, Blutbank und Logistikbereiche in die neuen Gebäudeteile um. Die technische Infrastruktur wird ebenfalls erneuert. So wird es dort neue OP-Räume für die Dermatologie und Urologie, ein neues Labor sowie eine neue Apotheke und Pathologie geben. "Es kommen sechs weitere Pflegeebenen dazu", berichtet SLK-Geschäftsführer Thomas Weber. Außerdem erhalte "die Strahlentherapie hochmoderne neue Linearbeschleuniger". Neben der besseren Patientenversorgung hätten die Neubauten auch Vorteile für die Mitarbeiter. "Die Wege werden kürzer", nennt Weber ein Beispiel.

"Corona hat das Bauen verändert"

Zudem habe man die Neubauplanung kurzfristig an die neuen Umstände angepasst. "Corona hat das Bauen verändert", erklärt Thomas Weber. Der zweite Bauabschnitt erhalte so moderne Lüftungstechnik, es werde einen separaten Eingang mit separater Zufahrt geben, um für künftige Pandemiesituationen gerüstet zu sein.

Auch Harry Mergel stellt den Corona-Bezug her. "Gerade in der jetzigen Situation wird klar, wie wichtig die optimale medizinische Versorgung ist", betont der OB, der auch SLK-Aufsichtsratsvorsitzender ist. Bisher habe das Klinikum durch seine hohe Leistungsfähigkeit, engagierte Mitarbeiter und eine hervorragende Ausstattung die Krise gut gemeistert. Allgemein sollten die Menschen in der Region von der Strukturveränderung profitieren, die zu einer qualitativ hochwertigen medizinischen Rundumversorgung am Gesundbrunnen führe. "Zentralisieren und spezialisieren" laute die Devise, sagt Landrat Piepenburg. Die Klinikschließungen in Brackenheim und Möckmühl sind Teil dieses Konzepts.

Die finanzielle Last für den zweiten Bauabschnitt teilen sich das Land Baden-Württemberg, die Stadt und der Landkreis Heilbronn. Der gesamte zweite Bauabschnitt wird etwa 180 Millionen Euro kosten. Vom Land kommt eine Förderung von 85,2 Millionen Euro, die Stadt und der Landkreis Heilbronn übernehmen jeweils 47,4 Millionen Euro der Kosten.

Erster Bauabschnitt

Von 2012 bis 2016 wurde der fast doppelt so große erste Abschnitt des Neubaus am Gesundbrunnen erstellt. Die Kosten betrugen etwa 240 Millionen Euro. Er umfasst Kernbereiche der Patientenversorgung wie die zentrale Notaufnahme, 16 OPs, sechs Kreißsäle und 550 Betten, davon 64 Intensivbetten.

 


Kommentar: Erreichbarkeit 

Neben der Infrastruktur der Kliniken sollten auch die Rettungsdienste ausgebaut werden.

Kleinere Krankenhäuser wie in Brackenheim und Möckmühl werden abgebaut, große wie das Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn ausgebaut. Das soll die Patientenversorgung in der Region verbessern. Die Idee dahinter: je spezialisierter und zentralisierter die Leistungen, desto besser die Ausstattung und personelle Expertise der Klinik. Soweit, so gut. Die Qualität der medizinischen Versorgung ist tatsächlich sehr wichtig, schließlich möchte jeder, dass im Ernstfall erfahrene Fachärzte verfügbar sind.

Gleichzeitig darf ein Punkt nicht außer Acht gelassen werden: Klinikschließungen im ländlichen Bereich verlängern den Weg ins Krankenhaus für Menschen, die dort wohnen. In Notfällen zählt aber oft jede Minute. Daher sollte nicht nur die technische Infrastruktur verbessert, sondern auch die Rettungsdienste ausgebaut werden. Besonders auf dem Land brauchen Krankenwagen häufig länger als die vorgeschriebenen zehn bis 15 Minuten zum Einsatzort. Damit die Menschen in ländlichen Gegenden Klinikschließungen nicht als Benachteiligung sehen, muss die Spezialklinik also in jedem Fall schnell erreichbar sein. Zudem könnte ein Arzt mit an Bord des Krankenwagens helfen, um unter Umständen eine längere Fahrtzeit zu überbrücken.

Das Konzept der Zentralisierung und Spezialisierung der SLK-Kliniken ist gut - aber es müssen auch alle davon profitieren können.


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Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

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