Religionen und ihre Verantwortung in der Welt

Heilbronn  Der Theologe Hermann Häring hat im Heilbronner Rathaus einen Vortrag über den Zusammenhalt der Glaubensgemeinschaften und gemeinsames Krisenbewusstsein gehalten. Bei der Diskussion über globale Verantwortung kamen auch Vertreter verschiedener Religionen zu Wort.

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Bei der Abschlussveranstaltung des Tages der Religionen versammelten sich Vertreter der Glaubensgemeinschaften, um über Verantwortung zu sprechen.

Foto: Nico Kurth

"Verantwortung ist allgegenwärtig", sagt Hermann Häring gleich zu Beginn seines Vortrags. Der Professor für Systematische Theologie gibt zum Abschluss des Tages der Religionen in Heilbronn am Donnerstagabend im Großen Ratssaal Impulse zu interreligiösem Dialog und Verantwortung.

Klimakatastrophen, Diskriminierung, Afghanistan - in einer Welt voller Krisen werde "die Frage nach Verantwortung lauter gestellt denn je", sagt der Katholik Häring. Gesellschaft und Medien seien auf der Suche nach Schuldigen, auch wenn diese oft ins Leere laufe.

Keine trennscharfe Unterscheidung zwischen Religionen

In mehreren Punkten beschreibt Hermann Häring, welche Rolle die Weltreligionen bei dem Thema für ihn spielen. Zunächst geht es dabei um den Zusammenhalt zwischen Menschen und zwischen den Religionen: "Die Verwandtschaft allen Lebens verbindet uns mehr als alles andere", sagt der Theologe. "Eigene religiöse Lebensräume sind flüssig geworden."

Andererseits, erklärt Häring, sei dieses Bild bedroht. Wenn das Gemeinsame zwischen den Religionen verdrängt werde, würden Fanatismus und Abgrenzung entstehen. Grenzen könnten dann zu "Kriegs- und Todeszonen" werden. Faktisch, betont er, sei "die Verantwortung der Weltregionen zu einer einzigen Weltverantwortung vernetzt".

Vielfältige Umsetzung von friedlichem Miteinander

Wie diese Verantwortung konkret vor Ort umgesetzt werde, bleibe "vielfältig". Runde Tische wie am Tag der Religionen am Donnerstag in Heilbronn seien "kein Selbstzweck". An jedem Ort müsse der Zusammenhalt und Dialog anders sinnvoll gelebt werden, um ein friedliches Miteinander zu ermöglichen.

Maßstab sei hierbei stets "die Sorge für Mensch und die Gesellschaft". Menschen, so Häring, würden immer in Beziehung zu etwas existieren und in Netzwerken mitschwingen. "Wir leben alle in einem Modell der gegenseitigen Resonanz", sagt Hermann Häring. Abschließend fordert er noch einmal dazu auf, ein schärferes Krisenbewusstsein zu schaffen und zu akzeptieren, dass jede Religion, nicht nur die eigene, "Wahrheiten von universaler Geltung" habe.

Verantwortungsbewusstsein bei Buddhisten durch Wiedergeburt verstärkt

Bei der an den Vortrag anschließenden Diskussion kommen einige Vertreter verschiedener Religionen zu Wort. So erzählt Carola Roloff von der Deutschen Buddhistischen Union, dass die universale, globale Verantwortung im Buddhismus vor allem durch einen Grundsatz deutlich werde, der alle Lebewesen vereine: "Dass alle Glück erreichen und kein Leid erfahren wollen." Der Glaube an die Wiedergeburt verstärke das Verantwortungsbewusstsein der Buddhisten zusätzlich.

Auch Nicola Towfigh von der Bahá"i-Gemeinde betont, die Hauptverantwortung der Religionen liege darin, eine Einheit zu schaffen. "Die Welt war noch nie gespaltener", mahnt sie.

Hohe Verantwortung, zum Seelenheil, Friede und Gerechtigkeit beizutragen

Bischöfin Kirsten Fehrs von der evangelischen Kirche betont, dass Seelsorge eine wichtige gemeinsame Aufgabe von Religionen sei. Das habe sich besonders in der Pandemie gezeigt. "Der Mensch sucht nach Antworten auf das, was unverstanden auf der Seele liegt. Ich sehe uns in einer hohen Verantwortung", sagt sie.

Der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, setzt den Fokus auf die Wurzeln aller Religionen, die sich ähneln würden. "Wir können viel dazu beitragen, dass es Friede und Gerechtigkeit auf der Welt gibt."


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Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

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