Pro & Contra: Braucht es die Frauenquote?

Meinung  Eine emotional geführte Diskussion: Soll der Staat per Quote vorschreiben, wie viele Positionen in Unternehmen von Frauen besetzt sein müssen? Wir haben Argumente dafür und dagegen gesammelt.

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Pro

Von Christoph Kraft

Warum sind nur knapp 15 Prozent der Dax-Vorstandsmitglieder weiblich? Warum stellen Frauen die Hälfte der Studienanfänger, aber nur rund zwölf Prozent von ihnen haben eine C4-Professur inne? An zu wenigen Frauen kann es nicht liegen. Denn gerade in der Wissenschaft zeigt sich: Nur ein Bruchteil der Absolventinnen erhält ein Promotionsoder Habilitationsangebot.

Selbst wenn eine Frau diese akademischen Grade erreichen wollte, werden ihr Männer oftmals vorgezogen. Und auch die Frauen, die die nötigen Qualifikationen für einen Top-Job haben, scheitern an Männer-Netzwerken. Frauen bringen Leistung, werden aber bei gleicher Leistung benachteiligt. Die Frauenquote will diese Benachteiligung beseitigen. Warum? Weil gemischtgeschlechtliche Teams und Firmen mit weiblichen Führungskräften besser, kreativer und kommunikativer arbeiten. Und – auch das gehört zur Wahrheit –, weil viele Firmen die „freiwillige Selbstverpflichtung“ verweigert haben und sich dreisterweise null Frauen in Führungspositionen als Zielgröße gesetzt haben. Der Staat holt also nach, was Firmen versäumt haben. 

Natürlich will niemand schlechtqualifizierte Frauen mit aller Gewalt in den Führungsebenen. Leistung zählt weiterhin. Leistung, die sich bisher viel zu selten aus undurchsichtigen Gründen nicht durchsetzen konnte. Das liegt vielleicht auch daran, dass Firmen Veränderungen fürchten, hier braucht es ein Umdenken. Gerade Frauen könnten im Management die Grundlagen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen. Und ja, nicht in jeder Branche, wie in Kindergärten, ergibt eine Frauenquote Sinn. Doch mittlerweile kann sich kein Unternehmen mehr rausreden, es hätte keine qualifizierten Frauen unter ihren Bewerbern gehabt.

 

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Contra

Von Nils Buchmann

Kaum ein Thema wird seit einigen Jahren rund um Arbeitsmarkt und Personalpolitik so kontrovers diskutiert wie die Frauenquote. Angetrieben wird die Diskussion vor allem von der Vorstellung, Vorstandsposten von börsennotierten Unternehmen müssten unter Berücksichtigung vorgeschriebener Quoten besetzt werden. Dabei ist offensichtlich: Wer die einen mit Hilfe solcher Quoten bevorzugt, benachteiligt automatisch die anderen. Das Ergebnis wäre jene geschlechterspezifische Diskriminierung, die es angeblich so dringend zu beseitigen gilt – nur umgekehrt.

Was zukünftig tun, wenn der beste Bewerber um einen Job das „falsche“ Geschlecht hat? Wenn eine Frau am geeignetsten scheint, doch die Quote einen Mann fordert? Jobs sollten grundsätzlich nach Leistung und Eignung, nicht nach Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft vergeben werden. Frauen haben ihre männlichen Gegenüber in vielen Fällen längst und zurecht überflügelt – unabhängig von Quotenregelungen. Und wenn in der Kindererziehung und in sozialen Berufen vorzugsweise Frauen tätig sind, dann ist das ebenso in Ordnung, wie wenn in der Hoch- und Tiefbaubranche vor allem Männer arbeiten.

All jenen, die meist sehr laut, aber inhaltlich nur wenig überzeugend eine Quotenpflicht fordern, möge gesagt sein: Eine Quote macht all das, was Generationen von Frauen teils mit harten Bandagen und gegen zahlreiche Widerstände erkämpft haben, zur Makulatur. Wer für Frauenrechte und Gleichberechtigung ist, muss daher konsequenterweise gegen eine Quote sein.

Denn mit einer solchen würden Menschen – Frauen wie Männer – im Berufsleben zuallererst auf ihr Geschlecht reduziert werden. Und einen solchen Zustand kann niemand ernsthaft befürworten.

 


Kraft

Christoph Kraft

Editor

Christoph Kraft hat im Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme angefangen. Seit Oktober 2021 ist er Editor am Produktionsdesk und hat die überregionalen Nachrichten im Blick.

Nils Buchmann

Nils Buchmann

Volontär

Nils Buchmann arbeitet seit Oktober 2020 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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