Polizei soll gefälschte Ausweise schneller erkennen

Heilbronn  Landesinnenminister Thomas Strobl übergibt in Weinsberg neue Geräte zum Prüfen von Dokumenten an die Polizei. Mindestens ein Mal am Tag erwischt die Polizei in der Region einen Menschen mit falschen Papieren. Was dahinter steckt.

Email

Landesinnenminister Thomas Strobl (links) und Heilbronns Polizeipräsident Hans Becker stellen die neuen Dokumentenprüfgeräte vor.

Foto: Heike Kinkopf

Ist der Personalausweis echt? Handelt es sich bei einem Führerschein um eine Fälschung? Mindestens ein Mal am Tag stoßen Polizisten vom Präsidium Heilbronn bei Kontrollen auf Menschen mit falschen Papieren. Etwa 400 Fälle seien es im Jahr, sagt Polizeichef Hans Becker.

Die Zahl dürfte in Zukunft noch steigen. Baden-Württemberg stattet die Polizei landesweit mit modernen Dokumentenprüfgeräten aus. Sie erkennen in Sekundenschnelle die raffiniert hergestellten Fälschungen, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Zur Übergabe ist Innenminister Thomas Strobl zur Verkehrspolizeiinspektion nach Weinsberg gekommen.

Jedes Revier besitzt eines der neuen Geräte

Menschen mit gefälschten Dokumenten bereiteten mitunter schwerste Straftaten vor oder wollten sie vertuschen, sagt Strobl. 7237 Fälle registriert die baden-württembergischen Polizei vergangenes Jahr. Das sind etwa 20 an jedem Tag. "Ich vermute", sagt der Innenminister und oberste Chef aller Polizisten im Land, "dass das Dunkelfeld groß ist". Ihm sei wichtig, dass "diejenigen, die für uns den Kopf hinhalten, gut ausgerüstet sind".

Die neuen Geräte seien ein weiteres Mosaiksteinchen. 210 dieser Lesegeräte, die binnen Sekunden die Echtheit eines Ausweises oder Führerscheins prüfen, sind an die 13 Präsidien im Land ausgegeben worden. Jedes Revier besitze eines. Eine Million Euro stellt das Land im Nachtragshaushalt bereit.

Heilbronns Polizeipräsident Becker sieht in den Geräten ein weiteres Mittel zur Qualitätssteigerung der Polizeiarbeit. Zum Beispiel bei Kontrollen auf der Autobahn. Zwischen 85.000 und 90.000 Fahrzeuge passierten täglich das Weinsberger Kreuz. Becker erinnert an jüngste Ermittlungserfolge im Zusammenhang mit Diebstahlserien, bei denen die Täter Autos aufbrachen, Navigationsgeräte ausbauten und über die A6 von A nach B brachten. "Die Geräte werden uns helfen, noch schlagkräftiger zu werden."

Auch Fingerabdrücke lassen sich prüfen

Wie sie funktionieren, führt Rolf Fauser vom Landeskriminalamt (LKA) vor. Bei Personenkontrollen legen Polizisten künftig den Ausweis auf das Gerät. Dieses analysiert die Daten und gleicht diese außerdem mit der polizeilichen Fahndungsliste ab. Es ist mit einem Scanner und einer speziell entwickelten Software ausgestattet, es verfügt zudem über einen Fingerscanner und eine HD-Kamera. Die mobile, akkubetriebene und in einem Koffer eingebaute Variante des Dokumentenprüfgeräts ist mit einem Laptop ausgestattet. Dieser Prototyp sei mit dem LKA und Mitarbeitern des Präsidiums Technik, Logistik, Service entworfen und gefertigt worden. "Made in Baden-Württemberg", sagt Strobl stolz.

Das Identifizieren von Personen gehört laut Strobl zum Kerngeschäft der polizeilichen Arbeit. Dabei stoßen die Beamten nicht nur auf Autoknacker. Wer gefälschte Urkunden mit sich führt, hat oft mit Sozialleistungsbetrug zu tun, erläutert Becker die Situation in der Region, Es geht um unerlaubte Zuwanderung oder Arbeitserlaubnisse. Strobl verweist auf Täter aus dem Bereich der organisierten Kriminalität, Drogen- und Waffenhandel. "Das geht bis in den Terror-Bereich." Fälscherbanden, die sich dem Geschäft mit falschen Ausweisen und anderen Urkunden verschrieben haben, sitzen Strobl zufolge nicht nur im Ausland. Es gebe sie auch in Baden-Württemberg.


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

Kommentar hinzufügen