Pläne für Genießerdorf in Heilbronner Wertwiesen

Heilbronn  Ein gutes Dutzend Winzer und Wirte würden angeblich mitmachen: Eventmanager Stefan Hamann plant Anfang August ein Genießerdorf in den Heilbronner Wertwiesen mit vier bis sechs Terminblöcken in den Sommerferien. Das Rathaus prüft den Antrag.

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Der zur Landesgartenschau 1985 angelegte Wertwiesenpark wird zunehmend für Veranstaltungen genutzt. Es gab auch schon Street-Food-Festivals.

Foto: Archiv/Heibel

Mit einem Zitat der Kanzlerin legte der Eventmanager Stefan Hamann am gestrigen Montag der Stadtverwaltung sein Konzept für eine Weinveranstaltung vor, die er im August gerne in den Heilbronner Wertwiesen auf die Beine stellen würde: "Es wird noch in diesem Sommer Live-Veranstaltungen geben", so Angela Merkel vor wenigen Wochen.

Man müsse "in dieser schwierigen Zeit nur kreativ sein, und wir als Verantwortliche müssen über ungewöhnliche Konzepte nachdenken und sie zulassen".

Wegen Corona strenge Auflagen

Ob das Rathaus der Kanzlerin folgt, muss sich noch zeigen. Aus Reihen der Gemeinderatsfraktionen habe er positive Signale erhalten, sagte Hamann gestern der Stimme. Er geht davon aus, dass sein umfassendes Hygiene- und Fest-Konzept der Prüfung standhält und bestenfalls in Details "nachjustiert" werden müsse. Größere Veranstaltungen seien bis 31. Oktober zwar verboten, aber solche bis 500 Besucher unter strengen Auflagen ab August möglich.

Unter dem Titel "Wein und Genuss - das Heilbronner Genießerdorf" plant die Agentur auf bis zu 20.000 Quadratmetern, das wären rund ein Viertel des Parks, einen "klassischen Erlebnisweingarten": Auf einer umzäunten Wiese bilden 14 Stände einen Kreis, in der Mitte stehen Bänke und Tische, daneben Stehtische oder Lounge-Möbel aus Paletten. Ohne lange nachzudenken, so Hamann, hätten ein gutes Dutzend Winzer und Wirte die Kooperation unterstützt. „Jeder, den ich angerufen habe, hat spontan zugesagt.“ Wobei den Weinausschank die Wirte übernehmen, die Winzer aber zeitweise anwesend sind und moderierte Proben anbieten. Es soll auch Bier und Cocktails geben.

Agentur ist bundesweit unterwegs

"Wir wollen keinen Abklatsch des Weindorfes", betont Hamann. Vielmehr sei die Grundidee, in Zeiten, da das öffentliche Leben Schritt für Schritt wieder in Schwung zu kommen scheint, Weinzähnen der Region "etwas zu bieten". Gleichzeitig soll die Veranstaltung die durch Corona-Beschränkungen gebeutelten Winzer und Gastronomen stützen - und nicht zuletzt die Agentur Hamann and Friends.

Mit zehn Mitarbeitern stemmt Hamann in normalen Jahren rund 250 Events: von Firmenfeiern, Tagungen und Messen bis zu bundesweit zehn Firmen-Läufen, darunter den Stimme-Firmenlauf. Die jüngste "Night of Light", bei der Kulturstätten rot angestrahlt wurden, um auf die Corona-Not der Branche hinzuweisen, bildete den Neustart nach einer wochenlangen Durststrecke.

Mitten in den Sommerferien

Als "perfekten Starttermin" nennt Hamann angesichts der ab August greifenden Lockerungen den 5. August. Jeweils von Mittwoch, 17 bis 23 Uhr, bis Sonntag, 12 bis 22 Uhr, soll sein Genießerdorf (Eintritt fünf Euro, davon gelten drei Euro vor Ort als Gutschein) geöffnet sein: falls möglich sogar bis zum zweiten September-Wochenende, an dem unter normalen Umständen das 50. Weindorf beginnen würde. Wie berichtet feilt die Heilbronn Marketing GmbH an einem alternativen "Weindorf light".

Mit von der Partie

Nach Angaben von Stefan Hamann stehen er und seine Eventagentur mit einem guten Dutzend Winzer und Wirten in Kontakt, von denen einige bereits zugesagt hätten. Unter anderem nennt er in seinem Konzept Namen wie Alexander Bauer, Rolf Heinrich, Drautz-Able, Kistenmacher-Hengerer, Albrecht-Kiessling, GA Heinrich, Rolf Willy, Schloss Affaltrach, Genossenschaftskellerei Heilbronn und Amalienhof. Hinzu kämen zum Beispiel Palmbräu und Teusser sowie Gastronomen/Caterer wie Marcel Küffner, Umberto Scuccia, Otto und Erwin Gollerthan, Matthias Hornung und Kay Nekolny.


Kommentar: Wein-Dorf-Stadt

Dass Heilbronn eine Weinstadt ist, war in der City bis vor wenigen Jahren kaum zu spüren. Von Weinstuben, Weingärten oder Vinotheken kaum eine Spur, das Weinmuseum im Milchhof wurde irgendwann sang- und klanglos geschlossen. Allein beim Weindorf im September schien die Stadt ihrer großen Rebentradition gerecht zu werden – und am Stadtrand, wo die Rebenarena sowie etliche Güter mit Besenwirtschaften und Hoffesten Magnetwirkung hatten und haben.

Doch diesen Sommer erlebt der Wein in der Stadt einen regelrechten Schub. Fast zeitgleich haben die 15 Wein-Villa-Betriebe an der Neckarbühne und auf dem Wartberg Ausschankhäuschen eröffnet. Gleichzeitig reißen die Diskussionen um ein "Weindorf light" mit vielen dezentralen und temporären Angeboten nicht ab. Unabhängig davon legte die Eventagentur Hamann and Friends gestern ein Konzept für ein "Genießerdorf" in den Wertwiesen vor. Die Heilbronn Marketing GmbH (HMG) spricht bereits vom "Heilbronner Weinsommer" – ohne dabei den Mund zu voll zu nehmen.

In der Tat. Heilbronn-City ist heute tatsächlich als Weinstadt erkennbar. Wie es dazu kam? Gewiss hat HMG-Chef Steffen Schoch dem Thema Wein eine neue Qualität verliehen: durch eigene Aktionen und durch die Vernetzung neuer Angebote der (Jung-)Winzer und Wirte. Welches Potenzial der Wein hat, erkannten viele erst durch den florierenden Wein-Villa-Stand auf der Buga. Durch Corona bekommt das Thema nun zusätzliche Dynamik. Feste fallen flach, traditionelle Vermarktungswege haben es schwer. Kreativität ist gefragt. Und genau diesen Einfallsreichtum legen Organisatoren, Winzer und Wirte an den Tag. Not macht erfinderisch.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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