Ehemalige Synagoge in Heinsheim soll Ort der Begegnung werden

Bad Rappenau  Die ehemalige Synagoge in Heinsheim ist am 30. September als Ort der Erinnerung und des Dialogs eingeweiht worden. Das 1796 erbaute Gebäude war seit seinem Verkauf im Januar 1938 Scheune, Lager und Schlosserei. Nun soll es ein lebendiger Ort der Begegnung werden.

Email

Die ehemalige Synagoge in Heinsheim ist am Donnerstagabend eingeweiht worden. Sie dient künftig der Erinnerung, dem Dialog und der Begegnung.

Foto: Ralf Seidel

Begegnung, Vergebung, Normalität: Das sind drei Schlagworte, die bei der Einweihung der ehemaligen Synagoge in Heinsheim als Ort der Begegnung am Donnerstag in allem mitschwangen. Acht Jahre nach dem Kauf des heruntergekommenen und lange Zeit als Schmiede genutzten Gebäudes ist der Bau abgeschlossen und ein neues Kapitel beginnt.

Leben zieht wieder ein

Schon während der Bauphase hatte es vor Ort Kulturveranstaltungen gegeben. Der Tora-Lernkreis und der Trialog zwischen Juden, Christen und Moslems wurde etabliert, und der als gemeinnützig anerkannte Freundeskreis Ehemalige Synagoge Heinsheim feierte zusammen mit seinem zweiten Vorsitzenden, dem Rabbiner Shaul Friberg, regelmäßig Chanukka.

Doch wie es sich anfühlt, wenn wirklich wieder Leben in dem einstige Gotteshaus herrscht, wurde erst bei der Einweihung wirklich klar.

Von allen Seiten gab es Komplimente: für die Initiative selbst und für den gelungen Bau. Unter den geladenen Gäste waren mit Elise und Carrie Wagner auch Nachfahren Heinsheimer Juden.

In ihrer auf Deutsch vorgetragenen Rede machte Elise Wagner deutlich, dass es bis heute ungewöhnlich ist, wenn Juden die Freundschaft zu Deutschen pflegen. Viele ihrer Bekannten wollten nicht über die Heimat reden und zeigten kein Interesse daran, sie zu besuchen, sagte sie.

Ihre Mutter, Anneliese Wagner, geborene Ottenheimer, kam 1950 zum ersten Mal zurück: aus "Liebe zu Heinsheim und seiner schönen Umgebung" und aus Stolz, dass die Familie über viele Generationen dort gelebt hatte.

In Hilde und Elisabeth Vogt hatte sie Freundinnen, die treu zu ihr standen. "Sie war keine wütende Person", beschrieb Elise Wagner ihre Mutter: "Aber sie hatte große Schuldgefühle, weil sie den Holocaust überlebt hatte" - und so viele andere nicht. Dass sie und ihre Schwester Carrie eine Verbindung zu Heinsheim und ganz besonders zu den Nachkommen der Familie Vogt und Gäng haben, sei der Mutter immer wichtig gewesen.

Die Bemühungen zur Rettung und Renovierung der einstigen Synagoge, jenem Ort, an dem ihre Vorfahren mehrere Generationen lang Gottesdienst gefeiert haben, bedeuteten ihr sehr viel, sagte Elise Wagner.

Normalität statt Angst und Scham

Von seinem Verhältnis zu Deutschland und seinem Respekt davor, wie Staat und viele Bürger hier mit der belasteten Vergangenheit umgehen, sprach auch der Heidelberger Hochschulrabbiner Shaul Friberg. Was er wolle sei nichts weiter als "Normalität: Dass ich als Jude keine Angst haben muss. Oder dass Deutsche nicht mit einem Juden reden, weil sie Schuld fühlen".

Friberg zeigte sich beeindruckt davon, dass der Holocaust in Deutschland nicht unter den Teppich gekehrt werde.

Auch was in den zurückliegenden Jahren in Heinsheim entstanden ist , betrachtet er als Teil der Aufarbeitung: "Statt Geschichte zu verstecken, macht man etwas daraus, um zu lernen und um zu vermeiden, dass sie sich wiederholt." Heinsheim ist für Shaul Friberg die Essenz dessen, was er an Engagement in Deutschland kennengelernt habe: "Das ist so positiv. Und ich freue mich, dass ich ein Teil davon bin." Nun feiere man den Anfang dessen, was "wir mit diesem Gebäude machen können und machen werden". Als Ort der Begegnung sieht Hans-Eckard Bucher im Namen des Freundeskreises die ehemalige Synagoge an. Dort werde man "Erinnerung, Dialog und Kultur" pflegen. "Das Gebäude ist wieder zu seiner Würde gelangt." Hier würden Menschen zusammengeführt, fügte Bad Rappenaus Oberbürgermeister Sebastian Frei hinzu.

Blick in die Vergangenheit

Trotz der Kritik der Gundelsheimer Deutschordensherren und christlicher Nachbarn wurde 1796 in Heinsheim eine Synagoge gebaut. 1838 gab es dort 118 jüdische Einwohner, ein Höchststand. 1937 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Im Januar 1938 wurde das Gotteshaus verkauft und zu einer Scheune umgewidmet. So blieb es in der Reichspogromnacht verschont.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

Kommentar hinzufügen