Obersulmer Fitnessstudio wartet noch immer auf die Novemberhilfen

Obersulm  Das Fitness-Center Studio 53 in Obersulm-Willsbach hat noch immer keine Überbrückungshilfe erhalten und muss nun Kredite aufnehmen. Die Besitzer sind verärgert, zumal der Antrag vom Steuerberater fristgerecht und lückenlos eingereicht worden sei.

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Viele Kunden im Studio 53 trainieren, um gesundheitlichen Problemen beizukommen. Aktuell herrscht im Obersulmer Fitnessstudio aber Stillstand.

Foto: privat

Als "schnell und unbürokratisch" hatte das Bundesfinanzministerium Anfang November 2020 die Überbrückungshilfe II für die vom Lockdown betroffene Unternehmen angekündigt. Darüber kann Yvonne Lorenz nur müde lächeln. Mit ihrem Mann Benno betreibt sie das Studio 53 in Obersulm. Allmählich schrumpfen nicht nur die Muskeln ihrer Kunden, sondern auch die Geldreserven des Fitnessstudios.

Finanzieller Kraftakt

"Die Autoindustrie kriegt Millionenzuschüsse, und wir kleinen Mittelständler, die für die Leute in den Gemeinden wichtig sind, müssen um unsere versprochenen Corona-Hilfen kämpfen." Seit 13 Jahren betreibt die Yogalehrerin das Fitnessstudio in Willsbach. "In so einer prekären Lage waren wir noch nie", sagt die 37-Jährige. Dabei sei die Übernahme des hochverschuldeten Studios einst ein finanzieller Kraftakt gewesen.

Die Probleme, mit denen das Unternehmerpaar konfrontiert ist, machen Yvonne Lorenz wütend. Auf die sogenannte Novemberhilfe wartet sie noch immer. Den Antrag habe ihr Steuerberater fristgerecht und lückenlos eingereicht. "Dass es vielen seiner Mandanten geht wie uns, ist kein Trost."

Wieso noch kein Geld geflossen ist, weiß Yvonne Lorenz nicht. "Die Hilfe kommt bestimmt, nur in welchem Jahr?", übt sie sich in Galgenhumor. In einer Whatsapp-Gruppe mit Fitnessstudios aus ganz Baden-Württemberg hat sie eine Umfrage gestartet. Die Aussagen sind ganz unterschiedlich. Von "Abschlagszahlungen innerhalb von drei Tagen" bis "keinen Cent und keine Antwort" ist bei den Betreibern im Land alles dabei.

Schon vor dem neuen Lockdown war es brenzlig

Von "vielen Unklarheiten" in der Kommunikation zwischen Bundes- und Landesbehörden spricht auch Alexander Wulf vom Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen DSSV. "Von unbürokratisch und schnell kann keine Rede sein", sagt Wulf. Beim Verband ist man aber optimistisch, dass die Zahlungen bald kommen. "Trotzdem zehrt das bei vielen an der Liquidität."

Noch vor dem "extrem langen zweiten Lockdown" kalkulierte der Verband mit einem nationalen Umsatzdefizit von einer Milliarde Euro. Viele Betreiber, erklärt Wulf, kämen mittels Krediten über die Runden, "aber das ist auch nur ein Aufschub".

Goldener Januar entfällt

Gerade der Januar gilt aufgrund der guten Neujahrs-Vorsätze sonst als goldener Monat in der Branche. 2021 beginnt dagegen düster.

Yvonne Lorenz könne auf ihre Bank zählen. "Nur fallen für den Dispo eben Zinsen an." Auch einen günstigen KfW-Kredit habe man beantragt. Das gewährleiste die Liquidität für einige Wochen. "Aber neue Schulden machen, das hatten wir eigentlich schon lange hinter uns." Noch lastet ein größerer Umbau aus dem Jahr 2015 auf den Finanzen des Obersulmer Fitness-Center.  Die Angst, dass das Studio 53 erst im Sommer seine Pforten wieder öffnen darf, macht ihr zusätzlich zu schaffen. Sie denke dabei an ihre drei fest angestellten Mitarbeiter, die sie in Kurzarbeit schicken musste.

Online-Kurse sind kein Allheilmittel

Besorgniserregend sei die Lage für ältere Kunden. "Viele Senioren kommen nicht aus Jux und Tollerei zu uns", klagt Lorenz, "sondern weil ein medizinischer Bedarf vorliegt." Sie sieht Fitnessstudios als Teil der Lösung und nicht des Problems. "Wir sind nicht nur die Mucki-Bude, sondern für gesundheitliche Prävention da."

Aktuell bleibt dem Unternehmer-Paar nur, Online-Kurse anzubieten. Die Resonanz sei gut, "es fühlt sich aber an wie ein Trostpreis".

 


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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