Zweiter Lockdown am Breitenauer See beschlossen

Region  Sonnenbaden, Schwimmen und Wassersport werden ab Freitag verboten. Obersulm und Löwenstein ziehen damit die Reißleine nach dem Massenansturm am vergangenen Sonntag. Die Polizei hat konsequente Kontrollen angekündigt.

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Obersulm und Löwenstein greifen zum letzten Mittel: Die Badesaison am Breitenauer See ist beendet. Ab Freitag wird das Naherholungsgebiet inklusive der Parkplätze gesperrt. Sonnenbaden auf den Liegewiesen, Schwimmen im kühlenden Nass und Wassersport sind dann verboten. Damit ziehen die beiden zuständigen Ortspolizeibehörden die Konsequenzen aus dem Massenansturm am vergangenen Sonntag. Bei geschätzten 10.000 Besuchern waren Abstandsregeln und Maskenpflicht missachtet worden.Die geltenden Regeln durchzusetzen und zu kontrollieren, ist nicht mehr möglich gewesen.

Mit einem klaren Ja beantwortet sich Löwensteins Bürgermeister Klaus Schifferer bei der Pressekonferenz am Mittwochmittag die selbst gestellte Frage, ob gegen die Corona-Verordnungen verstoßen worden sei. Er und sein Obersulmer Kollege Tilman Schmidt hatten sich einen Eindruck von der Situation verschafft. Auf den Liegewiesen unterhalb des Seewegs war Handtuch an Handtuch ausgebreitet, im Badebereich herrschte dichtes Gedränge.

"Die Bilder, die wir gesehen haben, zeigten Menschen in Warteschlangen, die die Abstandsregeln nicht einhielten", schildert Thomas Maier, Dezernent für Gesundheit, Recht und Straßen beim Landratsamt Heilbronn, die Zustände vor den Toiletten, am Kiosk und am Bootsverleih. Bei einem solchen Andrang sei davon auszugehen, dass es zu Corona-Infektionen komme. Das könne man sehenden Auges nicht dulden, zumal bei der großen Zahl auswärtiger Besuchern, zum Teil aus dem Stuttgarter und Karlsruher Raum, Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar seien. "Keiner will Infektions-Hotspots", machte Thomas Lüdecke, Leiter der Schutzpolizei beim Polizeipräsidium Heilbronn, deutlich.

 

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Das Bedauern schwingt in der Stimme von Tilman Schmidt mit: Nach aller Abwägung und Prüfung sei die Sperrung des Sees "leider" der einzig mögliche Schritt. Die beiden Kommunen sind mit der Allgemeinverfügung, die ab Freitag gilt, der Empfehlung des Kreis-Gesundheitsamts gefolgt. "Es ist keine Hauruck-Entscheidung", betont Schifferer. Man habe intensiv diskutiert, ob man mit milderen Mitteln die Besucherzahl reduzieren könnte. Der Appell, den Breitenauer See doch zu meiden, verhallte. Schifferer stellt fest, dass die Bereitschaft in der Gesellschaft nachlasse, die Corona-Regeln zu befolgen.

Bereitschaftspolizei soll aushelfen

"Wir wissen, dass der Bürger raus drängt und die Ferienzeit bevorsteht", sagt Thomas Lüdecke. Aber je unregulierter die Zustände seien, desto schwieriger seien sie zu kontrollieren. Die Polizei, die in die Entscheidungsfindung eingebunden gewesen ist, kündigt an, den Gemeindevollzugsdienst und die Security mit zusätzlichen Kräften bei der Überwachung der Sperrung zu unterstützen und Verstöße konsequent anzuzeigen. Das bedeute für die eigenen Kräfte Dienst statt Freizeit. Zudem soll die Bereitschaftspolizei aushelfen.

Lüdecke macht klar, dass es auch Kontrollen in den Abendstunden geben wird, um wilde Partys zu verhindern. Sollte weiterhin starker Verkehr Richtung See fließen, würde man diesen weiträumig ableiten. Verbotenes Parken in Weinbergen und auf Feldwegen werde streng geahndet. Niemand glaube, dass die Kontrolle einfach sei, sagt Schifferer. "Das ist eine Herkulesaufgabe."

 

Das Aus für die Badesaison bedeutet für den Naherholungszweckverband Breitenauer See natürlich finanzielle Einbußen. Erhebliche, wie Vorsitzender Tilman Schmidt sagt. Die Sperrung des Sees trifft den Kioskbetreiber hart, fehlen ihm doch die Badegäste. Der Bootsverleih muss sogar schließen. Und für die Gäste im Campingpark fällt der See als Attraktion für den Urlaub weg.

Andere Seen werden beobachtet

Ein gesperrter Breitenauer See könne durchaus dazu führen, dass sich Besucherströme auf andere Badeseen verlagerten, gibt Maier zu. Allerdings hätten diese ein kleineres Einzugsgebiet. Zusammen mit den Ortspolizeibehörden beobachte das Landratsamt die Entwicklung. Nur kurz habe man überlegt, auch diese Ausflugsziele zu schließen. "Wir wollen aber nicht zu schnell zu viel machen." Maßnahmen müssten verhältnismäßig sein.


Kommentar: "Unvermeidlich"

Es ist ein radikaler Schritt, zu dem sich die Bürgermeister von Obersulm und Löwenstein durchgerungen haben. Das letzte Mittel. Aber es ist unvermeidlich, das überlaufene Ausflugsziel zu sperren. Die Verantwortlichen sind gezwungen gewesen, Konsequenzen zu ziehen, zu handeln.

Das Infektionsrisiko ist einfach zu hoch, wenn man sieht, wie sich am Breitenauer See Körper an Körper in der Sonne aalt, sich Schulter an Schulter in Warteschlangen vor Toiletten und Kiosk aufreiht und man das Wasser vor lauter Menschen, die sich darin abkühlen wollen, kaum noch erkennt. Als ob die Corona-Krise vorbei wäre.

Rücksichtslos und bar jeglicher Vernunft, so ist das Treiben an heißen Tagen von einem Teil der Besucher zu bezeichnen. Und nun werden alle abgestraft. Vorbei das Badevergnügen in diesem Sommer auch für all jene, die sich im weitläufigen Gelände fernab vom überbevölkerten Ufer ein sicheres Plätzchen gesucht haben. Für die Anwohner, die sich nach dem Arbeitstag abends noch schnell aufs Fahrrad schwingen, um sich im See abzukühlen. Für all jene, die wegen der Pandemie auf ihr geplantes Reiseziel verzichten und stattdessen unter Einhaltung der geltenden Regeln in der Heimat Ersatz suchen wollten.

Der Sperrungsverfügung ist das eine. Es gilt nun, sie durchzusetzen. Und das geht ohne Kontrollen nicht. Da kündigt die Polizei richtigerweise an, nicht mehr lange zu fackeln, nicht auf Einsicht zu setzen und sich damit in Diskussionen zu verzetteln. Wer nicht hören will, der muss es im Geldbeutel fühlen.

 

 


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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