Nur noch zwei Wochen Autokino in Heilbronn

Heilbronn  Ein Projekt der Corona-Krise verabschiedet sich aus Heilbronn: Die letzte Veranstaltung im Autokino auf der Theresienwiese soll am 7. Juni laufen. Bislang haben rund 20.000 Menschen die Freilicht-Filmaufführungen in Heilbronn besucht.

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Seit fünf Wochen gibt es das Autokino auf der Theresienwiese. Rund 10.000 Fahrzeuge haben seitdem vor der Leinwand geparkt. Foto: Archiv/Berger

Anfang des Jahres waren Autokinos noch ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Zwölf gab es in ganz Deutschland, seit der Corona-Krise sind es 17 allein in Baden-Württemberg. Rund 250 UKW-Frequenzen wurden bundesweit in den vergangenen Wochen für die Wiedergabe der Leinwandfilme erteilt.

Eine davon sorgt in Heilbronn für Empfang: Am 17. April wurde der erste Film auf der Theresienwiese gezeigt. Sieben Wochen später soll Schluss mit dem Vergnügen sein. Am Sonntag, 7. Juni, macht Tobias Beck mit seinem "Realtalk" - nach aktueller Planung, wie die Veranstalter sagen - den Abschluss auf der Kinobühne am Neckar.

20.000 Gäste in fünf Wochen

Bislang haben rund 20.000 Menschen das Autokino in Heilbronn besucht, sagt Ralf Stegmann. Der Heilbronner Open-Air-Kino-Veranstalter hatte die Theresienwiese Anfang April innerhalb von zwei Wochen zum Parkplatz für Filmfreunde gemacht. Gemeinsam mit Heiko Kreiter von Diginights und Matthias Rösch von den Arthaus-Kinos hatte Stegmann innerhalb von zwei Wochen das Projekt auf die Beine gestellt, "um Mitarbeiter und sich selbst" auch in der Krise weiter zu beschäftigen.

Neben den Filmen gibt es längst ein Zusatzprogramm: "Kino ist schwierig", erklärt Stegmann. Die Branche liegt brach, Premieren sind verschoben. Deshalb gibt es im Autokino auch mehr zu sehen als Hollywoodstreifen: Künstler wie Bülent Ceylan, Christoph Sonntag oder die Stripper von Sixx Paxx stehen auf der Bühne neben der Leinwand. Die Zuschauer bleiben in ihren Fahrzeugen und empfangen den Ton zum Auftritt im Autoradio.

Sollte eine Fahrzeugbatterie zu schwach dafür sein, gibt es am Ende technische Unterstützung. "Bis jetzt ist noch jeder vom Hof gekommen", sagt Stegmann lachend. Starthilfe gibt sein Team derzeit täglich.

Die Kosten sind immens

Das Angebot habe Anklang gefunden, freut sich Ralf Stegmann. Auch wenn damit niemand das große Geld verdient: "Einnahmen und Ausgaben darf man da nicht rechnen", sagt Heiko Kreiter. "Wir freuen uns, dass wir nichts drauflegen", so Stegmann. Die Kosten seien immens, die LED-Leinwand beispielsweise ist gemietet: "Das ist richtig teuer." Technik, Organisation, Personal schlagen zu Buche. Aber das Projekt mache einfach Spaß: "Es gab sehr viele positive Reaktionen", erklärt Kreiter. Alle Gäste seien sehr diszipliniert, Vorfälle habe es bislang keine gegeben.

In den ersten Wochen sei das Einzugsgebiet enorm gewesen, erinnert sich Kreiter. Mancher Gast fuhr bis zu 150 Kilometer weit, um in Heilbronn während der Ausgangsbeschränkungen einen Film zu sehen. Inzwischen gibt es nicht nur mehrere Autokinos im Land, sondern im Zuge der Lockerungen auch wieder andere Freizeitvergnügen.

Der Zuspruch lasse nach, das Erlebnis werde nach Corona wieder ein Nischendasein führen. Vor allem im Sommer, wenn niemand im Auto in der Sonne sitzen will. "Man weiß allerdings nicht, was im Herbst passiert", sagt Ralf Stegmann. Dann könnte das Autokino für die Veranstalter durchaus nochmal ein Thema werden.


Tanja Ochs

Tanja Ochs

Autorin

Tanja Ochs arbeitet seit 2000 bei der Heilbronner Stimme, war lange Lokalredakteurin und verantwortlich für den Bereich Bildung. Sie ist Regionalchefin und stellvertretende Chefredakteurin sowie Vorsitzende der Sozialaktion „Menschen in Not“.

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