Erinnerungen unserer Leser an den 11. September 2001: Von instabilem Internet und eindrücklichen Reportagen

Region  Die Gedanken unserer Leser zeigen, dass sich viele noch genau an den Tag erinnern können, an dem Terroristen das World Trade Center zerstörten und tausende Menschen ums Leben kamen. Die Welt war danach eine andere.

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Viele Menschen aus der Region wissen auch 20 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center noch genau, wie sie von den Ereignissen erfahren haben. Foto: Jason Szenes

Das Datum des eigenen Geburtstags kennt man, klar. Auch prägnante Daten der Weltgeschichte wie den 11. September 2001 vergisst man nicht. Bei Jutta Schönbrunn fallen Wiegenfest und 9/11 zusammen - am Tag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon feierte die Obereisesheimerin ihren 38. Ehrentag. Zumindest hatte sie das vor. Nachdem die ersten Bilder vom Geschehen über den Fernseher liefen, war keinem der Gäste mehr nach Feiern zumute. 

"Ich steckte in den Vorbereitungen fürs Kaffeekränzchen. Da kein Radio lief, hatte ich zunächst gar nichts mitbekommen", erinnert sich Schönbrunn. Nach und nach trudelten die ersten Verwandten und Freunde ein, sie hatten im Autoradio von den Anschlägen gehört. Klar, dass schnell das TV-Gerät angeschmissen wurde. "Es war eine ruhige, geschockte Stimmung. Alle sind mit offenem Mund auf der Couch gesessen." Keine Spur mehr von der üblichen Fröhlichkeit, die an einem Geburtstag herrschen sollte. "Uns schossen viele Fragen in den Kopf: Was passiert jetzt auf dieser Welt? Was kommt da auf uns zu?" 

Die Geburtstage in den Jahren darauf sind zwar nicht geprägt von den Ereignissen, spielen im Hinterkopf aber doch eine Rolle. "Jedes Jahr kommt die Erinnerung in abgeflachter Form wieder", berichtet die nun bald 58-Jährige. Gefeiert wird aber trotzdem! 

Am 11. September 2001 bricht die Internetverbindung zusammen

Fernseher, Radio - ein anderes Medium, um sich aktuell zu informieren, war 2001 noch nicht ganz so ausgereift: das Internet. Hannelore Bauer war zu dieser Zeit in der Kämmerei der Stadt Leonberg so etwas wie die Internetbeauftragte: Die 76-Jährige, die heute in Heilbronn-Böckingen wohnt, war diejenige in ihrem Amt, die einen Rechner mit Internetanschluss hatte.

In Zeiten, in denen keine Push-Nachrichten auf Mobiltelefonen landeten, lief der Informationsfluss so ab. "Eine Kollegin wurde von ihrem Sohn angerufen und über die Ereignisse informiert. Sie kam daraufhin aufgeregt zu mir und fragte, ob ich mal nachschauen könne?" Nach und nach versammelten sich die anderen aus der Abteilung um Bauers Monitor, um die Informationen von Nachrichtenseiten aufzusaugen.

Die Reaktionen? Allgemeine Ungläubigkeit. "Es war so unwirklich, man konnte gar nicht fassen, was da passierte." Zeitweise brach die Verbindung ins Netz zusammen. "Das Internet war noch nicht so stabil wie heute."  Am Nachmittag sei gar keine Verbindung mehr zustande gekommen. Geblieben sei die Aufregung an diesem Arbeitstag, dessen Feierabend jeden Kollegen vor den heimischen Fernseher trieb. 

Am 11. September 2001 einer tränenerstickten Stimme im Radio gelauscht

Auch die Erinnerungen von Jörg Niere haben mit der Arbeit zu tun. Der Heilbronner besuchte am 11. September 2001 einen Kunden in Ettlingen. "Als ich hineintrat, war noch nichts bekannt. Nach dem Gespräch musste ich direkt los Richtung Heilbronn - die Ereignisse im Radio mitzuverfolgen, war womöglich noch eindrücklicher als im Fernsehen, vor allem wenn man alleine im Auto sitzt und das Gehörte alleine zu verarbeiten hat."

Jörg Niere hat einen persönlichen Bezug zu New York, 1983 stand er selbst im obersten Stockwerk des World Trade Centers. "Die Schilderungen vom Einsturz des Gebäudes haben sich eingebrannt, man hat gemerkt, wie es den Reporter mitgenommen hat. Die erschütterte, ja zum Schluss tränenerstickte Stimme des Korrespondenten im SWR, der die schrecklichen Bilder aus New York schilderte, werde ich nie vergessen."

Lagen zu Beginn der Fahrt nur wenige Informationen vor, die häppchenweise präsentiert wurden, so war es am Schluss eine durchgängige Berichterstattung, erinnert sich Niere. "Es war wie ein Spannungsbogen." In Heilbronn angekommen, hatte noch gar nicht jeder von den Anschlägen gehört. 

Am 11. September 2001 in den Urlaub gestartet

Auch Silvia Lex aus Neckarsulm-Dahenfeld hat dem World Trade Center schon einmal einen Besuch abgestattet, 1996 war das. Fünf Jahre später ist sie zum Zeitpunkt der Terrorakte wieder auf dem Weg in den Urlaub, dieses Mal nach Mallorca. "Wir sind mittags angekommen, direkt an den Strand und haben vor lauter Urlaubsfeeling gar nichts mitbekommen."

Abends im Apartment legte sie ihre kleine Tochter ins Nebenzimmer zum Schlafen, weswegen der Fernseher zunächst - das Kind soll ja in Ruhe einschlafen können - ohne Ton lief. "Ich habe aufs Bild gestarrt und überlegt, was da los sein könnte. Ich sah Bilder vom brennenden World Trade Center und begriff lange nichts - bis ich den Ton anstellte." Eigentlich hatte sich die Familie auf Sonne, Strand und Meer gefreut. In den ungewissen Tagen nach den Geschehnissen machten sich Verwandte daheim Sorgen - für Silvia Lex und Co. stand ja noch ein Rückflug von Mallorca nach Deutschland an. 

Der Innenbereich des Flughafens von Gander. Hier strandeten nach den Anschlägen vom 11. September 6500 Passagiere. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2018. Foto: dpa

Am 11. September 2001 auf dem Weg nach New York

Auch in den Schilderungen einer weiteren Stimme.de-Leserin spielt eine Flugreise eine Rolle. In ihrer Zuschrift an die Stimme-Onlineredaktion heißt es: "Meine Großeltern sind an dem Tag mit Delta nach New York geflogen. Wir hatten natürlich wahnsinnige Angst und konnten von der Airline lange keine Auskunft bekommen. Ihr Flieger ist wie viele andere in Neufundland auf einem kleinen Militärflughafen (Gander) gelandet. Dort kamen sie in eine Notunterkunft in der Kirche und später in eine Familie. Die ganzen Bewohner waren sehr gastfreundlich!"


Tobias Wieland

Tobias Wieland

Onlineredakteur

Tobias Wieland kümmert sich um die onlinespezifische Aufbereitung eigener und fremder Artikel auf Stimme.de. Er erstellt Zeitleisten, Listicles, Grafiken und mehr.

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