Neue rote Zonen im Raum Heilbronn

Region  Das baden-württembergische Landesumweltamt zeichnet die Karte der Nitratbelastung neu. Dabei werden kleinteiligere Maßstäbe angesetzt. Das Ergebnis überrascht.

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Lange hatten die Landwirte darauf gewartet, jetzt kommen erste Details ans Tageslicht: Die Karte der nitratbelasteten Zonen, branchenintern auch "rote Gebiete" genannt, wird neu definiert. Der Hintergrund: Die bisherige Karte, denen Zahlen der Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2015 zugrunde liegen, muss alle sechs Jahren aktualisiert werden. Die noch gültige Karte zeigt Gebiete, die großflächig rot schraffiert sind. Davon betroffen: Weite Teile des Landkreises Heilbronn.

Seit die neue Düngeverordnung vorgestellt wurde, ist in der Branche die Sorge groß: Denn innerhalb der roten Gebiete darf künftig nur noch 80 Prozent der errechneten Düngemittelmenge ausgebracht werden. Speziell im Heilbronner Raum mit den nährstoffintensiven Sonderkulturen regte sich Widerstand. Zu pauschal sei die Karte.

Sorge vor Ernteeinbußen 

Mit einem Dünge-Minus von 20 Prozent seien Ernteeinbußen unvermeidbar, die Böden würden langfristig ausgelaugt, monierten Landwirtschaftsvertreter auf Fachveranstaltungen in Weinsberg und Ilsfeld -Auenstein im Frühjahr.

Jetzt hat das Landesumweltamt den Entwurf einer neuen Karte erarbeitet, der eine stärkere Binnendifferenzierung zugrunde liegt: Die Zahl der berücksichtigten Grundwasserkörper wurde von 36 auf 142 erhöht. Gleichzeitig entfallen die kommunalen Grenzen, mit denen die 2015er Nitratkarte arrondiert worden war. Die politischen Grenzen waren damals mit eingezeichnet worden, weil die Messdaten aus den jeweiligen Kommunen stammen. Dies hatte zu Missverständnissen geführt. "Das Grundwasser orientiert sich ja wohl kaum an Verwaltungsgrenzen", hatte der Vorsitzende des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, Eberhard Zucker, noch auf dem Bauerntag Ende Januar in Ilsfeld-Auenstein kritisiert.

Laut der nun aktualisierten Karte mit der Nitrat-Flächenkulisse 2021 gelten nur noch sechs Prozent der Landesfläche als belastet. Zuvor waren es neun Prozent. Aus Sicht der betroffenen Bauern ein Grund zur Freude. Im Heilbronner Raum hat die Binnendifferenzierung aber Verlierer hervorgebracht. Denn es wurden neue Gebiete als belastet definiert. Dazu zählen weite Teile des Kraichgau westlich von Eppingen, weite Teile des Kochertals sowie das Stadtgebiet Heilbronns und südlich angrenzend bis kurz vor Lauffen. Als nicht mehr belastet gelten jetzt unter anderem Teile des Zabergäu sowie ein Gebiet zwischen Untergruppenbach und Löwenstein.

Das Echo fällt geteilt aus

Aus dem Kreis der Bauern gibt es erwartungsgemäß ein geteiltes Echo. "Zustimmung haben die Landwirte aus dem Zabergäu signalisiert", berichtet Jan Schwarting, Geschäftsführer des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Aus anderen Regionen, insbesondere denen, die erst seit der Binnendifferenzierung als belastet gelten, sei "akuter Gesprächsbedarf" an ihn herangetragen worden. "Wir werden sobald es möglich ist, einen Erörterungstermin mit unseren regionalen Obleuten und Vertretern des Landesumweltministeriums organisieren", so Schwarting.

Nitratbelastete Fläche im Land geringer, im Raum Heilbronn gibt es jedoch neue Rote Zonen

Die neue Nitratkarte ist indes nur ein Arbeitsstand. "Sie zeigt eine Tendenz auf", erläutert Thomas Mader, stellvertretender Referatsleiter für Grundwasserschutz im Landesumweltministerium. Er hatte Vertretern der Landwirtschaft bereits Mitte März einen ersten Einblick in das neue Kartenwerk gewährt. Derzeit arbeite man auf Bundesebene an einem Kriterienkatalog, wie die nitratbelasteten Gebiete künftig bundesweit einheitlich ermittelt werden sollen. An der Ausarbeitung sind das Bundeslandwirtschaftsministerium und das Bundesumweltministerium gemeinsam beteiligt.

Wenn die neuen Kriterien vorliegen, könne es abermals zu einer "leichten Veränderung" der Nitrat-Karte kommen, schätzt Mader ein. Die Verwaltungsvorschrift werde bis Ende Juni fertiggestellt und veröffentlicht.

Bild bleibt unübersichtlich

Bis dahin ergibt sich für die Bauern ein unübersichtliches Bild: Am Freitag erlangt die jüngst auch vom Bundesrat verabschiedete neue Düngeverordnung Rechtskraft. Ab da gilt die "Zwanzig-Prozent-weniger-Regel". Bis Jahresende wird allerdings noch die alte Karte mit den roten Gebieten zugrunde gelegt.

 

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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