Neckarsulm legt B27-Kreuzung endgültig zu den Akten

Neckarsulm  Die Anschlussstelle an die Binswanger Straße war umstritten, am Donnerstag verabschiedete sich der Gemeinderat endgültig von der Idee. Die Kreuzung gehörte aber zum Mobilitätspakt. Dass die Stadt einen Bestandteil streicht, stößt auf Unverständnis.

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Bleiben getrennt: Die Binswanger Straße führt in Neckarsulm über die Bundesstraße. Für die Kreuzung hätten Betriebe verlegt werden müssen. Foto: Archiv/Bitsch

Die B27-Anschlussstelle an die Binswanger Straße kommt nicht. Die Mehrheit des Neckarsulmer Gemeinderats hat am Donnerstag die Kreuzungsidee nach 20 Jahren Planung und Diskussionen endgültig zu den Akten gelegt. Der Beschluss hat Auswirkungen über die Stadt hinaus, und dort sind viele gar nicht glücklich mit dem Votum. Am Dienstag kommt bereits der Verkehrsminister in die Stadt, um über das weitere Vorgehen zu sprechen.

Im Hintergrund gärt es

Die Anschlussstelle gehört eigentlich zum umfassenden Mobilitätspakt. Radwege, bessere Bahn-Verbindungen, Mobilitätskonzepte von Firmen: Viele Maßnahmen sind enthalten, um den Verkehrsfluss neu aufzustellen. Mittlerweile mehren sich in Neckarsulm auch Stimmen, die den B27-Ausbau auf vier Spuren auf Neckarsulmer Gemarkung hinterfragen. Diese Maßnahme, die der Bund verantwortet, gehört ebenfalls zum Mobilitätspakt. Mit-Unterzeichner wollen sich offiziell nicht kritisch dazu äußern, dass Neckarsulm beim Mobilitätspakt teilweise ausschert und eigenmächtig Projekte streicht oder hinterfragt. Keiner spricht es aus, aber im Hintergrund gärt es nach Stimme-Informationen. Neckarsulms Baubürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel verspricht: Die Abkehr sei kein Ausstieg aus dem Pakt.

Sehr diplomatisch fallen die offiziellen Reaktionen aus

Bad Friedrichshalls Bürgermeister Timo Frey bleibt diplomatisch. Es sei nicht Aufgabe der Stadt Bad Friedrichshall und des Bürgermeisters, die Neckarsulmer Beschlüsse zu bewerten und zu kommentieren. Er betont jedoch: "Als Mit-Unterzeichner des Mobilitätspakts bekennen wir uns weiterhin zu den darin gemeinsam formulierten Zielen und halten die vorgesehenen Maßnahmen nach wie vor für zielführend und sinnhaft." Gerade das Gesamtpaket an Maßnahmen auf Autobahn, Straße und Schiene, im ÖPNV, im Bereich des Fuß- und Radverkehrs sowie betriebliche Mobilitätskonzepte der Unternehmen trügen dazu bei, "die bestehenden Aufgaben zu lösen und die Mobilität in der Region dauerhaft sicherzustellen".

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel sagt: „Der Mobilitätspakt ist eine Solidargemeinschaft mit der versucht werden soll, die gebietsübergreifende Infrastruktur gemeinsam zu verbessern." Jedes Mitglied des Mobilitätspaktes arbeite derzeit an der Umsetzung der gestellten Aufgaben, "die wir nur gemeinsam erfüllen können".  Für Heilbronn gibt er Beispiele: "Die Stadt Heilbronn arbeitet mit Hochdruck an der Umsetzung der Nordumfahrung Frankenbach/Neckargartach und wird damit für den Mobilitätspakt einen großen Beitrag zum Themenkomplex ‚Motorisierter Individualverkehr‘ leisten." Die Planungen für den zweiten Bauabschnitt des Radschnellwegs von Bad Friedrichshall nach Heilbronn-Horkheim, ebenfalls ein wichtiges Projekt des Mobilitätspaktes, werde Heilbronn im Auftrag des Regierungspräsidiums im nächsten Jahr starten. 

 

Auch der Landkreis hat den Mobilitätspakt unterschrieben. Landrat Norbert Heuser betont: "Die Stadt Neckarsulm wird den aktuellen Sachstand sicherlich in der nächsten Sitzung des Steuerkreises darlegen und begründen." Er ergänzt: "Wir werden dann innerhalb des Steuerkreises, gemeinsam mit dem Verkehrsministerium, zu entscheiden haben, wie wir damit umgehen."

Das sagen Audi und Schwarz-Gruppe

Die großen Neckarsulmer Arbeitgeber Schwarz-Gruppe und Audi stehen ebenfalls hinter der Vereinbarung. Beim Autobauer heißt es: Audi trage auch im Rahmen des Mobilitätspaktes dazu bei, die Verkehrssituation in der Region nachhaltig zu verbessern. Das gemeinsame Ziel sei, so eine sprecherin: "Eine gut funktionierende Verkehrsinfrastruktur, die den Menschen und Unternehmen gleichermaßen nutzt." Durch Beteiligungen an den entsprechenden Arbeitskreisen sowie der Koordinierungsgruppensitzung wolle Audi einen Beitrag für den inhaltlichen Fortschritt leisten. Sie betont: "Ein Mehrwert des Mobilitätspaktes ist unter anderem die Vernetzung der unterschiedlichen Partnerinnen und Partner, wodurch übergreifende Projekte überhaupt ermöglicht werden."

Als Gründungsmitglied bekennt sich die Schwarz-Gruppe weiterhin zum Mobilitätspakt. Eine Unternehmenssprecherin sagt: "Wir werden auch zukünftig unseren Beitrag zur Realisierung einzelner Maßnahmen leisten."

Das sagt Stuttgart

Verkehrsminister Winfried Hermann kommt am Dienstag nach Neckarsulm. Er kennt die Gründe, die aus Neckarsulmer Sicht gegen die Anschlussstelle sprechen. Ein Sprecher des Ministeriums sagte auf Anfrage: "Die Gründe für die Entscheidung waren für das Verkehrsministerium nachvollziehbar, wenngleich deutlich gemacht wurde, dass auch im Rahmen des Mobilitätspaktes Heilbronn/Neckarsulm zügig Ersatzlösungen erörtert werden müssen." Darum geht es bei den Gesprächen. "Der Verkehrsminister hat sich grundsätzlich offen für neue, ganzheitliche und nachhaltige Lösungen für den Ersatz des Anschlusses Binswanger Straße gezeigt." Vor Ort solle eine erste Neubewertung der Verkehrssituation erfolgen und über das weitere Vorgehen gesprochen werden. Zugleich betonte das Ministerium: "Auch die Stadt Neckarsulm ist nach wie vor gefordert, ihre kommunalen Interessen mit eigenen Maßnahmen in das Format einzubringen."

Hiervon unberührt bleibt für das Verkehrsministerium der gesetzlich verankerte Auftrag des Bundes, den vierspurigen Ausbau der B 27 im Bereich zwischen der Anschlussstelle A 6/B 27 bis zum Knotenpunkt B 27/L 1095 weiterzuverfolgen, welcher im aktuellen Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf eingestuft ist."


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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