Nächtlicher Einsatz für Erdkröte und Molch

Region  Die Krötenwanderung hat begonnen. Dutzende Helfer sorgen spät abends dafür, dass die Tiere heil über die Straßen kommen.

Von Stefanie Pfäffle
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Die Heilbronner Nabu-Vorsitzende Britta Böhringer-Retter (links) und Kreisökologin Stefanie Kielhorn freuen sich über jede Kröte, die sie entdecken. Foto: Stefanie Pfäffle

Die warme Sonne hat sie aus ihrer Winterstarre erweckt. Die Amphibien machen sich auf zu ihren Laichgebieten und müssen dabei auch so manche Straße überqueren. Das heißt auch, dass wieder dutzende Helfer unterwegs sind, um des Nachts die Kröten, Frösche und Lurche vor dem Tod zu bewahren. An die 70 Strecken werden im Landkreis Heilbronn betreut. "Es gibt kaum eine Gemeinde, in der es kein Gebiet gibt", erklärt Kreisökologin Stefanie Kielhorn, die beim Landratsamt Heilbronn unter anderem für den Amphibienschutz zuständig ist.

Eine der größten Populationen

Wie zum Beispiel das Teilstück auf der Straße zwischen dem Kreisverkehr an der Waldkreuzung und Talheim sowie dem Weg zum Hohrainhof, die neben dem Gebiet unterhalb von Burg Stettenfels in Untergruppenbach und dem Leberbrunnensee in Flein vom Nabu Heilbronn betreut wird. "Hier sind vor allem Erdkröten und Molche, vereinzelt auch Grasfrösche und Feuersalamander unterwegs", erzählt Kielhorn. Es ist einer der größeren Erdkrötenpopulationen im Landkreis.

Zwischen 3000 und 5000 werden jährlich gezählt, und das sind nur die, die die Helfer einsammeln. "Der Großteil wandert in den ersten zwei Stunden nach Einbruch der Nacht, in der Zeit sind wir unterwegs", erklärt Britta Böhringer-Retter, Vorsitzende vom Nabu Heilbronn.

Zwar gibt es an der Straße eine der 25 festen Anlagen, die den Tieren die Unterquerung der Landstraße ermöglicht, aber weil sie eben manchmal auch ein bisschen weiter rechts oder links wandern, steht zusätzlich ein mobiler Zaun da, vor dem die Kröten in eingebuddelte Eimer fallen, die von den Helfern morgens und abends geleert werden.

Auf der Suche nach dem Weibchen

Auf der Straße zum Hohrainhof gibt es keine Anlage. Die Straße wandern Kielhorn und Böhringer-Retter mit Lampen ausgerüstet ab. Da ist auch schon das erste Männchen, das sich mitten auf den Asphalt gesetzt hat. "Die könnten auch schnell rüber laufen, aber sie sind ja immer auf der Suche nach einem Weibchen und von dort aus haben sie die beste Sicht", erläutert Kielhorn das gefährliche Problem der Herren.

Vorsicht, Kröten sind wieder unterwegs

Zum Schutz der Amphibien sowie der ehrenamtlichen Helfer, die die Tiere meist in der Dämmerung einsammeln und aus der Gefahrenzone transportieren, hat die Stadt Heilbronn ab Montag, 8. März, Tempolimits und Durchfahrtsverbote angeordnet. Täglich von 19 bis 6 Uhr voll gesperrt sind die Kreisstraße zwischen dem Jägerhausparkplatz und dem Parkplatz an der Waldheide, in Verlängerung hierzu die beiden Straßen, die vom Parkplatz an der Waldheide nach Donnbronn bzw. Obergruppenbach führen, sowie der Feldweg südlich des Parkplatzes beim Ehrenfriedhof (Verlängerung der Arndtstraße). Tempo 30 gilt in Böckingen von 19 bis 6 Uhr in der Heckenstraße und zu Beginn des Bruhwegs am Ziegeleipark.

Die Gefahr droht nicht allein durch Autoreifen. Wenn sich die Fahrer nicht an das vorgeschriebene Tempo-30 halten und ein Tier auf der Straße unter dem Auto sitzt, implodieren die Kröten durch den Druck. "Die leben dann manchmal noch weiter, deswegen sind die "30" so wichtig", betont die Kreisökologin.

Böhringer-Retter beobachtet immer wieder, dass sich die Menschen nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. "Das ist auch für uns gefährlich, und manchmal werden wir auch noch angepöbelt." Das ärgere einen, aber man wisse ja, wofür man es mache.

Die kleinen Kröten sind aber auch wirklich niedlich und ganz weich, wenn man sie anfasst. "Oh, da ist ein Doppeldecker", ruft Kielhorn und hebt das Weibchen hoch, an dem sich schon ein viel kleineres Männchen festklammert. Ab damit in den Eimer, der dann am Bach geleert wird. Bis zum Frankelbachsee wird er sich tragen lassen. "Die klammern sich so fest, die kann man kaum lösen", erzählt die Nabu-Vorsitzende. Das muss wohl Liebe sein - oder auch nur Biologie.


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