Nach Morddrohungen gegen die Mutter in die Psychiatrie

Heilbronn  Das Heilbronner Landgericht verhandelt gegen einen 33-Jährigen aus Schwaigern: Muss er wegen einer Schizophrenie dauerhaft in einer Spezialklinik bleiben? Seine 60-jährige Mutter hat Angst vor einem Rückfall.

Email

Der Maßregelvollzug im Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg. Hier wird der Beschuldigten im Strafprozess um Morddrohungen behandelt.

Foto: Archiv/Berger

"Mein Sohn hat mir Angst gemacht - und ich lebe jetzt noch in Angst." Mit diesen Worten hat eine 60-jährige Mutter gestern vor dem Heilbronner Landgericht ihren beschuldigten Sohn belastet. Wegen räuberischer Erpressung, Bedrohung und versuchter Körperverletzung sitzt der 33-Jährige auf der Anklagebank. Seit Jahren lebte er mit seiner Mutter in einem Haushalt in Schwaigern.

Jetzt wird er in der Psychiatrie in Weinsberg behandelt, wurde gestern in Handschellen ins Gericht gebracht. Laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft soll er seine Mutter im Streit so geschubst haben, dass sie fast gestürzt wäre. Er soll gedroht haben, sie umzubringen, sie zu verbrennen, zu vergraben, sich sexuell an ihr zu vergehen. In dem Verfahren ist der Mann ein Beschuldigter. Das Gericht muss prüfen, ob er aufgrund einer paranoiden Schizophrenie auf längere Zeit in einer Psychiatrie untergebracht werden soll.

Nach dem Tod des Vaters begannen die Probleme

Der Tod des Vaters im Jahr 2016 hat eine Abwärtsspirale bei dem Mann ausgelöst. Er verlor den Job, war antriebslos. Täglicher Cannabiskonsum verstärkte offenbar die Situation, da dies "Psychosen und schwere Motivationsstörungen" auslösen könne, wie der psychiatrische Sachverständige betonte. "Es ging mir schlecht", sagte der 33-Jährige über diese Zeit. Um kurz danach davon zu berichten, dass bei ihm Medikamente herunterdosiert worden seien, die Psychosen "gegangen" und er sich "nicht mehr krank" fühle. Nur: Fast alle Tatvorwürfe stritt er ab. Beleidigungen? Morddrohungen? Ein angekündigter sexueller Übergriff? Alles falsch. Wenn seine Mutter dies gesagt habe, seien es Lügen gewesen. Die Schwester indes bestätigte als Zeugin, sie habe nach den Drohungen ihres Bruder mehrfach die Polizei gerufen.

Ein Mal auch mit einer Pistole gedroht

Die Mutter wich anfangs im Zeugenstand zu den delikaten Vorwürfen aus. Dann, als Richter Frank Haberzettl sie streng ermahnte, bestätigte sie alle zuvor bei der Polizei gemachten Vorwürfe. Und: Ein Mal habe ihr Sohn sie und seinen Bruder mit einer Pistole bedroht, ein Mal gesagt, er wolle ihr "den Kopf abschneiden". Er habe Geld von ihr verlangt, Stimmen gehört, Haushaltsgegenstände zerstört und von einem bei ihm implantierten Chip geredet. "Er ist krank."

Schwester: "Er war nicht mehr er selbst."

Die Schwester bestätigte den Schubser und Drohungen, die sie am Telefon mitgehört habe. Meist sei es gegen die Mutter gegangen, aber auch mal gegen die ganze Familie. "Er war nicht mehr er selbst." Seine Rückkehr zur Mutter möchte sie nicht. "Wir haben Angst, dass er in alte Muster verfällt." Sie wäre für ein betreutes Wohnen mit einem Betreuer. Warum ihr Bruder einen Zorn auf die Familie hatte? Sie hat keine Erklärung dafür.

Entschuldigt hat sich der 33-Jährige bei ihr bisher nicht, sagte die Mutter auf Nachfrage aus. Aber am Ende jedes Telefonats sage er, dass er sie lieb habe. Sie möchte erst eine Aussage der Ärzte hören, wie es um ihn steht. Sie hat Sorge, dass es "wieder schlimmer wird". Bis Anfang Oktober sind Prozesstermine angesetzt.

 


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

Top-Kommentare

Kommentar hinzufügen