Nach Corona-Ausbruch in Sinsheim rechnen Ämter mit weiteren Infizierten

Region  40 Mitglieder einer rumänisch-christlichen Kirchengemeinde in Sinsheim sind Mitte der Woche positiv auf Coronavirus getestet worden. Viele der Infizierten leben in den Landkreisen Heilbronn und Karlsruhe. Die Behörden suchen noch nach 77 weiteren.

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18 der 40 bisher positiv getesteten Gemeindemitglieder leben in Kirchardt. Die Verwaltung kontrolliert die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen.

Foto: Sven Hoppe

Nachdem 40 Mitglieder einer rumänisch-christlichen Gemeinde in Sinsheim Mitte der Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, stellen sich die Behörden auf weitere Infektionsfälle ein. Testergebnisse von 105 Gemeindemitgliedern liegen bereits vor, die Behörden suchen nach 77 weiteren. "Die Wahrscheinlichkeit, dass darunter weitere positive Fälle sind, halte ich für groß", sagt Landratsamtssprecher Manfred Körner.

Seine Behörde steht in engem Austausch mit den Kollegen des Rhein-Neckar-Kreises, die für die Fälle in Sinsheim-Steinsfurt zuständig sind. Das dortige Gesundheitsamt hatte die Tests angeboten, nachdem der Kontakt einer positiv getesteten Person zu der Glaubensgemeinschaft in Sinsheim bekannt geworden war.

Sämtliche Betroffenen, darunter auch Kinder und ganze Familien, befinden sich nach Angaben der Landkreisverwaltung in Heidelberg in häuslicher Quarantäne - außer in Sinsheim leben sie in den Landkreisen Karlsruhe und Heilbronn. Derzeit würden Kontaktpersonen ermittelt, wie auch die Heilbronner Kreisverwaltung mitteilt. 20 Infizierte leben im Landkreis Heilbronn, allein 18 in Kirchardt.

"Wenn sich alle an die angeordnete Quarantäne halten, ist die Situation gut beherrschbar", sagt Manfred Körner. Er erinnert daran, dass ein Test, den Reiserückkehrer möglicherweise bei der Ankunft machen, nur eine Momentaufnahme ist. "Auch, wenn der negativ ausfällt, können später Symptome auftreten. Dann ist ein Arztbesuch dringend zu empfehlen."

Zu Gottesdienst in Nachbarort gefahren?

"Die neueste Entwicklung ist beunruhigend und bedauerlich. Zumal die Infektionszahlen in Kirchardt bisher unter dem Landesdurchschnitt lagen", sagt Kirchardts Bürgermeister Gerd Kreiter auf Stimme-Nachfrage. Auch in dem der 6000-Einwohner-Ort gebe es eine solche rumänisch-christliche Gemeinde. "Seit 14. Juli hat es hier aber keinen Gottesdienst mehr gegeben", sagt Kreiter. "Möglicherweise haben sich die Mitglieder stattdessen in Steinsfurt getroffen."

Ähnliche Ausweichtendenzen hatte bereits die Verwaltung des Rhein-Neckar-Kreises vermutet. Verboten sind Veranstaltungen von Kirchen sowie Religions- und Glaubensgemeinschaften laut Corona-Verordnung des Landes nicht, solange eine Reihe von Hygieneregeln eingehalten werden. "Das Hygienekonzept für Gottesdienste lag der Verwaltung vor."

Kreiter warnt eindringlich davor, bei den Vorsichtsmaßnahmen nachlässig zu werden. "Sollte das nicht funktionieren, hat das einschneidende Konsequenzen", stellt der Bürgermeister klar. "Wenn es sich zum Beispiel um einen Schüler oder eine Schülerin handelt, muss die ganze Klasse in Quarantäne und der Urlaub fällt aus."

Verwaltung kontrolliert Quarantäne

Auch Gerd Kreiter rechnet mit einer zunehmenden Zahl von Betroffenen, die in Quarantäne müssen. Für deren Überwachung ist die Ortspolizeibehörde der Kommune zuständig. "Das nehmen wir ernst. Die Verwaltungsmitarbeiter fahren vorbei, klingeln an der Tür um festzustellen, ob die Leute zu Hause sind", erläutert der Bürgermeister. Wenn niemand aufmacht, hat auch das Konsequenzen. "Da reden wir nicht von einer Ordnungswidrigkeit, sondern von einer Straftat, die wir zur Anzeige bringen."

 

 

 

 


Alexander Klug

Alexander Klug

Reporter

Alexander Klug ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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