Motto des Vatertags: Familienausflug statt Trip mit Leiterwagen

Region  Das schöne Wetter in der Region Heilbronn lockt am Feiertag viele Menschen ins Freie. Vor allem Familien nutzen den Vatertag für einen Ausflug. Doch der erwartete Ansturm auf die Biergärten bleibt aus.

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Christi Himmelfahrt, Vatertag und Traumwetter: Das hat die Menschen in der Region nach draußen gezogen. Allerdings bleibt der erwartete Ansturm auf die wieder geöffneten Biergärten zunächst aus.

Die an Vatertagen üblichen Leiterwagen-Gruppen machen sich etwas rar. Dafür sind mehr Familien unterwegs, viele mit dem Rad oder zu Fuß. Familie Pschiuk vereint beides. "Wir kommen aus Bissingen, sind mit dem Auto zur Tochter nach Ilsfeld gefahren, dann 30 Kilometer mit dem Rad, dann noch eine Stunde zu Fuß zur Heuchelberger Warte", berichtet Familienvater Bodo Pschiuk. Der Ausflug war eine Überraschung seiner Familie. Auf dem T-Shirt des 56-Jährigen steht "Cheffe", die Stimmung ist bestens. Der Vater ist froh, dass man nach dem Corona-Shutdown jetzt wieder mehr raus darf: "Das bringt die Familie wieder zusammen."

Ein Stückchen Normalität kehrt zurück

Im Wald an der Heuchelberger Warte haben es sich Anke Dausch (50) und Raffaele Castiello (54) an einem Picknickplatz gemütlich gemacht. Der 54-Jährige ist mit dem Rad gekommen, die 50-Jährige zehn Kilometer gewandert. "Super hier", sagt Anke Dausch. "Endlich wieder ein Stückchen Normalität", ergänzt Raffaele Castiello. Von den strengen Corona-Maßnahmen hält er "nicht viel". Durch die Medienberichte sei eine Panik entstanden. "Die meisten sind dafür empfänglich."

Thorsten Batzel ist mit seiner Familie aus Besigheim in den Heilbronner Stadtwald gekommen. "Wir wollten uns hier den Erlebnispfad anschauen. Für Familien mit Kindern ist es schön, wieder mehr draußen zu sein." Thorsten Batzel hat zum Vatertag von seiner Frau ein selbst bedrucktes T-Shirt geschenkt bekommen, auf dem steht: "Dieser coole Papa gehört zu Leon und Jona." Bei den gelockerten Corona-Vorschriften vertritt der Vater diese Linie: "Man muss eher vorsichtig sein als zu forsch."

Gastronomen kritisieren Informationsfluss

Für Gastronomen sollte das Vatertagsgeschäft ein lange ersehnter Umsatzbringer sein. "Kein Gedränge, ganz entspannte Stimmung", charakterisiert Max Wieland die Realität im Ausflugslokal auf der Heuchelberger Warte. Der Co-Geschäftsführer und seine Eltern hatten eine pfiffige Idee, um mehr Gäste anzulocken. Sie bieten ein Picknick an: "Alles in einer Tüte, alles schon zugeschnitten." Im Wald am Lokal sind extra lauschige Plätze für das Picknick angelegt, auch in den angrenzenden Rebzeilen mit dem herrlichen Ausblick lassen sich Gäste nieder. Weil das Ganze als Außer-Haus-Verkauf gilt, müssen Kunden nicht ihre Personalien angeben.

Im Biergarten auf dem Berg ist das anders. Max Wieland verrät, "dass nicht alle Gäste Verständnis haben, wenn sie ihre Kontakdaten in einem Formular angeben müssen". Allerdings ist er mit der Moral, was Hygiene- und Abstandsregeln angeht "ganz zufrieden". Was die Gastronomen kritisieren, ist , "dass die Regeln so kurzfristig bekannt gemacht werden". Dem stimmt auch der Chef im Heilbronner Biergarten am Trappensee, Sascha Felten, zu. Bei ihm läuft der Feiertagsbesuch "etwas schleppend an". Mit den Corona-Auflagen sei ohnehin kein großes Geschäft zu machen. Die Sitzplatzzahl sei um die Hälfte reduziert. "Was ist, wenn jetzt auch noch schlechtes Wetter dazu käme?" Felten versichert, "dass wir nur aufgemacht haben, um die Stammgäste nicht zu verlieren". Dass sich die Regeln ständig ändern, moniert er. "Im Supermarkt laufen die Leute auch alle nicht mit 1,5 Meter Abstand herum. Aber die Gastronomie wird gegängelt und kastriert."

 

 

Helmut Buchholz

Helmut Buchholz

Autor

Helmut Buchholz arbeitet seit 1999 bei der Heilbronner Stimme. Er kümmert sich im Stadtkreisressort um die Themen Gericht, Polizei und Soziales. Er leitet außerdem das Thementeam Migration.

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