Zivilcouragepreis: Mit Mut für Mitmenschen in Not eingesetzt

Heilbronn  Beim Festabend zum Zivilcouragepreis werden in Heilbronn 31 Bürger ausgezeichnet. Sie stellten sich auch mit Erfolg Gewalttätern entgegen. Ein Novum: Drei Preisträger spenden ihr Preisgeld spontan für Bedürftige.

Email

Die Preisträger mit ihren Urkunden und die Vertreter der Organisatoren des Zivilcouragepreises im Deutschhof. 6050 Euro wurden insgesamt an die mutigen Helfer aus der Region verteilt.

Fotos: Andreas Veigel

Es ist mitten in Heilbronn passiert, am helllichten Tag: Ein Mann schlägt seine junge Freundin, schreit sie an, stößt sie gegen eine Mauer, nimmt ihr das Handy weg. "Es haben sehr viele Menschen nur zugesehen und nicht reagiert", sagt Hazal Ates (20). Die Heilbronnerin handelte, half der jungen Frau, ihre Verwandten verfolgten den Täter und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Ates ist eine der Preisträgerinnen beim Zivilcouragepreis 2020, den die Heilbronner Bürgerstiftung, der Verein Sicher im Heilbronner Land und die Heilbronner Stimme am Montagabend im Deutschhof zum zehnten Mal verliehen. Da die Veranstaltung im Vorjahr wegen Corona ausfiel, konnten dieses Mal gleich 31 Preisträger in 20 Fällen ausgezeichnet werden.

 

Großes Lob von Polizeipräsident Becker: "Für mich sind Sie Helden des Alltags"

Es sind viele beherzte Reaktionen dabei, die Mut erfordern. Da werden Randalierer durch schnelle Informationen an die Polizei überführt, da stellen sich Menschen Gewalttätern in den Weg, da retten Passanten eine junge Frau, die von einem Wildfremden gewürgt wird - und eine Bürgerin hilft einer auf der Straße weinenden Frau, lotst sie aus der Begleitung zweier Männer zu sich nach Hause. Am Ende wird ihr Partner wegen schwerer Gewalttaten verhaftet. Bereits im Kleinen sei es wichtig, Unrecht zu bekämpfen und anderen Menschen in Gefahr zur Seite zu stehen, lobte Oberbürgermeister Harry Mergel in der Feierstunde, die ein Quartett des Landespolizeiorchester umrahmte. Die Preisträger seien "Mutmacher für unsere Gesellschaft".

Polizeipräsident Hans Becker nannte das Verhalten der Geehrten "idealtypisch für eine solidarische Gesellschaft". Sie seien nicht teilnahmslos weitergegangen oder hätten Gewalt noch gefilmt und aus Geltungsdrang in die sozialen Medien eingestellt. Einige Preisträger hätten sich selbst in Gefahr begeben. Auch eine einfache Verhaltensweise - wie das Melden der Tat bei der Polizei und das Einprägen von Tätermerkmalen - könne eine große Wirkung erzielen. "Für mich", sagte Becker, "sind Sie Heldinnen und Helden des Alltags".

Stimme-Chefredakteur und Moderator Uwe Ralf Heer bat die Geehrten auf die Bühne und beleuchtete mit viel Lob die Hilfstaten. Die größte Einzelpreissumme erhielt die Heilbronnerin Agnes Zeiser, die der weinenden, misshandelten Frau half. Ein "unglaublich vorbildliches Verhalten", lobte der Polizeichef. Drei Preisträger spendeten ihre Preissumme spontan für Bedürftige und Menschen in Notlagen. Ein Novum, das gab es bisher noch nicht.

Info

Bewerbungen für den nächsten Preis (bis 31.01.22.)


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

Kommentar hinzufügen