Mit dem Baumstamm durch Heilbronn

Heilbronn  Ausdauerläufer Mehmet Topyürek steht vor einem ungewöhnlichen Weltrekordversuch. Am 31. Oktober möchte er mit einem Baumstamm einen Marathon durch die Stadt laufen.

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Kraft, Ausdauer, gute Laune: Seit mehreren Jahren ist der Böckinger Mehmet Topyürek bei Ausdauerläufen mit einem Baumstamm unterwegs.

Foto: Archiv/Veigel

Einen Baumstamm tragen? Schwer. Einen Marathon laufen? Vielleicht sogar noch schwerer. Beides parallel und zugleich noch von der Stoppuhr unter Druck gesetzt? Dafür muss man definitiv "positiv verrückt" sein.

Sagt jedenfalls Mehmet Topyürek - und er muss es wissen. Denn der 35-Jährige hat sich vorgenommen, am 31. Oktober durch Heilbronn laufend einen Weltrekord aufzustellen: 42,195 Kilometer möchte er mit einem 20 bis 25 Kilogramm schweren Baumstamm auf den Schultern in weniger als sechs Stunden und 15 Minuten bewältigen. "Ich liebe einfach Schmerzen", sagt Topyürek lachend über die Idee zu seinem Rekordversuch. Vom Götzenturm aus will er ab 11 Uhr an Wertwiesenpark, Frankenstadion und Inselhotel vorbei wieder zurück in die Innenstadt laufen; zwölf Runden lang.

Ziel der Aktion ist neben dem Weltrekord vor allem, "seinen" Baumstammlauf bekannter zu machen. Denn Mehmet Topyürek, der in jüngerer Vergangenheit auch über 300 Kilometer von Böckingen nach Köln gelaufen ist, hatte 2015 bei einem seiner zahlreichen Ausdauerlauf-Teilnahmen spontan einen Baumstamm vom Streckenrand geschultert - zur großen Erheiterung des Publikums. Für den meist gut gelaunten Metallbaumeister, dem durchaus auch gewisse Entertainer-Qualitäten zu attestieren sind, die Initialzündung.

Unterhaltung gegen die Langeweile

"Ich habe für mich schnell festgestellt: Nur laufen, da fehlt was." Nach Starts bei Hindernis- und normalen Marathonläufen wie dem Trollinger-Marathon sowie Teilnahmen an einer Fernsehshow, dem Motorman Run in Neuenstadt und diversen Benefiz-Läufen ist der Weltrekordversuch nun Topyüreks nächste Herausforderung. Obwohl er regelmäßig mit seiner bunt gemischten Trainingsgruppe unterwegs ist, sei das Ausdauertraining nur ein kleiner Teil der Vorbereitung.

"Eigentlich kann man für so etwas gar nicht trainieren, man muss vor allem den Willen dazu haben." Denn vieles spiele sich während der mehr als 42 Kilometer ohnehin im Kopf ab: "Man muss während des Laufens mental einfach immer nach vorne schauen."

Bis vor acht Jahren war der Böckinger vor allem als Thaiboxer bekannt, wurde 2011 Deutscher Meister, bestritt im Folgejahr in Erfurt gar einen Kampf um die Weltmeisterschaft. Das sei aber irgendwann langweilig geworden. Dann kamen erst die Läufe, dann die Baumstämme, und nun die Motivation, seine außergewöhnliche Freizeitbeschäftigung Schritt für Schritt bekannt zu machen.

Topyürek läuft auch für den guten Zweck

Rund um den Lauf wird es außerdem T-Shirts mit Topyüreks Konterfei und Energy Drinks zu kaufen geben, deren Verkaufserlöse zur Hälfte dem Kinderhospiz Heilbronn zu Gute kommen werden: Sobald es die Corona-Situation wieder zulässt, will Mehmet Topyürek die Kinder dann mit aus seinem Lauf finanzierten Geschenken im Hospiz überraschen. Denn bei dem 35-jährigen Böckinger gilt auch jenseits des Sports: "Nur Laufen, da fehlt was."


Nils Buchmann

Nils Buchmann

Volontär

Nils Buchmann arbeitet seit Oktober 2020 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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