Meerjungfrau und Neptun grüßen am Breitenauer See

Obersulm/Löwenstein  Es ist ein bitteres Jahr für den Campingpark Breitenauer See. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Sperrung des Gewässers im Sommer haben die Saison ordentlich verhagelt. Jetzt wurde ein neues Sanitärgebäude fertiggestellt.

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Die Palmen vor dem Eingang und die Farbgebung mit verschiedenen Grüntönen verleihen ein mediterranes Flair.

Nach dem ersten Lockdown vom 18. März bis 18. Mai sind seit 2. November die Pforten erneut geschlossen. So stören die Mitarbeiter des Betriebshofes, die derzeit Hecken und Bäume schneiden, keine Erholungssuchenden.

Dabei hätten sich Dauercamper und Touristen im unteren Bereich der 16,5 Hektar großen Anlage in diesem Jahr über topmoderne Sanitäranlagen freuen können. Der Anbau an das Sanitärgebäude 3 ist zwar fertig, aber nicht eröffnet worden. Das soll zu Ostern 2021 passieren, hofft Manager Klaus Schmitt. Mit der Baumaßnahme erfüllt der Campingpark weiter die Fünf-Sterne-Kategorie.

Gestaltungselemente draußen und drinnen verbreiten mediterranes Flair. Inmitten der quadratischen Sitzbank-Ensembles flattern die Blätter zweier Hanfpalmen im leichten Wind. Auf den Eingangstüren grüßen Neptun und eine Meerjungfrau. Das Grün der Außenfassade wird drinnen wieder aufgenommen, in den Türen und im Fliesenspiegel in Farbabstufungen von Mintgrün bis Türkis. 20 Toiletten, ein Behindertenbad, zwölf Duschen, 16 Waschplätze und acht Waschkabinen sind, getrennt nach Frauen und Männern, entstanden. Es schließen sich seitlich eine Spülküche mit acht Spülplätzen und sieben Mietbäder an. Die seien sehr stark nachgefragt, "zu Zeiten von Corona ohnehin", sagt Klaus Schmitt. Deshalb ist dieses Angebot im Campingpark aufgestockt worden, der Urlauber in Wohnwagen und Zelt wünscht es komfortabel, ganz im Sinne von Glamping – glamorous camping. Für zwölf Euro pro Tag kann der Gast seine eigene Nasszelle buchen.

"Alles ist auf dem neuesten Stand", sagt Schmitt und weist auf die thermische Desinfektion, um der Legionellengefahr vorzubeugen hin. Diese ist automatisiert, springt an, sobald ein Wasserhahn oder eine Dusche 72 Stunden nicht angeschaltet worden sind. Auf dem begrünten Flachdach sind Solar- und Photovoltaikanlagen installiert. Standard im Campingpark ist auch eine Hundedusche im Außenbereich jedes Sanitärgebäudes.

Aus der Seebühne wird wohl nichts

Der neue Anbau ersetzt das 30 Jahre alte Sanitärgebäude 2 im Eingangsbereich des Campingparks. Der Naherholungszweckverband Breitenauer See hatte sich im Juli 2018 gegen eine Sanierung und für einen Neubau – die teuerste Variante – entschieden. Die Idee für den Altbau war, ihn zum Indoor-Spielplatz umzufunktionieren. Zweckverbands-Geschäftsführer Tobias Kniel hat Zweifel, ob die Fläche dafür groß genug ist. Das Gebäude müsse grundsaniert werden. Wie es letztendlich genutzt werde, damit werde man sich in ein bis zwei Jahren beschäftigten, so Kniel.

Meerjungfrau und Neptun grüßen

Tobias Kniel (rechts) und Campingparkmanager Klaus Schmitt an der Waschinsel, hinten sind die Duschen.

Fotos: Seidel

Aus der seit Jahren gewünschten Seebühne im Naherholungsgebiet wird wohl nichts. Kniel hat dafür keine Mittel mehr eingeplant. "Corona kam dazwischen." Aus finanzieller Sicht könne er das nicht befürworten. Er untermauert das mit Zahlen: Wegen der Seesperrung wurden 2020 nur 59.145 Eintrittskarten verkauft, 2019 waren es 144.679 zahlende Besucher. Im Campingpark betrug die Auslastung nur 71 Prozent. Normal sind rund 110.000 Übernachtungen, diesmal waren es nur 76?613. "Wir kommen mit einem blauen Auge davon", sagt Kniel zu den wirtschaftlichen Auswirkungen 2020, die keine Preiserhöhungen nach sich ziehen sollen. "Wir müssen sehen, wie die Auslastung die nächsten beiden Jahre wird", meint Kniel mit Blick auf den See, der gerade abgelassen wird.

Unmittelbar nach der Pressekonferenz, bei der der Wasserverband Sulm die Sicherheitsüberprüfung des Hochwasserrückhaltebeckens verkündete, seien die ersten Stornierungen für 2021 eingetroffen, berichtet Manager Schmitt. Dabei hatte er sich über den Oktober gefreut mit mehr Übernachtungen als 2019.

Höhere Kosten

Der Anbau an das Sanitärgebäude 3, das in den kommenden Jahren modernisiert werden muss, hat mehr gekostet als geplant. Aus 1,5 sind 1,8 Millionen Euro geworden. Der Grund sind umfangreichere Tiefbauarbeiten und die Lüftung, die teurer kam als veranschlagt. Zudem war eine zu geringe Summe für die Außenanlagen in der Berechnung enthalten. Das Land bezuschusst die Maßnahme mit 200.000 Euro. Der Campingpark hat je 300 Plätze für Dauercamper und für Touristen. Zudem kann in Schlaffässern und kleinen Ferienhäusern übernachtet werden. Die coronabedingte Schließung wurde unter anderem dazu genutzt, eine neue Zeltwiese anzulegen. 

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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