Marienkäfer im Herbst – Glücksbringer oder Plage?

Region  Sie bevölkern derzeit Küchen, Fensterbretter und Balkone der Region - zum Teil in großen Scharen. Zahlreiche Marienkäfer verirren sich im Herbst in unsere Wohnungen. Doch warum ist das so? Was macht man mit den kleinen Glücksbringern - und warum bringen sie eigentlich Glück?

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Baumritzen eigenen sich perfekt zum Überwintern: Mehrere Arten von Marienkäfern suchen auch am Gaffenberg ein Plätzchen für die kalte Jahreszeit.

Derzeit sind sie wieder in großer Anzahl anzutreffen, in Heilbronn, wie auf unserem Foto vom Gaffenberg, genauso wie auch in den ländlicheren Gegenden: Sonnenkälbchen, Frauenkäfer oder Herrgottskäfer. Der Marienkäfer ist in Deutschland unter zahlreichen Namen bekannt. Letzteren trägt er dank der Jungfrau Maria, da er – so der Glaube – in ihrem Namen Schädlinge vertilgt und vor Hexen und Unheil beschützt. Rund 70 verschiedene Arten gibt es laut Nabu (Naturschutzbund) alleine in Deutschland, weltweit sind es sogar 5500. Benannt werden sie meist nach der Anzahl der Punkte, die sie auf ihren Deckflügeln tragen.

Zeigen die Punkte wirklich das Alter an?

So auch der hierzulande Bekannteste, der Siebenpunkt-Marienkäfer. Rot gefärbt trägt er pro Deckflügel drei schwarze Punkte, ein siebter findet sich auf seinem Schildchen. Übrigens ist es ein Irrglaube, dass man anhand der Punkte das Alter des Käfers erkennt, die Anzahl der Punkte bleibt sein ganzes Leben lang - das etwa ein Jahr dauert - gleich. Doch nicht nur in der Anzahl der Punkte variieren Marienkäfer enorm, auch in der Farbgebung. Man findet sie in gelb, orange, verschiedenen Brauntönen und sogar in schwarz. 

Biologische Schädlingsbekämpfung

Während so manch einer beim Anblick anderer Käfer Ekel empfindet, ist dies beim Marienkäfer selten, denn wer würde schon einen Glücksbringer von der Picknick-Decke schnipsen? Doch warum gelten sie überhaupt als Glücksbringer? Einer der Gründe ist ihre unglaubliche Nützlichkeit für Gartenbau und Landwirtschaft: Alleine als Larve verspeisen sie laut Nabu in den drei Wochen bis zu ihrer Verpuppung zwischen 400 und 600 Blattläuse. Auch als ausgewachsene Käfer sind sie sehr gefrässig. 100 bis 150 Blattläuse frisst ein erwachsener Marienkäfer täglich. Die Nachkommen eines einzigen Marienkäfers können so an die 100.000 Läuse vertilgen. 

Und so können Marienkäfer gezielt zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Vor allem der besonders gefrässige asiatische Harlekin-Marienkäfer, denn dieser frisst auch Gallmückenlarven, Larven konkurrierender Marienkäfer-Arten und andere Insekten. Seine Farbe changiert von orange bis völlig schwarz, meistens trägt er 19  schwarze Punkte auf den Flügeldecken.

Rottet der asiatische Marienkäfer die einheimischen Arten aus?

Ausgehend von der ursprünglichen Nutzung als biologische Schädlingsbekämpfung hat sich der Harlekin-Marienkäfer dank seines Appetits und seiner Vermehrungsrate stark ausgebreitet. Die manchmal beschrieene Gefahr, dass der Harlekin die einheimischen Marienkäfer-Arten ausrottet, sieht Laura Breitkreuz, Insektenexpertin beim Nabu, eher weniger. "Er frisst die Larven anderer Marienkäfer nur, wenn nichts anderes da ist", so Breitkreuz. "Ich sehe zur Zeit auch viele einheimische Marienkäfer", erzählt sie und weist darauf hin, dass der Harlekin-Marienkäfer, anders als oft behauptet, nicht gefährlich sei. "Er kann nicht beißen oder sonst irgendwas."

Doch so nützlich die kleinen Krabbler in der Landschaft auch sind, Käfer in der Wohnung sind dann doch meistens unerwünscht. "Obwohl viele Marienkäfer eigentlich ein gutes Zeichen sind", erklärt Laura Breitkreuz, "dass heißt es gibt in der Nähe eine gute Umgebung für Insekten, etwa ein naturnahen Garten ohne Pestizide und mit vielen Blühpflanzen." 

Marienkäfer einzelnd
Wer die Punkte von Marienkäfern zählt, erfährt, um welche Art es sich handelt.

Kleine Pause in der Küche

Die Hochzeit der Marienkäfer ist, wie bei den meisten Insekten, der Sommer. Warum finden sich dann gerade jetzt zu Beginn der kalten Jahreszeit so viele der bunten Krabbler in den Häusern und Wohnungen? Sie sind auf der Suche nach einer geeigneten Winterunterkunft. Vor allem auf Balkonen und an Hauswänden oder auf Fensterbrettern können es dann aber Massenansammlungen von mehr als hundert Tieren werden.

Doch auch hier muss man keine Sorge haben: Der kleine Glücksbringer hat nicht vor in unseren Küchen zu überwintern. Laut Nabu legt er hier lediglich eine Pause ein, und es sei Zufall, wenn er durch ein geöffnetes Fenster hereinfliegt. "Es ist auch besser, wenn Marienkäfer draußen überwintern, als in den Räumen", so Laura Breitkreuz, "drinnen ist es zu trocken und zu warm."

Ab in die Freiheit

Für ihre Überwinterung, die die Marienkäfer dank ihres körpereigenen Frostschutzmittels in Form von Glyzerin und andere Zuckern bewältigen, begeben sie sich in den letzten Sonnetagen in die wärmere Regionen Europas oder suchen eben hier ein Quartier. Als Unterschlupf dienen ihnen dabei Laubhaufen im Garten, Baumstümpfe, Mauerritzen oder ein Dachboden. 

Einzelne Marienkäfer, die sich in die Wohnung verirrt haben, kann man leicht einsammeln und nach draußen bringen. Doch was, wenn es sich gleich mehrere Dutzend gemütlich gemacht haben? "Man könnte sie ganz vorsichtig mit dem Handfeger einsammeln", schlägt Breitkreuz vor. Der im Internet kursierende Tipp, einen Nylonstrumpf in einen Staubsauer zu machen um sie einzusaugen, erheitert sie. "Ich weiß nicht recht, ob das gut geht", sagt sie dazu. "Die Hüllen der Marienkäfer sind sehr hart, wenn sie aufeinander prallen, könnte ihnen das Schaden. Das würde ich höchstens auf niedrigster Stufe versuchen." 

Wenn man die Tierchen dann jedoch vorsichtig eingesammelt hat, sollte man sie in den Garten tragen. "Am besten macht man einen Laubhaufen, legt etwas Totholz dazu und dann vorsichtig die Marienkäfer", rät Lausitz. 


Draskovits

Katrin Draskovits

Autorin

Katrin Draskovits arbeitet seit 2019 bei der Heilbronner Stimme. Seit Juni 2021 ist sie Redakteurin bei der Hohenloher Zeitung und dort vor allem im Jagsttal unterwegs.

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