Lieferdienst Flink tritt in Heilbronn an

Heilbronn  Das Berliner Startup will in Heilbronn mit seinen Lebensmittel-Kurieren loslegen. Darauf weisen Einträge auf seiner Homepage hin. Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind allerdings umstritten.

Email
Die App des mobilen Supermarktes Flink ist auf einem iPhone zu sehen. Der Dienst kauft die Waren im Auftrag der Kunden bei herkömmlichen Supermärkten ein und liefert sie mit Fahrradkurieren aus. Foto: dpa

Der Lieferdienst Flink ist nach Heilbronn gekommen. Auf der Homepage des erst im Januar gegründeten Unternehmens ist die Käthchenstadt seit wenigen Tagen als 30. und damit jüngster Standort gelistet. Start war vergangene Woche, teilt ein Unternehmenssprecher mit. 

Rätsel um Standort des Warenlagers

Die Karte des Liefergebiets deutet in etwa an, wo das Lager und damit der Startpunkt für die Fahrradkuriere liegen dürfte, die dann künftig mit Rucksäcken die Ware zu den Kunden bringen sollen: am Rande der Innenstadt, etwa im Bereich Allee oder Urbanstraße. Eines kann jedenfalls nicht stimmen: die Adresse Urbanstraße 90, wie in Stellenausschreibungen angegeben. Sie existiert nicht – die Urbanstraße endet bei Hausnummer 70.

„Unser Hub befindet sich im Zentrum und beliefert von dort aus einen Großteil des Heilbronner Zentrums“, teilt Unternehmenssprecher Simon Birkenfeld mit. Der Lieferradius betrage ungefähr zwei Kilometer. Ausgeliefert werde mit Elektro-Fahrrädern. „Über die aktuelle Zahl unserer Mitarbeiter vor Ort und im Allgemeinen treffen wir momentan keine Aussage“, sagte er weiter.

 

Liefergebiet umfasst weite Teile der Kernstadt

Das Liefergebiet reicht laut Flink-Homepage nach Süden bis zum Schwabenhof und zur Hochschule Heilbronn. Es umfasst die Innenstadt und den Heilbronner Osten, die Bahnhofsvorstadt, Böckingen-Nord zwischen B293, Saarlandstraße und Neckargartacher Straße, im Industriegebiet Nord das Areal bis zum Containerterminal, der Firma Brüggemann und zur Stimme-Druckerei sowie die B27 bis zum Abzweig nach Erlenbach. Das Sortiment umfasst demnach 2400 Artikel, die Bestellung – ausschließlich über eine App möglich – soll innerhalb von zehn Minuten geliefert werden. 

Vor drei Wochen wurde der Start in Aachen als 26. Stadt in Deutschland offiziell verkündet. Hinter Aachen sind auf der Liste inzwischen noch Oberhausen, Bochum und Kiel aufgeführt und als jüngster Eintrag Heilbronn. In Stuttgart sind Radler von Flink bereits unterwegs.

Der Lieferdienst arbeitet mittlerweile mit der Handelskette Rewe zusammen. Pfandgut soll dort zurückgegeben werden, heißt es auf der Homepage. Das ist nichts Ungewöhnliches – Edeka kooperiert schon seit längerem mit dem niederländischen Lieferdienst Picnic, der aber nach wie vor überwiegend in Nordrhein-Westfalen vertreten ist. Bei den unabhängigen Dienstleistern hat sich innerhalb eines Jahres Gorillas an die Spitze geschwungen.

Proteste rufen Arbeitsminister Heil auf den Plan

Die Arbeitsbedingungen sind allerdings umstritten. Die Fahrradkuriere werden nach diversen Medienberichten nur knapp über dem Mindestlohn von derzeit 9,60 Euro brutto pro Stunde bezahlt, während den Kunden für die Lieferung 1,80 Euro in Rechnung gestellt werden. Entsprechend müssten die Kuriere enorm viele Fahrten in kurzer Zeit absolvieren, damit ein Standort überhaupt schwarze Zahlen erwirtschaftet, rechnen Analysten vor. Manche Dienste verpflichteten die Kuriere dazu, selbst für die Wartung ihrer Fahrräder zu sorgen, heißt es in Medienberichten weiter.

Angesichts dieser prekären Situation kam es vergangene Woche zu Streiks und Blockadeaktionen bei Gorillas in Berlin, wo sich selbst Bundes-Arbeitsminister Hubertus Heil über die Situation informierte. Die Beschäftigten kritisieren befristete Arbeitsverträge, den hohen Zeitdruck, schlechte Ausrüstung und unpünktliche sowie fehlerhafte Bezahlung. Heil sprach sich für das Ende von sachgrundlosen Befristungen aus. Er rief die Beschäftigten dazu auf, sich im Arbeitskampf mit Gewerkschaften zusammenzutun.

Flink wolle sich von diesen Methoden abheben, sagt Birkenfeld: Alle Kuriere und Lagerarbeiter seien sind fest angestellt. „Wir stellen hochwertige Elektro-Fahrräder und Ausrüstung zur Verfügung, wir zahlen über Tarif und bieten Sonderleistungen wie Rabatt auf Einkäufe an“, berichtet er. „Die umfassende Berücksichtigung von sozialen und arbeitsrechtlichen Standards unterscheidet uns von einigen unserer Wettbewerber.“

 


Heiko Fritze

Heiko Fritze

Autor

Heiko Fritze arbeitet seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Er ist für das Team Wirtschaft & Politik tätig.

Kommentar hinzufügen